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Banken als Gewinner der Migration

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Thomas Ruecker via Getty Images
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2016 hatten etwa 17 Millionen Personen in Deutschland einen Migrationshintergrund. Die Wege und die Gründe für Migration sind vielschichtig, viele Einwanderer haben jedoch eines gemeinsam: Sie senden finanzielle Unterstützung an die Familien und Freunde in der oft fernen Heimat. Laut Schätzungen der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GiZ) ist im Jahr 2016 durch Migranten dreimal so viel Geld in die Heimatländer geflossen, als durch öffentliche Entwicklungshilfe. Letzte Schätzungen der Weltbank aus 2015 sprechen von weltweit rund 440 Mrd. US$ Rücküberweisungen.

Banken profitieren von Rücküberweisungen der Migranten

Berechnungen des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit zufolge machen Geldtransfers häufig einen bedeutenden Teil des gesamten Einkommens dieser Haushalte aus: Auf den Philippinen beispielsweise stammen 25-50 % des durchschnittlichen Haushaltseinkommens aus dem Ausland. Die asiatische Entwicklungsbank schätzt, dass 4,3 Mio. Menschen auf den Philippinen nur aufgrund von Geldtransfers über der Armutsgrenze bleiben. Rücküberweisungen können damit als indirekte Entwicklungshilfe beschrieben werden und man könnte von einem Zusammenhang zwischen dem Anstieg von Geldtransfers und der Verringerung von Armut sprechen.

Dennoch sind die Kosten für Rücküberweisungen insbesondere in die Teile der Welt, in die große Summen der jährlichen Rücküberweisungen durch Migranten fließen, immens. Überweisungen innerhalb des europäischen Wirtschaftsraums sind längst streng reguliert und Inlandsüberweisungen gleichgestellt, wohingegen Überweisungen in keine andere Region der Welt so teuer wie in afrikanische Länder. Durchschnittlich 11,55% verlangen Banken und Finanzdienstleister für länderübergreifende Überweisungen. Damit fließen jedes Jahr Millionensummen dieser privaten Entwicklungshilfen vorbei am ursprünglichen Interesse und wandern stattdessen in die Kassen der Banken und Dienstleister. Aktuell profitieren von den stetig wachsenden Rücküberweisungen damit vor allem die Banken.


2021 gibt es weltweit mehr Mobiltelefone als Bankkonten

Da von 7 Milliarden Menschen auf dem Globus bis zu 2 Milliarden Menschen über kein eigenes Bankkonto verfügen, wird klar, welches Potenzial dem Geschäft inhärent ist, wenn die Menschen erstmalig Smartphones in den Händen halten und diese Geräte für den Zahlungsverkehr zugelassen sind. Laut einer aktuellen Cisco-Studie wird es im Jahr 2021 weltweit mehr Mobiltelefone (5,5 Milliarden) als Bankkonten (5,4 Milliarden) geben. Diese digitalen Dienstleister setzen darauf, angesichts der Smartphone-Verbreitung und dem inhärenten Marktwachstum bestens positioniert zu sein.

Klassischerweise arbeiten Geldtransfer-Anbieter mit einem großen Netzwerk an Mittelsmännern, die das Geschäft vor Ort offline abwickeln. Dieses System von Mittelsmännern kosten viel Geld, dennoch werden bislang Überweisungen zu 90% offline getätigten. Moderne Fintechs ersetzen etwa die Hälfte dieser Wertschöpfungskette direkt durch die Digitalisierung dieses Prozesses. Dabei gibt es keine Agenten, sondern lediglich eine reine Online-Plattform. Man teilt die Provision also immer auch mit der Bank.
Dabei werden je nach Zielland Kosten bis zu 2% in Rechnung gestellt, wobei die Partnerbank im Durchschnitt 1% vereinnahmen darf.

Klassische Remittance-Industrie vs. FinTech-Startups

Damit könnten diese Dienstleister auch zu mehr Kundenorientierung und zu mehr Transparenz im Markt führen. Unsere eigenen Zahlen zeigen uns, dass Deutschland mit einem Drittel der Transaktionen schon einen großen Schritt im Bereich digitaler Transformation genommen hat. Es sind damit die Migranten, die digitale Innovationen in diesem Bereich nachfragen und vorantreiben. In einem Land, das im Bereich Onlinebanking noch deutliches Potenzial hat.

Traditionelle Banken profitieren daher nur kurzfristig von den Serviceleistungen für Migranten. Die fehlende Flexibilität in ihrem Angebot führt unweigerlich zu einem Umdenken, hin zu den alternativen Anbietern für Rücküberweisungen. Für Migranten hat eine Bankfiliale schlicht nicht den Stellenwert, wie für alteingesessene Deutsche.

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