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Cannabislegalisierung: Warum sich nichts ändern wird

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Als im Januar 2017 Cannabis in Deutschland im Schnellverfahren legalisiert wurde, bewerteten die meisten Beobachter das als logische und pragmatische Lösung eines unnötigen, durch das Verbot überhaupt erst hervorgerufenen Problems.

Mit dem drogenpolitischen Umdenken in Uruguay, der Legalisierung von Cannabis in einigen US-Bundesstaaten und der Initiative Kanadas in die gleiche Richtung, die in ihrer Umsetzung sogar überholt worden war, hatte sich der Schritt quasi angekündigt.

Eine weltweite Neuausrichtung hatte ohnehin längst begonnen und einzig die für deutsche Verhältnisse ungewöhnlich hohe Geschwindigkeit der Umsetzung konnte noch überraschen.

Gerüchte gingen um, es sei Kanzlerin Merkel selbst gewesen, die den Prozess derart vorantrieb, weil sie nach einem Weg gesucht hätte, CSU-Chef Horst Seehofer gegenüber einen unmissverständlichen Beweis ihrer Vormachtstellung zu erbringen.

Das ist selbstverständlich nichts als Spekulation und jeder vernunftbegabte Mensch muss einsehen, dass komplexe politische Vorgänge sich nicht auf derart einfache Erklärungen herunterbrechen lassen. Die Abschaffung eines so umstrittenen Gesetzes, mit einer persönlichen Fehde erklären zu wollen, kann man getrost als illusorisch bezeichnen.

Cannabis ist nicht jedermanns Sache

Die meisten Deutschen wussten mit ihrer neugewonnenen Freiheit wenig anzufangen. Viele interessierten sich auch gar nicht dafür. Cannabis ist schließlich nicht jedermanns Sache. Die unmittelbaren Auswirkungen auf das Land hielten sich daher in Grenzen.

Bahlsen hatte das umsatzstärkste Jahr seit Firmengründung und die Zahl der Verkehrstoten sank, weil weniger betrunkene Raser unterwegs waren.

Im Gegenzug stieg in fast gleichem Maß die Zahl von Bagatellunfällen im innerstädtischen Verkehr wie Einparkremplern und Leuten, die mitten auf der Straße einfach mit dem Fahrrad umfielen und so Chaos verursachten. Der Verkauf von Schmerzmitteln ging erwartungsgemäß leicht zurück und auf dem Oktoberfest wurde erstmals weniger Bier ausgeschenkt als im Vorjahr.

Die Innenstädte wurden etwas ruhiger und freundlicher, die Polizisten auch, aber drastisch war keine dieser Entwicklungen. Am gesellschaftlichen Gesamtbild änderte sich kaum etwas.

Eigentlich habe ich es ganz gern gemocht, bei Dealern einzukaufen

Für mich persönlich war zum Beispiel nur neu, dass ich mein Gras jetzt einfach in Läden kaufen konnte, anstatt zu Dealern gehen zu müssen. Davon abgesehen änderte sich mein Konsumverhalten eigentlich überhaupt nicht.

Dabei hatte ich es tatsächlich ganz gerne gemocht, bei Dealern einzukaufen. Es war immer ein sehr eigener Vorgang voller Rituale, ungeschriebener Regeln und lustiger Momente gewesen.

Jetzt kaufe ich mein Gras eben im Laden, aber dass das jetzt mein Konsumverhalten verändert hätte, nein. Dass ich jetzt mehr rauchen würde, das kann ich nicht bestätigen. Bei Magnus zum Beispiel, meinem Mann fürs Grüne von ungefähr 2002 bis 2005, kaufte ich alle zwei Wochen so fünf Gramm von diesem köstlichen, schwarzen Hasch, dessen Name mir gerade nicht mehr einfällt.

Aber ist ja auch nicht wichtig. Jedenfalls kaufe ich auch heute nicht öfter als alle zwei Wochen Gras. Vielleicht war das auch eher von 2004 bis 2007 mit Magnus. 2002 müsste ich noch bei Mike eingekauft haben.

Der hatte immer dieses klebrige Haze aus Holland, das alle wollten. Und beim Supermarkt nebenan gab es so Schokowaffeln und das ganze Jahr über frische Kakis. Ich hab tierisch viele Kakis gegessen damals.

Wieso fangen eigentlich alle Namen meiner ehemaligen Dealer mit M an? Ach ne, Mario. Ach so, doch, aber Robert, der nicht. Und bei Robert auch: sieben Gramm alle zwei Wochen, nicht öfter. Also da kann wirklich keiner behaupten, dass sich mein Konsumverhalten von damals nach heute irgendwie verändert hätte.

Ich kaufe heute nicht öfter ein als früher

Gestern zum Beispiel, da war ich zum ersten Mal seit zwei Wochen wieder im Laden, um mich einzudecken und während ich meine üblichen fünfzehn Gramm in drei Sorten einpacken ließ, bin ich doch glatt dem Herrn Niemeyer begegnet, meinem Sportlehrer von damals in der Siebten.

Der ist noch nicht mal in Rente, aber kifft jetzt auch wie ein Ofen. Haben dann noch Tee getrunken und einen geraucht, ein bisschen über alte Zeiten geredet. Darüber, wie er mich immer über die binomischen Formeln ausgefragt hat, weil ich mir die nie merken konnte.

Das hat er mir aber auch nicht verübelt, dass ich mit Zahlen nicht so gut war. Er meinte, dass man sich da als Mathe-Lehrer schon dran gewöhnt, dass einige Leute das halt einfach nicht können.

Schon ein super Kerl, der Herr Lang. Auf dem Heimweg bin ich dann aus Versehen mit dem Fahrrad umgefallen, einfach so, mitten im Verkehr. Aber wie gesagt, alle zwei Wochen.
Einfach so umgefallen. Haha.

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