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Warum ich aufgehört habe, eine wütende Veganerin zu sein

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VEGAN
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Meine Mutter hat angekündigt, dass sie in Zukunft weniger Fleisch essen will. Sie nimmt jetzt jeden Tag zwei fleischlose Mahlzeiten zu sich.

Das ist ein großer Schritt für sie, denn so sehr sie meine Lebensweise auch respektiert und unterstützt, wollte sie mein Essen bisher nicht einmal probieren. Sie lehnte es jedes Mal mit der Entschuldigung ab, dass das doch "nur etwas für Veganer" sei.

Als sie mich letzte Woche besuchte, erklärte sie sich überraschenderweise dazu bereit, sich vier Tag lang vegan zu ernähren. Ich ging mit ihr in vegane Restaurants, ich kochte meine leckersten Gerichte für sie und kaufte alle meine veganen Lieblingssnacks.

Nachdem sie wieder nach Hause gefahren war, gab sie zu, dass sie sich durch mein Essen besser fühlte. Sie überprüfte sogar ihren Blutdruck und stellte fest, dass er tatsächlich gesunken war.

Ich kritzelte überall "Fleisch ist Mord" hin

Schon in meiner Teenagerzeit griff ich sie ständig wegen ihres Fleischkonsums an, und ging uns damit beiden auf die Nerven. So weigerte ich mich beispielsweise, ihr beim Tragen der Einkaufstaschen zu helfen, wenn sie tierische Produkte gekauft hatte.

Ich kritzelte überall "Fleisch ist Mord" hin und brüllte auf Demonstrationen fremde Menschen an. Dabei dachte ich nicht ein einziges Mal darüber nach, dass ich andere mit meinem Verhalten sogar von der veganen Lebensweise wegtreiben könnte. Ich schadete also der Sache, die eigentlich meine absolute Herzensangelegenheit war.

Eine Studie hat ergeben, dass ein Viertel aller Menschen nicht auf eine vegetarische oder vegane Lebensweise umsteigen wollen, weil manche Veganer so aggressiv oder besserwisserisch sind.

Veganer zu werden ist eine Lebensentscheidung, die man aus gutem Grund trifft: weil einem komplett bewusst geworden ist, wie ungerecht und grausam Menschen sich gegenüber Tieren verhalten.

Mehr zum Thema: Warum vegan leben? Die wichtigsten Fakten und Tipps

Viele Veganer - darunter auch ich selbst - haben es sich zur Lebensaufgabe gemacht, ihre Mitmenschen über die Vorteile der veganen Ernährung aufzuklären.

Oft passiert es dadurch jedoch, dass die Wut und der Ärger, den wir empfinden, als Aggression gegenüber nicht-veganen Menschen wahrgenommen wird.

Die meisten Veganer sind mitfühlende, mutige und freundliche Menschen

Wir dürfen nicht vergessen, dass die meisten von uns auch nicht als Veganer geboren wurden, und dass wir deshalb durchaus nachvollziehen können, warum manche Menschen noch immer Fleisch und andere tierische Produkte konsumieren.

Die meisten Veganer sind mitfühlende, mutige und freundliche Menschen, die andere dazu anregen wollen, ein ethisch korrekteres Leben zu führen. Und es ist ungerecht, diese Begeisterung herabzuwürdigen, indem man alle Veganer als besserwisserisch oder voreingenommen bezeichnet.

Keiner hört einfach so damit auf, tierische Produkte zu konsumieren. Veganer informieren sich ausführlich darüber, was in der Fleisch-, Milch- und Eierindustrie passiert, und sie entscheiden sich bewusst dafür, dass sie diese Industrien nicht länger unterstützen wollen.

Meine Mutter ist ein Beispiel dafür, dass wir andere Menschen nur dann von einer veganen Lebensweise überzeugen können, wenn wir Verständnis für sie aufbringen. Wir müssen Geduld mit ihnen haben und vor allem freundlich zu ihnen sein.

Wir müssen akzeptieren (jedoch nicht respektieren), dass es weiterhin Menschen geben wird, die Fleisch essen. Doch wir müssen zeigen, wie toll es ist, vegan zu leben. Wir müssen mit ihnen über unsere Lebensweise sprechen.

Ich bin mittlerweile keine "wütende Veganerin" mehr und kann andere auf vernünftigere und wirksamere Weise über die vegane Lebensweise aufklären. Ich verteile jetzt lieber veganes Essen, um anderen Menschen zu zeigen, wie lecker das schmeckt.

Viele Veganer stecken noch in ihrer wütenden Phase

Und ich führe gerne sinnvolle Gespräche mit ihnen, in denen ich ihnen erkläre, warum ich mich für diese Lebensweise entschieden habe. Doch wie viele Veganer gibt es, die noch immer in ihrer wütenden Phase feststecken, ohne sich darüber im Klaren zu sein, dass sie mit ihrem Verhalten der ganzen Bewegung schaden?

Lasst uns wütend sein. Wir haben genügend Gründe, auf eine Welt wütend zu sein, in der Tiere als Gebrauchsartikel angesehen und auf jede erdenkliche Weise ausgebeutet werden.

Doch wir sollten nicht auf diejenigen wütend sein, die einfach nur Teil dieses schrecklichen Systems sind. Stattdessen sollten wir uns mit aller Kraft dafür einsetzen, dass auch sie ihre Herzen für das Leid der Tiere öffnen.

Dieser Blog erschien ursprünglich bei der HuffPost UK und wurde von Susanne Raupach aus dem Englischen übersetzt.

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(lk)