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Ich erlebe oft herabwürdigende Worte und Blicke - es wird Zeit, Menschen endlich nicht mehr nach ihrem Aussehen zu beurteilen

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Wir leben in einer Gesellschaft fertiger Wahrheiten und Oberflächlichkeiten. Und das ist sicherlich kein Geheimnis. Es ist auch kein Geheimnis, dass hübsche Menschen häufiger Erfolg als andere haben.

Wir urteilen über Menschen und stecken sie in Schubladen - und das in Bruchteil einer Sekunde. Ganz ohne Hintergrundwissen fangen Menschen an sich ihrer "gefühlten Wahrheiten" zu bedienen.

Vorurteile dienen der Orientierung

Vorurteile sind - um es ein wenig wissenschaftlich zu machen - stabile negative Einstellungen, gegenüber Menschen die zu einer bestimmten Gruppe gehören. Wichtig ist zu erwähnen, dass Vorurteile sich oftmals nicht auf eigenen Erfahrungen stützen, sondern eher übernommen werden.

Wer kennt es nicht, dass eine Großtante eines Bekannten von ihrem Sohn gehört hat, dass alle Geflüchteten mehr kriegen als Arbeitslose? Meistens stützen sich eher schwache Persönlichkeiten auf Vorurteile.

Klar ist: Vorurteile helfen Menschen, um sich zu orientieren. Es ist dabei aus der Sicht des oder der Vorurteilenden nicht einmal notwendig jedes Mal neue Informationen aufzunehmen oder neu zu bewerten.

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Wenn jemand eine negative Einstellung gegenüber gewisse Gruppen hat, brauch der- oder diejenige sich auch nicht mehr mit diesen Gruppen weiter auseinandersetzen. Und das ist ein großer Fehler.

Wer nicht polarisiert, ist nicht interessant

Wir kennen es alle - im Fernsehen läuft eine Pseudo-Doku-Soap und stellt eine junge Frau, welche sich für Make-Up interessiert als bildungsfern dar. Diese Darstellung entzieht sich jeder freien Interpretation, denn solche Sendungen zielen darauf ab, den Betrachter und die Betrachterin zu empören. So werden schließlich Menschen in Schubladen gesteckt.

Menschen müssen polarisieren. Und das ist ein wahres Geschäft. Wer nicht polarisiert, ist uninteressant und bringt keine Quoten. Quoten bringen bekanntlich Geld.

Die Folge: Es werden Stereotypen gebildet. Es ist daher an der Zeit sogenannte "fertige" und "gefühlte Wahrheiten" zu durchbrechen und einen Menschen nicht auf ein äußerliches Merkmal zu reduzieren. Im Alltag begegne ich regelmäßig sexistische, herabwürdigende und verletzende Worte und Blicke, wenn ein Mensch nicht so aussieht wie die Gesellschaft es gern hätte.

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Wir alle sind Oberflächlich

Lookismus bezeichnet die Stereotypisierung und Diskriminierung eines Menschen aufgrund des Aussehens und ist ein großes Problem in unserer Gesellschaft. Deshalb hat bereits der australische Bundesstaat Victoria 1995 ein Gesetz eingeführt, welches die Diskriminierung von Menschen wegen des Aussehens unter Strafe stellt. Und ich sage: Richtig so!

Erschreckenderweise gab es in Chicago vor vielen Jahrzehnten ein Stadtgesetz, welches Personen, die erkrankt, gelähmt, verstümmelt oder in irgendeiner Weise entstellt waren verboten hat, sich in der Öffentlichkeit zu zeigen. Für jeden Verstoß wurden zwischen einem Dollar und 50 Dollar Strafe erhoben. Absolut unvorstellbar, oder?

Es wird Zeit das wir uns mit unserer Gesellschaft liberaler und interessierter auseinandersetzen. Wir dürfen nicht zulassen, dass Menschen in unserer Gesellschaft aufgrund ihres Aussehens stigmatisiert werden und Medien dadurch profitieren.

Wir alle müssen Individualistinnen und Individualisten gewähren lassen, ohne sie im selben Atemzug herabzuwürdigen. Fest steht: Wir alle sind oberflächlich, das ist mit Sicherheit nicht von der Hand zu weisen.

Aussehen ist kein Indikator für den Wert eines Menschen

Es hört sich natürlich immer schöner an, wenn man sagt, man sei tolerant und hätte nichts gegen gewisse Gruppen in unserer Gesellschaft. Es ist schließlich das, was wir alle hören wollen - im Grunde genommen ist die Lüge eine Maßnahme um sich selbst und andere schützen zu können. Selbstschutz, um keine persönlichen Nachteile erfahren zu müssen, Fremdschutz, um Menschen nicht zu verletzen.

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Wir alle haben noch eine Menge zu lernen. Aussehen ist kein Indikator für den Wert eines Menschen. Wir alle haben unsere äußerlichen Makel. Es ist überhaupt nichts verwerfliches, Mensch zu sein. Lasst uns unbedingt in Zukunft reflektierter denken und handeln, denn nur so kann eine Gesellschaft von Stigmata befreit werden.

Übrigens: Tiere interessiert es nicht wie du aussiehst. Es ist ihnen egal ob du dick oder dünn bist. Ob du gut oder schlecht gekleidet bist. Oder ob du arm oder reich bist. Für sie zählen einfach nur deine Taten.

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