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Die Pax Europa - ein Plädoyer für ein Vereintes Europa

08/08/2015 08:56 CEST | Aktualisiert 08/08/2016 11:12 CEST
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Die momentane Phase des Friedens in Europa ist einzigartig, beispiellos. Bedingt ist sie auch durch den europäischen Einigungsprozess. Doch Nationalisten in der Bevölkerung und der Politik sägen an dieser Friedensordnung. Es zeigen sich Parallelen zum antiken Rom.

Die alten Römer haben es geschafft, sowohl durch geschickte Diplomatie wie auch erbarmungslose Eroberungszüge, weite Teile des europäischen Kontinents und auch erhebliche Teile der Kontinente darum zu vereinen, fast den gesamten, westlichen Teil der ,,zivilisierten" antiken Welt.

Beinahe zahllose Kleinstreiche und Stadtstaaten wurden unter einer Herschafft geeint. Dieses Rom war nie, auch in der sogenannten ,,republikanischen" Zeit, die ihr Ende mit Cäsar und Augustus fand, eine Demokratie, geschweige denn kann man von der Umsetzung von zumindest rudimentären Menschenrechten sprechen.

Doch diese frühe europäische Einigung, wenn auch zu oft mit dem Schwert erzwungen, hat eines bewirkt, das wir uns auch heute noch als Ziel setzen sollten: weitgehender Frieden.

Ein zersplittertes Europa, durch permanente Kriege untereinander gezeichnet, wurde geeint, Kriege untereinander eigentlich unmöglich. Die Forschung nennt diesen Zustand Pax Romana.

Das alte Rom kann uns hier als Vorbild dienen.

Das Streben nach Frieden war eine der erklärten Zielsetzungen der Anfangszeit des modernen europäischen Einigungsprozesses, das Erleben des zweiten Weltkrieges noch tief in den Knochen. Eine bewusste Berufung auf Rom gab es nicht, obwohl dieses konkrete Vorgehen durch und durch vom römischen Geist geprägt war. Integration statt Ausgrenzung. Das sich über nationale Unterschiede hinwegsetzende Denken.

Hatten die fremden Völker andere Götter, so nahmen die Römer diese einfach mit in ihren Pantheon auf. Nichtrömer marschierten fast von Anfang an Seit an Seit mit römischen Legionären, später konnten sie auch Teil dieser Legion werden. Die späten Kaiser setzten gar auf Nicht-Italiker als persönliche Leibgarde, die eigenen Prätorianer hatten sich als zu korruptionsanfällig erwiesen. Nur ein paar Beispiele.

Diese Strategie hat sich für die Römer über Jahrhunderte bewährt. Rom war nicht ein Volk, es hatte nicht die eine Kultur. Rom war einer der frühesten Vielvölkerstaaten, ein Schmelztiegel, es vereinte viele Kulturen. Die besten Ideen der einzelnen Völker hat Rom zum Nutzen aller Völker umgesetzt.

Der Erfolg Roms spricht für sich.

Doch gab es jene, die bereit waren, für den eigenen, individuellen Gewinn dieses große Ganze aufs Spiel zu setzen. Regionalherrscher, die sich abspalteten sowie Usurpatoren, nach der ganzen Macht strebende. Das Reich wurde unzählige Male geteilt, um Machtstreitigkeiten vorzubeugen, die dann doch mit voller Wucht ausgebrochen sind. Bürgerkriege, zahlreiche, Legion gegen Legion.

Natürlich, der Todesstoß wurde Rom von dem verpasst, was wir heute als ,,Völkerwanderung" bezeichnen, eine echte, nicht die paar Flüchtlinge, die man uns heute allzu oft von entsprechender Seite als Völkerwanderung verkaufen will.

Doch war Rom zu diesem Zeitpunkt bereits geschwächt. Viele Faktoren trugen bei zu dieser Schwächung, die Forschung streitet noch immer über die Gewichtung. Doch war es eben auch nicht zuletzt dieses egoistische Streben der kleinen Regionalherrscher, der Usurpatoren, der Möchtegernherrscher, und fast jeder der Kaiser ist unter dieser Kategorie zu fassen.

Was folgte, das war das Mittelalter. Ein Verlust von Wissen, Wohlstand, Bildung, Hygiene, und des Friedens. Unser Kontinent hat über 1000 Jahre gebraucht, um den Fall Roms wett zu machen.

Und auch heute erleben wir das wieder. Kleine Herrscher hetzen gegen das vereinte Europa, geben vor, dies für ihr eigenes Volk zu tun. In Wahrheit haben sie nur ihr eigenes Machtstreben im Sinn. Sie sind bereit, das Große, das Ganze zu opfern für ihren individuellen Gewinn.

Sie sitzen zum Beispiel in London, in Budapest, in München. Teile dieser Völker schließen sich ihnen an, sehen nicht, was sie tun, was sie aufs Spiel setzen. Stellen sich auf Plätze, schreien den Namen ihrer Nation. Verteufeln Europa.

Europa, wir haben vieles zu kritisieren an ihr.

Aber der Weg zurück zu den Nationalstaaten ist der falsche. Wir dürfen nicht auf so billige Identifikationsmerkmale wie Hautfarbe, Sprache oder Geburtsort zurückfallen. Unsere Identifikationsmerkmale, die sollten das Streben nach Frieden, nach der bestmöglichen Demokratie, nach Freiheit sein.

Und diese kennen keine Nationalgrenzen. Rom kann dabei eine unsere geschichtlichen Grundlagen sein. Es hat in vielen Bereichen die Fundamente gelegt. In noch sehr vielen mehr müssen wir es besser machen. Vor allem aber sollten wir aus den Fehlern, die gemacht wurden lernen.

Denn wenn wir scheitern könnten wir ein zweites Mittelalter erleben.


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