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Warum wir uns nicht auf die Logik des Terrorismus einlassen sollten

14/11/2015 09:08 CET | Aktualisiert 14/11/2016 11:12 CET
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Gestern Abend bis in die Nacht hinein hat es eine Reihe von Anschlägen in Paris gegeben. Laut Agenturmeldungen gab es etliche Tote und noch mehr Verletzte.

Natürlich werden die Vorkommnisse nun von allen Medien aufgegriffen. Sie machen damit genau das, was der Terrorismus sich erhofft. Der Terrorismus an sich ist schwach. Es ist ihm nicht möglich, die staatliche Ordnung direkt heraus zu fordern.

Angriffsziel: Stimmung der Öffentlichkeit

Sein Angriffsziel ist die Stimmung der Öffentlichkeit. Diese wird beeinflusst durch die Anwendung von Gewalt. Er geht dabei eine Symbiose mit den Medien ein, welche die vom Terrorismus verübten Gewalttaten und gleichzeitig die inhaltlichen Forderungen des Terrorismus an die Bevölkerung transportieren.

Diese Feststellung mag kurz nach einem solchen Anschlag pietätlos erscheinen, aber die Gefahr, die vom Terrorismus für das Individuum ausgeht ist statistisch minimal. Die Gefahr für das politische System ist null.

Die Macht des Terrorismus geht nicht von seinen Taten aus, sondern von der Reaktion der Öffentlichkeit auf sie. Die Verbreitung von Angst und Schrecken in ihr ist gewollt, es ist das primäre, wenn nicht einzige Ziel, der einzige Zweck der terroristischen Aktion.

Anschläge bedrohen auch Deutschland

Die Anschläge von heute Nacht zielten dabei offensichtlich nicht nur auf die französische Öffentlichkeit, sondern auch auf die deutsche ab. Das ist deutlich an einem der Ziele, ein Fußballspiel zwischen dem französischen und dem deutschen Team zu erkennen. Eine durch die Berichte der Medien in Angst versetzte Bevölkerung setzt die Politik unter Druck zu handeln.

Eine Reaktion der Politik auf Terrorismus ist von Letzterem aber gewünscht. Es soll bewusst der Eindruck von Chaos vermittelt werden. Der terroristischen Organisation soll eine unverhältnismäßige Bedeutung zugeschrieben werden.

Zugleich dienen die möglichen Antworten der Politik auf die Anschläge, wie die Anwendung eigener Gewalt oder die Verschärfung von Gesetzen, zur Darstellung des Staates als brutal und unterdrückend. Diese Maßnahmen sind in der Regel zugleich nicht geeignet als Mittel der Terrorismusbekämpfung.

Grenzen wurden geschlossen

Wir können all das im Moment in Echtzeit in Frankreich beobachten. Unter Druck von der fordernden Bevölkerung setzt die französische Politik anscheinend sofort öffentlichkeitswirksame Maßnahmen um. So wurden zum einen die Grenzen geschlossen und allem Anschein nach zum anderen die Armee mobilisiert.

All das ist reine Symbolpolitik, die als Botschaft an die Bevölkerung dient. Diese Maßnahmen sind jedoch nicht tatsächlich zur Bekämpfung des Terrorismus geeignet. Sie dienen weder der Bevölkerung noch dem Staat oder der Politik, folgen allerdings der Terrorismuslogik und nutzen diesem.

Zugleich ist zu bemerken, dass diese Logik des Terrorismus (in diesem konkreten Fall) der Logik der Gegner einer der kommenden Flüchtlinge gegenüber positiv eingestellten Politik entspricht.

Anders ausgedrückt: Genau so wie der Terrorismus wollen auch sie den Eindruck von Chaos, die Darstellung von Gewalt und damit Angst und Schrecken verbreiten. Die terroristischen Anschläge werden, das ist sicher, von Pegida und Co ,,ausgeschlachtet", und zwar gegen die zu uns kommenden Geflüchteten.

Es ist aber anzumerken, dass die Flüchtlinge selbst zum allergrößten Teil vor dem extremistischen, faschistoiden Islamismus geflohen sind.

Absolute Sicherheit gibt es nicht

Wir müssen uns dieser Terrorismuslogik und den sich ergebenden Komplikationen bewusst sein. Wir müssen uns eingestehen, dass es keine absolute Sicherheit geben kann. Man kann nicht in der Hoffnung, den Terrorismus völlig zu beenden, immer stärker verschärfte Gesetze erlassen. Man kann Terrorismus auch nicht durch den Einsatz von eigener Gewalt beenden.

Terrorismus ist schwer zu ertragen. Doch leider muss festgehalten werden, dass die seit Charlie Hebdo umgesetzten Maßnahmen den gestrigen Abend nicht verhindern konnten. Weiterhin muss klar sein, dass die Menschen, die derzeit zu uns kommen keine Schuld an den Anschlägen tragen.

Video: Pressestimmen zu „Charlie Hebdo"

Wut, Trauer, Solidarität und ein „Akt der Barbarei"

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