BLOG

Unsere Selbstlüge von der Sicherheit

12/03/2017 18:16 CET | Aktualisiert 12/03/2017 18:16 CET

Das Streben nach Sicherheit als Lebensziel ist ein Relikt vergangener Jahrzehnte. Aber nicht weniger präsent in dieser Zeit, wenn Menschen ihre eigene Entwicklung blockieren und lieber den vermeintlich sicheren Weg gehen, den es nicht gibt.

Unterstützt wird die Sicherheitslüge von Angst vor dem großen Unbekannten. Ich möchte Mut machen, die Chancen und Möglichkeiten zu erkennen und zu ergreifen, statt sich an der Vergangenheit festzuklammern. Denn diese können wir nicht mehr ändern, die Gegenwart schon.

Danke an Hermann Scherer, der die "Lüge von der Sicherheit" klar auf den Punkt bringt:

„Um Freiheit zu erreichen, müssen wir unsere Sicherheit aufgeben. Uns ist die Sicherheit jedoch so wichtig, dass wir dafür unsere Freiheit aufgeben. Lebe Dein Leben oder lebe in Sicherheit. Beides geht nicht."

Von welcher Sicherheit sprechen wir? Von der Sicherheit, niemals krank zu werden? Von der Sicherheit, niemals unseren Job zu verlieren? Von der Sicherheit, nicht von unserem Partner verlassen zu werden? Von der Sicherheit, privat und geschäftlich nicht zu scheitern? Von der Sicherheit, keine uns nahe stehenden Menschen zu verlieren? Allein diese kurze Aufzählung zeigt, wie grotesk unser falscher Sicherheitsgedanke ist. Auch, weil ich alles bereits selbst erlebt habe.

Ein unbefristetes Arbeitsverhältnis bedeutet nicht ein Arbeitsvertrag auf Lebenszeit. Aber genau davon gehen viele Arbeitnehmer aus und fallen in ein tiefes Loch, wenn sie nach 10 und mehr Jahren Betriebszugehörigkeit plötzlich betriebsbedingt gekündigt werden. Zwei Menschen führen so lange eine partnerschaftliche Beziehung, wie eine gegenseitige Anziehungskraft besteht. Wenn sich einer der Partner weiterentwickelt, die Gefühle sich verändern oder keine Gemeinsamkeiten mehr gefühlt werden, dann geht man.

Auch eine dokumentierte Ehe ist hier keine Eisenkette, wenn man die weitere Zeit nicht mehr mit diesem Partner verleben möchte. Jeder Unternehmer lernt, dass es bei seinen Entscheidungen keine Sicherheit gibt. Nur mit dem Unterschied, dass er selbst dafür haftet und nicht ein Unternehmen, bei dem man nur angestellt ist.

Eigene Erfahrungen

Ich selbst habe im Jahre 2016 leider drei wertvolle Menschen aus meinem Umfeld verloren. Alle waren viel zu jung, um schon voraus zu gehen. Von jetzt auf gleich, ohne Vorankündigung, ohne die Möglichkeit, sich darauf vorzubereiten, soweit dies überhaupt möglich ist.

Bei meiner ersten Erfahrung mit dem Sterben war ich 12 Jahre alt, mein geliebter Vater hatte nach schwerer Krankheit seine Erlösung gefunden. Danach habe ich 10 Jahre gebraucht, um dieses Erlebnis zu verarbeiten. Es zog mir den Boden unter den Füssen weg.

Die Gedanken sind wie in Trance und die Gefühle wechseln zwischen Trauer, Schmerz, Fassungslosigkeit und Verständnislosigkeit. Die Bilder im Kopf beginnen immer wieder zu laufen, von den letzten Momenten, wo man diesen Menschen gesehen hat. Erst wenn die anfängliche und schmerzliche Trauer nachlässt, dann können wir nach und nach die ersten klaren Gedanken fassen.

Bei mir persönlich ist es Dankbarkeit. Dankbarkeit für die Zeit, die ich mit diesen Menschen verbringen durfte. Trotz des schmerzlichen Verlustes versuche ich, etwas Positives zu sehen. Dies ist der Impuls für uns alle und besonders für uns selbst, acht zu geben, jeden Tag bewusst zu leben. Denn wir sind nur Gast auf dieser Welt, eine Sicherheit für unser Leben gibt es nicht.

„Hör auf zu warten, auf Freitag, auf den Sommer, auf die Liebe Deines Lebens. Glücklich wirst Du erst sein, wenn Du aufhörst zu warten und das Beste aus dem Moment machst, in dem Du Dich jetzt gerade befindest." (In Gedenken)

Danke für wundervolle Engagements

Ich bewundere Menschen wie Madita van Hülsen, die neben Ihrer Karriere als quirlige TV-Moderatorin auch ausgebildete Trauerbegleiterin ist. Zusammen mit Ihrer Geschäftspartnerin Anemone Zeim haben sie ihr Unternehmen „Vergiss Mein Nie" in Hamburg gegründet. Durch ihre Arbeit als Trauerbegleiter bringen sie den Verstorbenen sehr viel Wertschätzung entgegen. Gerade die Trauerarbeit mit Erinnerungen ist besonders wichtig, da diese den Trauernden positive Kraft für den weiteren Lebensweg spenden kann.

Sein Sie nicht naiv. Warum werden tausende Menschen durch „Schneeball-Systeme" um viel Geld betrogen. Weil Sie an die Sicherheit des leichten Geldverdienens glauben, gepaart mit menschlicher Gier. Viele Institutionen wie Banken, Autoindustrie, Versicherungen und auch die Politik bedienen sich dieser Sicherheitslügen. Erinnern Sie sich noch an Aussagen wie: „Die Rente ist sicher", „Ihre Anlage ist sicher", „Ihr Geld ist bei uns sicher", „Bei uns sind sie mit Sicherheit gut versichert". Na, klingelt es in Ihren Ohren?

Die Tatsachen haben Sie dann wie ein Bumerang aus Ihren Träumen gerissen. Es konnte ja niemand ahnen, wie sich die Gesellschaft entwickelt. Von einer Abgasmanipulation habe ich nichts gewusst. Es konnte ja niemand ahnen, dass diese Bank Pleite geht. Dieser Schaden ist leider nicht mit Ihrer Versicherung abgedeckt.

Butter bei die Fische

Jetzt noch mal deutlich. Es gibt keine Sicherheit. Keinen Zustand der frei von unvertretbaren Risiken ist oder als gefahrenfrei angesehen wird. Dies soll Ihnen keine Angst machen, sondern ganz im Gegenteil, neue Horizonte öffnen und zeigen: Haben Sie Mut, Dinge auszuprobieren, neue Wege zu gehen und auch mal zu scheitern. Denn daran wachsen wir Menschen wirklich.

Hören Sie auf sich hinter der Sicherheitslüge zu verstecken und leben Sie Ihr Leben, leben Sie den Moment, leben Sie Ihre Ziele. Nutzen Sie Ihre Lebenszeit, denn das Leben ist keine Generalprobe und es gibt nur eine Sicherheit, dass es keine gibt.

Danke für diesen Moment Ihrer Lebenszeit!

Sponsored by Trentino