BLOG

Eine offene Plattform für kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Dr. Dirk Notheis Headshot

Wirtschaftsmotor Trump: Wie der amerikanische Präsident mit leeren Versprechungen einen weltweiten Aktienboom auslöst

Veröffentlicht: Aktualisiert:
DONALD TRUMP
POOL New / Reuters
Drucken

Unsicherheit ist Gift für die Aktienmärkte. Geopolitische Risiken ebenso. Alte Regeln, für die es eine Vielzahl empirischer Belege gibt und die das Verhalten von Investoren auf allen Kontinenten immer wieder beeinflussen.

Mit der Wahl von Donald Trump und seinem außen- wie wirtschaftspolitisch bis dato kruden Kurs, haben sowohl die Unsicherheit über die weitere wirtschaftliche Entwicklung der größten Volkswirtschaft der Erde als auch die geopolitischen Risiken signifikant zugenommen.

Vor diesem Hintergrund sowie der Bedeutung der US Politik für die Weltwirtschaft ist man geneigt, mit sinkenden Aktienkursen und opportunistischen Gewinnmitnahmen von Seiten der Anleger zu rechnen.Die Realität lehrt uns jedoch anderes.

Die Aktienfeuerwerk nach dem Geschmack des neuen Herren im Weißen Haus

Seit dem Wahlsieg von Trump sind die wesentlichen Indizes an den weltweiten Aktienmärkten im Schnitt um mehr als 15% angestiegen. Die Zuflüsse in Aktienfonds und Indexprodukte sprudeln wie kaum zuvor.

Insbesondere der Dow-Jones, der wichtigste Leitindex für die Aktienbörsen der Welt, der die jeweils aktuelle Wertentwicklung der 30 wichtigsten börsennotierten Unternehmen der USA abbildet, wird zum Treiber der Märkte. Der Cowboy schwingt die Peitsche, der Bulle brüllt, der Bär scheint im Koma.

Gerade ist die magische Grenze von 21.000 im DOW-Jones überschritten und immer noch ist kein Ende in Sicht. „All time high". „The sky is the limit". Ein Feuerwerk, so ganz nach dem Geschmack des neuen Herren im Weißen Haus, der Amerika zu überragender Stärke führen will. Die Aktienmärkte folgen und skandieren ihm.

Das Geheimnis des Trump-Effekts

Wie kann all dies geschehen? Wie kann Trump trotz oder gerade wegen seiner Kommunikationspolitik tradierte Börsenregeln brechen? Die Antwort ist wie so vieles bei Trump binär. Der Trump-Effekt basiert im Wesentlichen auf zwei Säulen und beide weisen jeweils unmittelbar positive Korrelation mit der künftigen Entwicklung von Aktienkursen auf.

Mehr zum Thema: Die ersten 100 Lügen: Die Unwahrheiten der Trump-Regierung

Die eine Säule besteht in Trumps Ankündigung massiver Steuersenkungen für Unternehmen. So führt eine Senkung der Unternehmenssteuern in den USA um 5 Prozentpunkte zu einer unmittelbaren Steigerung der Ergebnisse je Aktie von 4 Prozentpunkten.

Eine Ursache-Wirkungs-Beziehung, die bei Aktionären zwangsläufig Freudentaumel auslöst. Deren optimistische Erwartung motiviert zu weiteren Aktienkäufen. Die Konsequenz sind steigende Kurse.

Die zweite Säule ist das von Trump angekündigte Infrastrukturinvestitionsprogramm von 1.000 Milliarden US-Dollar. Gemeint ist ein gigantisches, in dieser Größenordnung bislang einmaliges Vorhaben.

Es zielt dabei weniger auf die infrastrukturelle Grenzsicherung zu Mexiko ab als auf Autobahnen aus Beton und Glasfaser, Stromnetze und mobilitätsrelevante Infrastruktur. Ein solches staatlich getriebenes Investitionsprogramm hätte die bisweilen auf Vorkriegsniveau befindliche Infrastruktur der führenden Wirtschaftsnation der Erde wahrlich mehr als nötig.

Die Folgen wären zumindest vorübergehend neue Arbeitsplätze und gestärkte Kaufkraft sowie die grundsätzliche Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit der amerikanischen Wirtschaft. Beides Effekte, die für sich betrachtet zur künftigen Attraktivität von Aktien als Anlageobjekt beitragen und die Erwartung auf sprudelnde Unternehmensgewinne nähren.

Der Investor hört, was er hören will

Dass beide Säulen Trump'scher Politik bis heute im Stadium bloßer Ankündigung verharren und nicht weiter konkretisiert, geschweige denn mit einem soliden Finanzierungskonzept versehen sind, schadet offensichtlich den Aktienkursen nicht.

Es mag paradox klingen, aber die Unsicherheit scheint den Boom zu treiben.

Der Investor hört, was er hören will. Für die möglichen Nebenwirkungen der Medizin interessiert er sich nicht. Beipackzettel werden eben bekanntlich immer erst im Nachgang gelesen, dann, wenn die nachhaltige Wirkung des Medikaments ausbleibt bzw. sich gar ins Gegenteil verkehrt.

Die Halbwertszeit des aktuellen Trump Booms ist vorprogrammiert.

Von Dr. Dirk Notheis, Gründer & Geschäftsführer Rantum Capital

Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?
Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blog-Team unter blog@huffingtonpost.de.