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Themen Hotels bieten ihren Gästen ein großes Spektakel

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Kaum hält das Taxi vor dem Hotel „QT" in Sydney, werden die Türen aufgerissen: Ein Hüne mit nacktem Oberkörper und eine Frau in Korsage rufen einem ein raues „Welcome" entgegen, sie klauben die Koffer aus dem Auto und schieben den Gast, sich laut nach seinem Wohlbefinden erkundend, in Richtung Rezeption. Passanten bleiben stehen. Unerkannt in das Hotel QT einzuchecken, ist so leicht wie in einer belebten Einkaufsstraße mit einer schwarzen Plastiktüte unbemerkt aus einem Porno-Shop zu kommen.

Was auf der Straße begann, setzt sich im Innern des Hauses fort. Überall großes Kino. Die Rezeption gleicht der Lost-and-Found-Halle eines Flughafens, unzählige Koffer stehen kunstvoll inszeniert im Raum. Die Aufzüge verfügen über ein System, das erkennt, wie viele Personen in der Kabine stehen, sind es mehr als zwei, wird Party-Musik abgespielt, Paare hören romantische Klänge. Das Zimmer ist ein verspielter Design-Ort, und wer einen Begrüßungs-Cocktail trinken will, findet die Zutaten in der Minibar - und mixt sich den Drink selbst.

Das im Sommer 2012 eröffnete QT ist ein Themen-Hotel neuen Typs: ein Haus als Bühne für eine Show, bei der der Gast nicht bloß zuschaut - er ist Teil der Inszenierung.

Themen-Hotels sind ein Spiel mit der Fremde. Die Geschichte dieses Konzepts beginnt im Las Vegas der 1960er Jahre. Der Milliardär Howard Hughes und der Bau-Unternehmer Jay Sarno wollen Familien und elegante Gäste in das von der Mafia dominierte Wüstenkaff locken. Dafür entstehen Häuser wie das 14-stöckige „Caesars Palace". Es ist einem römischen Palast nachempfunden - mit Säulen, riesigen Statuen und einarmigen Banditen. Zugegeben, eine sehr amerikanische Interpretation des alten Rom. Aber auch eine sehr erfolgreiche.

Einarmige Banditen und goldene Kronleuchter

Deshalb poppen immer mehr Themen-Hotels aus dem Wüstensand von Vegas auf, sie imitieren die Cheops-Pyramiden und Venedig, kopieren den Eiffelturm und die Skyline von New York. Auch in anderen Destinationen entstehen nun solche Häuser. Weltweit findet man Gefängnis-Hotels, die fast alle Alcatraz heißen, Film-Hotels und Literatur-Hotels. Im türkischen Antalya ist das einem Ozeandampfer nachempfundene „Hotel Titanic" gestrandet. Und müsste man Dubai nicht als Themenpark der Themen-Hotels verstehen? Hier findet man das Plantsch-Hotel "Atlantis" mit seinen Wasserrutschen oder das Reichen-Hotel "Burj-Al-Arab" mit seinen goldenen Kronleuchtern.
dirk lehmann
Doch so gut diese Häuser gestalterisch auch gemacht sein mögen, so unbefriedigend sind einige im Kern ihrer Seele - als Hotel. Staunend stolpert man durch die aufwändige Architektur, fühlt sich manchmal eher wie ein unbeteiligter Zuschauer, nicht wie ein Gast. Und wenn dann auch noch der Service zu wünschen übrig lässt, geht es einem wie nach dem Besuch im Eis-Hotel: War schön, danke für die interessante Erfahrung, aber ich komme nie wieder.

Deshalb fordern Berater wie Martina Fidlschuster von der Frankfurter Hotel Consulting Hotur, dass moderne Themen-Hotels einen Charakter haben, eine Beziehung zum Ort. Das Konzept muss authentisch sein, eine Identifikationsmöglichkeit bieten. Denn der Gast möchte nicht bloß unterhalten werden - er will mitmachen.

„We are all mad here" heißt es in Leuchtbuchstaben über dem erst kürzlich eröffneten „25 Hours Hotel" in Wien. Wer die Lobby betritt, checkt vor einer Art Löwenkäfig ein. Ein Schild mahnt, „Füttern verboten", und die Mitarbeiter an der Rezeption duzen den Gast so unbeschwert wie es die Artisten eines Zirkus untereinander tun. Wie das in einem ehemaligen Varieté eröffnete „QT" in Sydney, inszeniert sich das Stunden-Hotel in Wien als moderne Bühnenshow, der Gast wird Teil des Ensembles.

Stunden-Hotel und Hula-Hoop-Reifen

Bei der Suche nach einer Verbindung zur Kultur der österreichischen Hauptstadt, haben die Gestalter des 25 Hours, die Augsburger Agentur Dreimeta, die seit dem 18. Jahrhundert geltende Spektakelfreiheit thematisiert: Die Betten wurden auf Podesten errichtet, die Wände mit Zirkusmotiven tätowiert, und in den Suiten hängen Hula-Hoop-Reifen, mit denen der Gast eine eigene Nummer einüben kann. Hier darf jeder ein wenig durchdrehen.

Machen wir uns nix vor, selbstverständlich geht es ums Geld. Im Vergleich zu konventionellen Häusern kann man für das Zimmer in einem Themen-Hotel 30 bis 50 Prozent höhere Preise verlangen. Doch für eine gute Show zahlt der Gast offenbar gern. Sowohl QT als auch 25 Hours erreichen eine weit überdurchschnittliche Auslastung und sind selbst bei Geschäftsleuten beliebt.

Auch mir hat es viel Spaß gemacht, in den beiden Häusern zu wohnen. Die aufgedrehte Stimmung und der lockere Umgang lassen einen nicht bloß Gast in einer fremden Stadt sein. Es kommt einem vor, als würde man Freunde besuchen, um mit ihnen auf eine coole Party zu gehen. Ein Gefühl, das selbst dann nicht nachlässt, wenn man allein auf der Dachterrasse steht, ein Zwickel-Bier in der Hand. Nix Party. Aber ein toller Blick über das nächtliche Wien.

Schließich unterscheiden sich die modernen Themen-Hotels ganz wesentlich von ihren Ahnen, sie bieten nicht nur ein gute Show, die man zu Hause sehr ausführlich erzählen kann. Sie sind vor allem: verdammt gute Hotels.