BLOG

Eine offene Plattform für kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Dirk Candidus Headshot

Deshalb ist das Wildtierverbot im Zirkus nicht begründbar

Veröffentlicht: Aktualisiert:
CIRCUS
Getty
Drucken

Am 19. November hat sich der Stadtrat von Heilbronn dafür entschieden, in Zukunft keine öffentlichen Flächen mehr an Zirkusse zu vergeben, die Wildtiere mit sich führen. Als Hauptgrund für das Verbot nennt Oberbürgermeister Harry Mergel, dass der gesellschaftliche Wertewandel auch beim Zirkus greife.

2015-11-12-1447332656-6784274-Facebook2.jpg

Das Aktionsbündnis "Tiere gehören zum Circus" widerspricht dieser Auffassung mit Nachdruck: Ein subjektiv empfundener Wertewandel biete keine ausreichende Grundlage für Verbote dieser Art. Gesetzliche Bestimmungen zur Zirkustierhaltung müssten sich ausschließlich auf biologische Fakten stützen. Die Faktenlage spreche aber eindeutig gegen ein generelles Verbot von Wildtieren im Zirkus.

Bei genauerem Hinsehen ergibt sich folgendes Bild: Fast alle Wissenschaftler, die sich ausführlich mit dem Thema "Tiere im Zirkus" befasst haben, verteidigen den traditionellen Zirkus mit Wildtieren und halten eine tiergerechte Haltung von Wildtieren im Zirkus durchaus für möglich.

Training in der Manege

Das Training in der Manege habe eine stimulierende Wirkung auf die Tiere und fördere somit deren körperliche und geistige Fitness. Die Forschungsarbeiten und Statements der Biologen reichen von den 60er Jahren bis in die Gegenwart. Von den zahlreichen Beispielen sollen die folgenden näher betrachtet werden:

Ende der 80er Jahre untersuchte die britische Verhaltensforscherin Dr. Marthe Kiley-Worthington im Auftrag von zwei Tierschutz-Organisationen (!) die physische und psychische Gesundheit von Zirkustieren (über 3000 Beobachtungsstunden in 15 Zirkussen).

Sie kam unter anderem zu dem Ergebnis, dass fast alle Zirkustiere während des Reisebetriebs eine gute Verfassung aufweisen. Dabei gilt es zu bedenken, dass sich die Zirkustierhaltung damals noch nicht auf dem gleichen hohen Niveau bewegte wie heute.

Zudem stellt Kiley-Worthington fest, dass der im Zirkus übliche enge Tier-Mensch-Kontakt das Leben der Tiere bereichere. Außerdem setze ein solcher Kontakt einen bestimmten Umgang mit dem Tier voraus; denn durch Grausamkeiten ängstlich oder unberechenbar gemachte Tiere seien für eine enge Zusammenarbeit mit dem Menschen nicht geeignet.

Im Jahre 2007 ergab eine umfangreiche Untersuchung, die vom britischen Parlament in Auftrag gegeben wurde, dass es den Tieren, auch den Wildtieren, in einem gut geführten Zirkus nicht besser und nicht schlechter geht als ihren Artgenossen in Zoos, Safariparks oder Wildgehegen.

Stresshormon Cortisol

Der Freiburger Verhaltensforscher Dr. Immanuel Birmelin untersuchte vor ein paar Jahren die Konzentration des Stresshormons Cortisol im Speichel von Zirkustieren und fand dabei Folgendes heraus:

Die Cortisol-Konzentrationen bei Löwen und Elefanten sind während der Transporte nicht höher als während der Gastspiele. Außerdem haben Löwen im Zirkus keinen höheren Cortisol-Spiegel als ihre Artgenossen in freier Wildbahn.

Diese Ergebnisse legen die Annahme nahe, dass Löwen und Elefanten durch die Transporte nicht gestresst werden und dass Löwen unter den Lebensbedingungen im Zirkus nicht leiden.

Immanuel Birmelin und sein Team untermauerten ihre Forschungsergebnisse durch Verhaltensbeobachtungen, die sie akribisch aufzeichneten und auswerteten.

Dabei stellte sich heraus, dass Löwen im Zirkus - gute und moderne Haltung vorausgesetzt - keine Verhaltensstörungen zeigen; offensichtlich können sie sich an die Lebensbedingungen im Zirkus anpassen.

Tierrechtler ignorieren diese Fakten

Schließlich soll nicht unerwähnt bleiben, dass auch der legendäre Tier- und Naturschützer Bernhard Grzimek keine prinzipiellen Einwände gegen die Haltung von Wildtieren im Zirkus hatte.

Die Tierrechtler ignorieren diese Fakten und vermeiden jede Diskussion darüber. Stattdessen weichen sie auf weltanschauliches oder ideologisches Terrain aus - oder berufen sich auf den Zeitgeist, der den traditionellen Zirkus mit Wildtieren angeblich ablehnt. Leider gibt es immer wieder Politiker, die sich von dieser durchschaubaren Strategie täuschen lassen.

Mehr Infos zum Thema "Tiere gehören zum Circus" gibt es hier und auf Facebook.

Auf auf HuffPost:

Petition von PETA: Fordert Kikkoman auf, keine Tiere mehr zu töten!

Video:Fragwürdiges Hobby: Diese Frau machte Selfies auf toten Tieren. Jetzt bekommt sie den Hass des Internets zu spüren

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter
blog@huffingtonpost.de
.

Lesenswert:

Hier geht es zurück zur Startseite