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Warum die Zirkusgegner nicht recht haben! Teil 1: Die unterdrückte Fragestellung

31/08/2015 11:47 CEST | Aktualisiert 31/08/2016 11:12 CEST

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Die Hetze gegen den klassischen Zirkus mit Tieren hat einen neuen Höhepunkt erreicht. Zurzeit rollt eine Hetz-Kampagne von noch nie da gewesenen Ausmaßen über unser Land. Die grausame Tierquälerei müsse endlich verboten werden, tönt es aus den Megaphonen der Aktivisten vor den Zirkuseingängen. Und nicht wenige Medien und Politiker stimmen in den Chor mit ein.

Für die Menschen im Zirkus ist die Situation schon längst unerträglich geworden!

Was ist dran an den Vorwürfen der Tierrechtler? Das Aktionsbündnis "Tiere gehören zum Circus" ist dieser Frage nachgegangen.

Im Mittelpunkt der Vorwürfe steht wie ein Glaubensbekenntnis der Satz, dass eine artgerechte Haltung von Tieren, insbesondere von Wildtieren, im Zirkus nicht möglich sei. Wenn man den Begriff "artgerecht" als "ganz genau so wie in der freien Natur" versteht, muss man den Tierrechtlern in diesem Punkt sogar Recht geben.

Der Denkfehler der Zirkusgegner liegt an einer anderen Stelle. Ohne jede Reflexion gehen sie davon aus, dass "nicht-artgerecht" mit "tierquälerisch" und "artgerecht" mit "paradiesisch für Tiere" gleichzusetzen sei.

Nach dieser Auffassung wäre jede Tierhaltung, insbesondere die Haltung von Wildtieren, Tierquälerei. Denn schließlich kann keine Tierhaltung die Natur genau nachbilden. Umgekehrt müssten alle Tiere in freier Wildbahn ständig nur glücklich und zufrieden sein. Nach unserer Überzeugung ist sowohl das eine als auch das andere wissenschaftlich nicht haltbar.

Durch die unsachgemäße Gleichsetzung der genannten Begriffe umgehen die Zirkusgegner geschickt alle Überlegungen zu der eigentlichen Frage, nämlich zu der Frage, wie die Zirkustiere mit den Lebensbedingungen im Zirkus tatsächlich zurecht kommen, ob es ihnen gut oder schlecht geht.

Ein raffinierter Schachzug! Wissen doch die Propaganda-Spezialisten der Tierrechtsvereine ganz genau, dass sie bei einer Diskussion über dieses Thema den Zirkus-Befürwortern hoffnungslos unterlegen wären.

Der Verhaltensforscher Immanuel Birmelin und sein Team sind in den letzten Jahren der unterdrückten Frage nachgegangen. In verschiedenen Studien haben die Wissenschaftler untersucht, ob sich Wildtiere im Circus wohlfühlen.

Gegenstand der Untersuchungen waren zunächst die Löwen von Martin Lacey jr. im Circus Krone. An mehreren hintereinander liegenden Tagen wurden die folgenden Verhaltensweisen genau registriert: Schlafen, aufmerksames Liegen, Inaktivität, Laufen, Spielen, Auftreten in der Vorstellung, Sozialverhalten, Sich-Putzen, Territorialität, Verteidigung, Essen und Trinken, Paarung.

Zudem haben die Wissenschaftler die Konzentration des Stresshormons Cortisol im Speichel der Tiere gemessen, und zwar an mehreren Tagen mit Vorstellung und unmittelbar vor und nach einem langen Transport. Die Auswertung der Ethogramme und der Cortisol-Messungen hat Folgendes ergeben: Die Tiere verhielten sich völlig normal, d.h. sie ließen in Bezug auf zentrale Verhaltensweisen die gleiche zeitliche Verteilung erkennen wie ihre frei lebenden Artgenossen und zeigten keine Verhaltensstörungen, die auf Leid oder Stress hindeuteten, wie z. B. Bewegungsstereotypien. Auch durch den Transport wurden sie nicht gestresst.

Fazit: Den Löwen von Martin Lacey geht es gut.

Offensichtlich wird die Fähigkeit der Löwen, sich an unterschiedliche Lebensumstände anzupassen, durch die Bedingungen im Circus nicht überfordert. Diese Anpassungsfähigkeit findet man übrigens bei allen Tierarten. Sie wurde im Laufe der Evolution erworben und verbessert die Überlebenswahrscheinlichkeit der Art bei sich schnell ändernden Umweltbedingungen.

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Zirkuskenner wurden durch diese Ergebnisse nicht überrascht. Sie wissen nämlich, dass die Löwen von Martin Lacey ein königliches Leben haben. Die Tiere leben nicht in engen Käfigen (wie häufig unterstellt wird), sondern in großen, strukturierten Freigehegen.

In jeder Gastspielstadt stehen ihnen erhöhte Liegeflächen, Kratzbäume und Spielmaterial zur Verfügung, sehr häufig auch belaubte Äste und Zweige. Zudem wird der Gehegeuntergrund durch Rindenmulch oder Sand ausgelegt (sofern der Zirkus nicht ohnehin auf Naturboden steht).

Hinzu kommt, dass die Löwen fast täglich durch ein auf die individuellen Vorlieben abgestimmtes Training in der Manege beschäftigt werden - ein Training, das die Tieren sowohl physisch als auch psychisch fit hält.

In der Biologie bezeichnet man eine Haltung, die zwar keine 100%ig natürlichen Verhältnisse bietet, aber dennoch das Wohlbefinden der Tiere gewährleistet, als "tiergerecht". Eine solche tiergerechte Haltung liegt im Falle der Löwen von Martin Lacey auf jeden Fall vor.

Birmelin hat sich auch mit Elefanten in verschiedenen Zirkusunternehmen beschäftigt und ist dabei zu Ergebnissen gekommen, die eher den Standpunkt der Zirkus-Befürworter als den der Zirkus-Gegner unterstützen. Und es gibt noch weitere Studien, in denen die Meinung vertreten wird, dass sich Tiere im Zirkus, auch Wildtiere, bei guter Haltung wohlfühlen.

Bekannt wurde vor allem die breit angelegte Untersuchung der britischen Verhaltensforscherin Kiley-Worthington (über 3000 Beobachtungsstunden in 15 Zirkusunternehmen). Das Aktionsbündnis "Tiere gehören zum Circus" hat die wichtigsten Studien und Statements zu diesem Thema auf seiner Homepage zusammengestellt.

Und wie gehen die Tierrechtler mit diesen Forschungsarbeiten um? Sie ignorieren sie einfach und vermeiden jede Auseinandersetzung mit der gegnerischen Meinung. Auch sonst ist die Argumentationsweise der Tierrechtler wenig überzeugend. Doch davon soll im nächsten Text die Rede sein ("Warum die Zirkusgegner nicht recht haben! Teil 2: Das Ausweichmanöver").

Mehr Infos zum Thema "Tiere gehören zum Circus" gibt es hier und auf Facebook.

E-Mail: presse@tiere-gehoeren-zum-circus.de


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