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Tiere im Zirkus: Wildtierverbote sind der neue Veggie-Day

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Zurzeit nutzen die Tierrechtler die aktuelle Weihnachtszirkus-Saison, um erneut gegen Wildtiere im Zirkus zu polemisieren. Bei der Kampagne der Zirkusgegner spielt die Behauptung eine gro├če Rolle, dass der Zeitgeist sich gewandelt habe und keine Vorf├╝hrungen mit Wildtieren mehr dulde.

Auch einige Lokalpolitiker bedienen sich dieser Argumentation. Der Heilbronner Oberb├╝rgermeister Harry Mergel begr├╝ndete damit k├╝rzlich den Beschluss des Stadtrats, ab 2016 keine Wildtiere mehr auf ├Âffentlichen Fl├Ąchen zuzulassen. Nach den Beobachtungen des Aktionsb├╝ndnisses ÔÇ×Tiere geh├Âren zum Circus" empfinden immer mehr Menschen diese Argumentation als befremdend.

Zum einen: Die Behauptung, dass Wildtiere im Zirkus mit dem Zeitgeist nicht zu vereinbaren seien, ist schlicht falsch. Und zum anderen: Selbst wenn sie richtig w├Ąre, d├╝rften Politiker den traditionellen Zirkus mit Wildtieren nicht per Gesetz verbieten.

Zum ersten Punkt: Die enorm hohen Besucherzahlen in den Weihnachtszirkussen zeigen, dass die Behauptung der Zirkusgegner offensichtlich nicht zutrifft. Wie in den vergangenen Jahren erwarten die Veranstalter der gro├čen Shows auch diesmal eine (fast) vollst├Ąndige Auslastung der Zelte.

Dies sollte den Zirkusgegnern auch deshalb zu denken geben, weil schon seit langem nicht mehr so viele Wildtiere in den Manegen der Weihnachtszirkusse zu sehen waren wie in diesem Jahr. Als Beispiele seien die spektakul├Ąre Raubtiershow des Italieners Stefano Orfei in Heilbronn und die mit dem Goldenen Clown ausgezeichnete Elefantennummer der deutschen Artistenfamilie Casselly in Stuttgart erw├Ąhnt.

Die diesj├Ąhrige Ausgabe der RTL-Casting-Show ÔÇ×Das Supertalent" weist in die gleiche Richtung. Die wunderbare Seel├Âwen-Darbietung von Erwin Frankello wurde vom vorwiegend jugendlichen Publikum auf den zweiten Platz gew├Ąhlt.

Offensichtlich werden die Besucher durch die Begegnung zwischen Tierlehrer und Wildtier ganz besonders fasziniert. Der traditionelle Zirkus zeigt auf eindrucksvolle Weise, dass Menschen und Tiere in Harmonie zusammenleben k├Ânnen. In Zeiten fortschreitender Naturzerst├Ârung und Tierausrottung ist dies eine Botschaft, die die Menschen tief ber├╝hrt.

Zum zweiten Punkt: Selbst wenn Wildtiere im Zirkus mit dem Zeitgeist nicht mehr zu vereinbaren w├Ąren, darf dies kein Grund sein, Wildtiervorf├╝hrungen zu verbieten. Ob eine Veranstaltung Bestand hat oder nicht, bestimmen allein die Besucher durch ihr Verbraucherverhalten. Politiker haben nicht das Recht, die Freizeitaktivit├Ąten der B├╝rger durch Verbote und Verordnungen zu reglementieren.

Diese Bevormundung erinnert sehr an die Pl├Ąne f├╝r einen Veggie-Day in Kantinen, mit dem die Gr├╝nen vor einiger Zeit so grandios gescheitert sind. Die Tierrechtsideologie darf nicht durch Gesetze verordnet werden. In dieser Frage m├╝ssen Glaubensfreiheit und Basisdemokratie herrschen.

Zirkusverbote sind auch deshalb untragbar, weil namhafte Biologen immer wieder nachgewiesen haben, dass Zirkus mit (Wild)tieren keine Tierqu├Ąlerei ist. Eine tiergerechte Haltung von Wildtieren im Zirkus ist m├Âglich und wird in guten Unternehmen auch praktiziert. Es liegt also weder ein Widerspruch zum Tierschutzgesetz noch zum Staatsziel ÔÇ×Tierschutz" vor.

Das Aktionsb├╝ndnis ÔÇ×Tiere geh├Âren zum Circus" fordert deshalb die Lokalpolitiker von Heilbronn und anderer Kommunen mit Nachdruck auf, zu einer faktenorientierten, demokratischen Politik zur├╝ckzukehren und Gastspiele traditioneller Zirkusbetriebe mit Wildtieren auf ├Âffentlichen Pl├Ątzen auch weiterhin zu genehmigen.

Mehr Infos zum Thema "Tiere geh├Âren zum Circus" gibt es hier und auf Facebook.

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