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Was Sie mindestens über Smoothies wissen sollten

Veröffentlicht: Aktualisiert:
SMOOTHIES
Hoxton/Tom Merton via Getty Images
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Seit einigen Jahren gelten Smoothies als neues Lebenselixier. Sie finden sich in Bestsellerlisten, in fast jedem Supermarkt und es wird eine Menge Geld mit ihnen verdient. Sie sollen nicht nur gesund sein, diversen Krankheiten vorbeugen, sondern sie sind auch bequem.

Nicht zuletzt, wenn man sie vorgefertigt dem Regal im Supermarkt entnimmt. Schließlich könne man mit wenigen Schlucken die wichtigsten Nährstoffe zu sich nehmen. Ist schon wesentlich schneller als sich einem Essen zu widmen.

Was ist ein Smoothie?

Vorsicht, Smoothie ist nicht gleich Smoothie. Man unterscheidet den gemeinen Smoothie vom grünen Smoothie.

Der gemeine Smoothie ist ein kaltes Mixgetränk aus Obst und Milchprodukten, frisch zubereitet oder als Fertigprodukt aus dem Supermarkt. Anders als bei Fruchtsäften wird die ganze Frucht verarbeitet. Die zerkleinerte Frucht kann mit Säften, Wasser, Milch etc. gemischt werden.

Diese wurden erstmal vor knapp 100 Jahren in den USA angeboten. In den 60-er Jahren des letzten Jahrhunderts entwickelte sich der Smoothie zu einer Art Trendgetränk für gesundheitsbewusste Ernährung, insbesondere bei Vegetariern.

Dass einer der Pioniere dieser Fruchtsmoothies seinen Diabetes damit gebessert habe, dürfte ein guter Marketinggedanke gewesen sein, angesichts der hohen Mengen an Kohlehydraten, die diese häufig enthalten.

Eine lebensmittelrechtliche Definition für Smoothies gibt es nicht.

Der grüne Smoothie

Eine Unterart dieses gemeinen Smoothies ist der grüne Smoothie, der nochmals viel gesünder sein soll.

Dieser besteht aus Obst und grünem Blattgemüse, Salatblättern oder Wildkräuter mit etwas Wasser, meist jeweils zur Hälfte Früchte und andere Bestandteile. Hierunter fallen alle roh essbaren, ungiftigen Pflanzen.

Dies können sein, Spinatblätter, das grüne Kraut von Karotten, Löwenzahn, Laub vom Apfelbaum, Tannennadeln oder Obstkerne. Diese sollen wichtige Spurenelemente, Mineralstoffe, Vitamine und Antioxidantien enthalten.

Der dadurch auftretende hohe Faseranteil kann nur mittels eines Mixers, zerkleinert werden.

Der grüne Smoothie soll gem. seinen Anhängern zu einem verbesserten Blutbild führen, eine antientzündliche Wirkung haben, eine Verbesserung des Stoffwechsels bewirken, verbesserte Abwehrkräfte hervorrufen und er soll gegen Krebs und Zellalterung wirken.

Nachgewiesen ist hiervon nichts.

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Erfunden soll den grünen Smoothie Frau Boutenko im Jahre 2004 haben. Sie wanderte in den 90-er Jahren aus Russland in die USA ein. Sie sagt, dass die Blätter bestimmter Gemüsesorten (z.B. Rote Beete oder Kohlrabi) mehr Mikronährstoffe enthalten als das eigentliche Gemüse selbst.

Wurzelgemüse wie Möhren oder die angesprochenen Roten Beete gehören danach nicht in den Smoothie. Zum einen sollen Smoothies möglichst auf nüchternen Magen getrunken werden. Zum anderen können sie aber auch als Ersatz für eine Hauptmahlzeit dienen. Sie empfiehlt den Smoothie langsam zu trinken, damit er im Mund eingespeichelt werden kann.

Interessant ist durchaus wie sie zu dem grünen Smoothie kam. Wie viele solcher Geschichten fing es damit an, dass sie und ihre Familie krank waren, u.a. Herzrhythmusstörungen, Arthritis, Asthma und Diabetes. Die Ärzte hätten alles für nicht heilbar erklärt. Diese Krankheiten bzw. deren Symptome hätten sich verflüchtigt als die Familie ihre Ernährung auf Rohkost umstellte.

Mit der Zeit versiegte aber wohl der Appetit auf Rohkost und es gab das Gefühl, dass etwas in der Nahrung fehlte. Man kam zu der Erkenntnis, dass sich grüne Blattsalate schlecht in großen Mengen verzehren ließen, außerdem seien sie schwer verdaulich, da sie meist nur unzulänglich gekaut werden. In großen Mengen seien sie eher nicht schmackhaft und verträglich.

Aus einem nicht bekannten Grund las sie bei ihren Recherchen zu grünen Blattsalaten viel über Schimpansen. Dabei stellte sie fest, dass das Erbgut dieser Tiere und das des Menschen zu ca. 98 % übereinstimmen.

Hinzu kam, dass Schimpansen gute Abwehrkräfte hätten und selten krank seien, insbesondere hätten diese nicht die sog. Zivilisationskrankheiten der Menschen. Die Nahrung der Schimpansen bestehe zu etwa 50 % aus Früchten und zu 40 % aus grünen Blättern. Sie las, dass ein Schimpanse ein Stück Obst in ein grünes Blatt wickelte und dieses verspeiste.

Dies sei die Geburtsstunde des grünen Smoothies gewesen, eine Mischung von Obst und Blattgemüse. Allerdings konnte der Affe es einfach essen, Frau Boutenko steckte alles in einen Mixer.

Im Mixer wird die feste Zellstruktur des Blattgrüns aufgebrochen, was der Verdauung förderlich ist. Durch den süßen Obstanteil ist es nicht mehr so bitter und man kann große Mengen verzehren.

Interessant? Ich lasse das mal so stehen und kommentiere es nicht.

Was sagen Tests zum Smoothie?

Spiegel-Online hat dazu im Herbst 2015 eine Blindverkostung durchgeführt. Teilweise waren die Smoothies wohl erschrecklich. Aber als Fazit wurde folgendes genannt:

"Auch wenn Grünzeug den Smoothies ihren Namen und ihre Farbe gibt, bleibt es die heikelste Zutat: Zuviel davon ließ die Testerinnen und Tester an kalte Gemüsesuppe denken, zu wenig machte die Smoothies unangenehm süß. Den Mittelweg schafften die Smoothies auf den Plätzen 1 und 2: Bei ihnen waren die Zusätze aus Gemüse und Superfoods deutlich zu schmecken, aber gleichzeitig gut auf die anderen Zutaten abgestimmt. Ebenfalls grün und gesund war der Drittplatzierte in unserer Blindverkostung, obwohl er ohne Gemüse, Spirulina oder Chlorella auskam.

Aber wenn ein Mix aus Früchten eh am besten schmeckt - warum diesen nicht als Smoothie zum Frühstück trinken und das Gemüse mittags als Salat oder Beilage essen? Gut zusammen gehen sie, so hat die Blindverkostung gezeigt, nur in Ausnahmefällen."

Im März-Heft 2017 von Öko-Test findet sich ein aktueller Bericht über grüne Smoothies. 20 Produkte wurden getestet, zwei erhielten ein sehr gut, vier ein gut, fünf ein befriedigend, sechs waren ausreichend, einer mangelhaft und zwei ungenügend.

Häufig sei in den zu kaufenden Fläschchen nicht viel Gemüse. Die grüne Farbe komme von Matcha-Tee oder Algenpulver. Es finden sich Pulver aus der Spirulina-Alge und aus Weizengrasextrakt. Manche dieser Pulver werden ausdrücklich als Superfood oder Vitaminquelle beworben.

Einige Smoothies waren sehr zuckerlastig. So enthielten vier Produkte mehr als 10 Gramm Zucker pro 100 Milliliter, einen Wert ähnlich wie Cola. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt für Erwachsene allenfalls 25 Gramm Zucker täglich. Mit einem 250-Milliliter-Fläschchen wird dies bereits erreicht.

Dies ist auch kein Wunder, denn Bananen, Ananas, Trauben oder Mangos enthalten nun mal von Natur aus viel Zucker. Also Diabetiker, aufgepasst beim Kauf. Deshalb ist auch beim Selbermixen Vorsicht angesagt.

In sechs Smoothies fand sich kein Vitamin C. Dies verwundert nicht, da die als Saft, Mark oder Püree beigegebenen Zutaten ganz von allein mit der Zeit die Vitamine verlieren.

Beim Geschmack hatte Öko-Test dieses Mal nichts zu bemängeln. Allerdings wurde bei einigen ein Bananengeschmack festgestellt, obwohl diese Zutat nicht aufgeführt war. Ob Aromen beigefügt waren, wurde wohl nicht getestet.

Bemängelt hat man die wenig verbraucherfreundliche Kennzeichnung. So wurde wohl teilweise auf der Vorderseite mit Gemüse geworben, obwohl der Smoothie überwiegend aus Apfel und Bananen bestand.

Öko-Test verweist auf die erheblichen Preisunterschiede und spricht sich zwischen den Zeilen dafür aus, die Smoothies selbst zu mixen. Sechs Produkte kann es jedoch empfehlen.

Auch eine Untersuchung der Verbraucherzentrale Niedersachsen kam zu dem Ergebnis, dass bei vielen Produkten der Anteil an Blattgemüse eher dürftig ist, dass bei der Farbe gerne getrickst wird.

Die grüne Farbe wird demnach mit Pflanzenextrakten erzeugt, drei Hersteller verwendeten grüne Flaschen, die ein bräunliches Püree enthielten.

Als Pflanzenextrakte sind beliebt Konzentrate aus Algen oder einer Färberdistel. Rechtlich gelten diese nicht als färbende Lebensmittel, so dass sie auf den Etiketten nicht angegeben werden müssen.

Damit täuschen die Hersteller eine höhere Menge an Obst und Gemüse vor als tatsächlich enthalten ist. Die Verbraucherzentrale nennt es vornehm Schönfärberei, ich nenne es Verbrauchertäuschung.

Auch in diesem Test wird auf den häufig hohen Zuckeranteil hingewiesen.

Fazit

Gekaufte Smoothies sind keineswegs so gesund wie es oft dargestellt wird.

Zu bedenken ist, dass mit einer richtigen Portion Salat oder Rohkost deutlich mehr Blattgrün und Gemüse gegessen werden. Außerdem bilden sich durch das Kauen wichtige Verdauungsenzyme.

Diese entfallen, wenn man einfach Flüssigkeit in sich reinschüttet. Um auf den Schimpansen oben zurückzukommen, dieser kaut natürlich wesentlich länger an seiner Nahrung, was einen großen Einfluss auf die Verdauungsenzyme hat.

Gut, selber essen ist natürlich nicht so hip wie Smoothies trinken.

Lesenswert:

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