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Regionale Klimaänderungen - haben Starkregen und Stürme mit dem Klimawandel zu tun?

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CLIMATE CHANGE
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In aller Munde sind ständig die globalen Folgen der erwarteten Klimaänderungen. Nur wenig gesprochen wird über deren regionale Auswirkungen, die sehr unterschiedlich sein können.

Zu dieser Thematik gibt es einen Forschungsverbund der Helmholtz-Gemeinschaft in Deutschland, gegründet im Jahre 2009. Dieser nennt sich "Regionale Klimaänderungen" (REKLIM) und veranstaltete am 05.10.2016 seine sechste Regionalkonferenz mit dem Titel "Klimawandel in Regionen" in Karlsruhe. Mit dabei war das KIT, das Karlsruher Institut für Technologie (früher die hiesige Universität).

Eröffnet wurde mit den üblichen Grußworten der Politik. Hängen blieb dabei die Aussage des den Grünen zugehörigen Umweltbürgermeisters der Stadt Karlsruhe, Herrn Stapf, dass prognostiziert ist, dass in Karlsruhe im Jahre 2100 ein Klima wie heute in Marseille zu erwarten ist.

Wenn man dies hört, fragt man sich natürlich wie sieht es dann in Marseille aus?

Und jetzt hat der Chronist die dankbare oder auch undankbare Aufgabe die anschließenden hochprofunden Vorträge verständlich zusammenzufassen. Dies kann nur durch eine Auswahl geschehen, die naturgemäß subjektiv ist.

Einführung

Beginnen wir damit, dass der Weltklimavertrag, der im Dezember 2015 in Paris vereinbart wurde, im November dieses Jahres in Kraft treten kann. Erforderlich war, dass 55 Staaten, die 55 % der weltweiten Emissionen verursachen beitreten. Mit dem Beschluss der EU in diesen Tagen wurde dieses Ziel erreicht.

In diesem Vertrag ist bekanntlich vereinbart, dass eine Erwärmung der Erde, global betrachtet, um nicht mehr als 2 Grad, besser um nicht mehr als 1,5 Grad erfolgen darf.

Interessant ist, dass es keine verordneten Ziele für die einzelnen Länder gibt, dass aber das tatsächliche Handeln periodisch überprüft wird und es keine Trennung von Industrie- und Entwicklungsländern mehr gibt.

Herr Prof. Lemke, der wissenschaftliche Koordinator von Reklim erläuterte, dass in 5 Jahren die Marke von 1,5 Grad und in 20 Jahren die Marke von 2 Grad erreicht sein werden, wenn so weiter gemacht wird wie bisher.

Es gebe jedoch regional große Unterschiede, so erwärme sich die Nordhemisphäre der Erde mehr als das globale Mittel, ebenso steige der Meeresspiegel der Nordsee ebenfalls stärker als das globale Mittel aller Ozeane.

REKLIM habe acht Themen als wesentlich identifiziert, die bearbeitet werden. Diese können hier nachgelesen werden.

Anschließend referierte Frau Prof. Arneth vom KIT über die Möglichkeiten der Minderung des Klimawandels durch Landökosysteme.

Ca. ein Drittel der CO2-Emissionen sind danach der Entwaldung geschuldet, so dass mit verminderter Rodung und Wiederaufforstung einiges erreicht werden könnte.

Schwieriger werde es mit anderen Treibhausgasen wie N2O. Auch scheitere z.B. die CO2-Speicherung an der Akzeptanz durch die Bürger.

Klimamodelle

Zunächst verdeutlichte Herr Prof. Braesicke vom KIT, dass die mit Hilfe solcher Modelle erstellten Projektionen zwar unsicher, aber nützlich sind. Ein solches Modell ist das in mathematische Formeln gefasste physikalische Verständnis der Atmosphäre, der Ozeane etc. Die benötigte Rechenkapazität ist erheblich. Die Erde wird dabei mit einem Gitternetz (Raster) überzogen.

Wetter ist wiederum das zeitnahe Geschehen in der Atmosphäre, während Klima sozusagen die Statistik des Wetters ist.

Beim Wetter besteht das Problem, ob die eingegebenen Anfangswerte richtig sind, auch können diese nicht überall gemessen werden.

Bei den Klimaberechnungen sind zusätzliche Randbedingungen zu berücksichtigen, d.h. Annahmen über technische Möglichkeiten, menschliches Verhalten und natürlich Rückkoppelungen zwischen diesen Punkten.

Es gibt verschiedene Modelle.

Spurenstoffe in der Atmosphäre

Frau Dr. Vogel vom KIT referierte über die Modellierung von Spurenstoffen, wie Staub, Partikeln und Gasen aus Vulkanen oder Emissionen von Menschen.

Diese Stoffe rufen Veränderungen in der atmosphärischen Strahlung oder der Wolkenbildung hervor, haben also Einfluss sowohl auf das Wetter als auch auf das Klima. Modellsysteme dazu sind u.a. am KIT entwickelt worden.

Jedoch sind bei globalen Modellen regionale Ereignisse oft nicht darstellbar, weil die Raster zu groß sind.

Noch nicht vollständig verstanden sind die Wechselwirkungen mit der Wolkenbildung. Man benötigt mehr Daten und mehr Langzeitmessungen.

Man habe inzwischen Modelle mit einem Raster von bis zu 2 km auf regionaler Ebene.

Vorzüge regionaler Klimamodelle

Frau Prof Jacob von GERICS (Climate Service Center Germany), zugehörig zur Helmholtz-Zentrum Geesthacht Zentrum für Material- und Küstenforschung GmbH, berichtete über den Mehrwert regionaler Klimamodelle. Sie bestätigt zunächst, dass man heute bei einem Raster von 2 km angekommen ist. Dies ist wesentlich aussagekräftiger für einzelne Regionen, als die globalen Raster, die 300 km groß sein können.

So wird z.B. der Alpenraum bei globalen Modellen mit einer Höhe von 800 m einberechnet, bei regionalen Modellen kommt man immerhin auf ca. 2.000 m Höhe.

Dies bedeutet, dass bei regionalen Modellen Landoberflächeneigenschaften wie Geländeform und Geländenutzung berücksichtigt werden können. Bei den globalen Modellen können regionale Besonderheiten, wie einzelne Berge, ganz wegfallen. Dann fehlen die Berg-Tal-Winde oder am Meer die See-Winde.

Daraus ergeben sich nicht nur Unterschiede, sondern manchmal sogar Gegensätze zwischen globalen und regionalen Modellen.

Was man jedoch dringend benötige, seien Raster von 1 km und 5-minütige zeitliche Auflösungen bei Niederschlägen. Nur dann könne berücksichtigt werden wie Niederschläge das Klima verändern.

Es fehlen Beobachtungen mit langen Zeitreihen und auch die Computer sind gegenwärtig am Rande ihrer Leistungsfähigkeit.

Sie verweist auf internationale Initiativen wie CORDEX oder EURO-CORDEX, in denen regionale Modelle entwickelt werden. Diese Initiativen und ihre Verbindungen zu anderen internationalen Organisationen, wie z.B. der Weltorganisation für Meteorologie zu beschreiben ist an dieser Stelle nicht möglich. Es soll hier ein Link für einen ersten Einstieg genügen. Ich werde jedoch das Gefühl nicht los, dass dieses Gestrüpp an Organisationen der Sache nicht unbedingt dienlich ist.

Extremwetter

Herr Prof. Kottmeier vom KIT erläuterte den Zusammenhang zwischen Klimawandel und Extremwetterereignissen.

Den Klimawandel hält er für eindeutig, da eine Erwärmung stattfindet, sich Eis und Schnee zurückziehen und der Meeresspiegel steigt.

Auch seien extreme Wetterereignisse mehr geworden. Allerdings sei hier die Prognose nicht eindeutig.

Hohe Niederschlagsmengen haben demnach mehr zugenommen als die Luft ihre Aufnahmefähigkeit aufgrund der Erwärmung habe erhöhen können.

Starkregen kann jedoch nur sehr kurzfristig vorhergesagt werden.

Einen guten Hinweis kann der Trockenheitsindex geben. Aber auch hier muss man die regionalen Unterschiede sehen. So sind in Mitteleuropa Trockenperioden insbesondere in den 50-ern bis 70-er-Jahren des letzten Jahrhunderts vorgekommen. Auf der iberischen Halbinsel nahmen diese seit den 70-er Jahren zu und in Skandinavien wiederum fanden solche vor allem in den 50-er Jahren statt.

Zusammengefasst könne man sagen, dass heiße und trockene Ereignisse zunehmen. Auch seien die regionalen Modelle näher an den beobachteten Ereignissen als die globalen Modelle.

Podiumsdiskussion

Aus dieser möchte ich einen Punkt herausgreifen.

Herr Franke, der Leiter der Abteilung Nachhaltigkeit und Naturschutz bei der LUBW (Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg) hob einen wichtigen Punkt hervor.

Er verwies darauf, dass es bisher vor allem am Monitoring von getroffenen Maßnahmen fehlt. Im Gegenteil, es würden sogar Messstellen aus Kostengründen abgebaut. Selbst im Weltklimavertrag von Paris sei nicht konkret geregelt was wie gemonitort werden soll.

Historische Ängste in Bezug auf die Natur

Der letzte Vortrag kann von Herr Adam, Leiter des Städtischen Museums in Bruchsal. Er beleuchtete die Naturängste aus historischer Sicht. Er bezog sich vor allem auf die Kleine Eiszeit im ausgehenden Mittelalter im späten 16. und frühen 17. Jahrhundert.

Nicht so sehr die zurückgehenden Temperaturen seien das Problem gewesen als die ständigen extremen Schwankungen.

Die Hexenverfolgung habe damals quer durch alle Konfessionen zugenommen. Die Hauptanklagepunkte im hiesigen Raum sei die Hagelmacherei gewesen, die man den Hexen zugeschrieben habe. Im Alpenraum habe man ihnen Lawinenmacherei vorgeworfen.

Das Denken sei heute noch manchmal ähnlich. So ergaben Umfragen, dass 30 % der Deutschen glaubten, dass Erdbeben etwas mit dem Klimawandel zu tun hätten.

Es gebe heute eine weltliche Form der früheren Straftheologie. Der Glaube, dass die Natur die Sünden der Menschen räche, löse die Furcht vor der göttlichen Strafe ab.

Abends gab es noch einen Vortrag von Herrn Prof. von Storch von der Uni Hamburg, früher Leiter des Instituts für Küstenforschung am Helmholtz-Zentrum Geesthacht. Sein Thema war die gesellschaftliche Einbettung der Klimaforschung. Er beschäftigte sich mit den Auswirkungen des Klimawandels auf gesellschaftliche Prozesse. Dies darzustellen und zu bewerten würde jedoch wiederum zu weit führen. Wer möchte kann den Vortrag hier nachlesen.

Fazit

Die Erwärmung kann man nicht mehr wegdiskutieren. Auf die Frage, ob diese nun allein menschengemacht ist oder ob sonstige Dinge eine Rolle spielen, will ich hier nicht eingehen. Jedenfalls sollten wir nicht außer Acht lassen, dass in den letzten 15.000 Jahren es öfter zu erheblichen Klimaschwankungen gekommen ist, auch in Zeiten als der Mensch die Erde lange nicht so veränderte wie heute.

Natürlich macht es Sinn weniger CO2 in die Luft zu blasen und es macht auch Sinn andere Schadstoffe zu minimieren. Nicht zuletzt aus gesundheitlichen und ökonomischen Gründen. Weniger Energieverbrauch bedeutet weniger Kosten, egal welche Energie gerade subventioniert wird.

Und dass Smog nicht gerade gesund ist, muss auch nicht diskutiert werden.

Allerdings scheinen mir die Zusammenhänge zwischen Erwärmung und verursachenden Ereignissen nicht ausreichend geklärt zu sein.

Man nehme nur die Unterschiede, die sich ergeben, wenn globale und regionale Klimamodelle zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen.

Es ist deshalb wichtig die Forschung zu stärken. Insbesondere sind die regionalen Auswirkungen zu hinterfragen. Die Starkregenfälle dieses Jahr sollten Veranlassung sein zu fragen, ob dies mit der Erwärmung zu tun hat oder nicht. Auch unter dem Gesichtspunkt, dass es dies schon immer irgendwo gegeben hat und natürlich durch das Internet und Fernsehen diese Dinge viel mehr in das Bewusstsein der Menschen treten als früher.

Dazu aber wiederum ist es notwendig die erforderlichen Daten zu erheben und nicht Messstellen abzubauen.

Und nur so kann vermieden werden, dass die oben angesprochene weltliche Form der Straftheologie über die Vernunft triumphiert.

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