Huffpost Germany
BLOG

Eine offene Plattform für kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Diana Stachowitz Headshot

Auf zwei Rädern entspannt in die Zukunft

Veröffentlicht: Aktualisiert:
Drucken

Ein ganz normaler Morgen in einer ganz normalen Stadt. Auf der Radstraße Richtung Zentrum treffen sich Eilige, Sportliche und Gemütliche auf dem Weg zur Arbeit. Statt Abgase einzuatmen hören sie Vogelgezwitscher. Auf der separaten Fahrbahn fließt staufrei der reduzierte Berufsverkehr. So könnte Urbane Mobilität in der Zukunft aussehen.

Von diesem Idealzustand sind wir heute noch kilometerweit entfernt. In vielen Städten streiten sich Autofahrer und Radler um den besten Platz an der roten Ampel, um die Vorfahrt oder den Abstellplatz.

Ob unsere Städte auch in Zukunft überleben, entscheiden wir

Dabei ist ein friedliches und ausgewogenes Mit- und Nebeneinander von PKWs, Fahrrädern und öffentlichen Verkehrsmitteln für unsere Städte schon heute lebenswichtig. In der Zukunft wird es sogar überlebenswichtig sein. Denn 74,6 Prozent aller Deutschen leben in Städten.

Die Lebensqualität wird dort durch den Straßenverkehr erheblich gemindert, die Gesundheit gefährdet und die Umwelt geschädigt. Auf den Straßenverkehr entfallen 40 Prozent der CO2-Emissionen und 70 Prozent der Emissionen sonstiger Schadstoffe.

Wenn wir davon ausgehen, dass die Bevölkerung in den Metropolen weiterhin jährlich zwischen 10 (Berlin) und 24 (München) Prozent wachsen wird, brauchen wir ausgewogene Mobilitätskonzepte, um einen verkehrstechnischen und ökologischen Kollaps zu verhindern.

2016-07-12-1468310994-1971713-DianaStachowitzMdL.JPG
Diana Stachowitz, MdL, nutzt für ihre Wege in München konsequent das Fahrrad.

Das Fahrrad ist ein zentraler Baustein im urbanen Mobilitätsportfolio. Die Anzahl der Fahrräder ist in Deutschland von 69 Millionen im Jahr 2009 auf rund 75 Millionen im Jahr 2015 gestiegen. Damit einher geht der Ausbau des Radwegenetzes vor allem in den Großstädten. Aber damit das Fahrrad eine echte Alternative wird, müssen Autofahrer und Radler sich im Straßenverkehr tolerant und verantwortungsbewusst verhalten.

Für Radfahrer heißt das über die in der StVO festgelegten Verhaltensregeln hinaus, dass sie die Geschwindigkeit der Verkehrssituation und dem Weg, auf dem sie unterwegs sind, anpassen. Zum Beispiel, um Spaziergänger und Kinder nicht zu gefährden. Natürlich dürfen sie im Umkehrschluss auch von den anderen die nötige Umsicht erwarten.

Jeden Tag fahren 40.000 Radler durch Kopenhagen

Ein wesentlicher Beitrag zum sicheren Miteinander von PKW und Fahrrädern im Straßenverkehr ist die Trennung von Fahrradstraßen und Individualverkehr. In Kopenhagen nutzen täglich 40 Tausend Radler den Radweg ins Zentrum. Hier, wie auch in Amsterdam, haben sich die Verkehrsplaner gegen das in Deutschland weit verbreitete Modell der Radspuren am rechten Fahrbahnrand entschieden. Das mag zwar aufwändiger sein - aber es ist nicht nur gesünder, es macht eben auch gute Laune und Lust, das Fahrrad im Alltag zu nutzen.

Ich bin davon überzeugt, dass wir ein Umdenken in puncto Mobilität nicht mit Regeln und Geboten erreichen können. Deshalb bin ich gegen ein allgemeines Sonntagsfahrverbot für PKW. Einsicht, Lust und Gewinn an Zeit und an Lebensqualität, das sind die Argumente, die Menschen in der Großstadt davon überzeugen können, auf ihr Auto zu verzichten.

Dazu gehören, in Ermangelung eigener Fahrradstraßen, „Anradelzonen" für Radler an der Ampel. Dazu gehören ausreichende Abstellmöglichkeiten am Straßenrand, die den verschiedenen Fahrradmodellen Rechnung tragen, also breit genug für Mountainbikes und mit ausreichendem Abstand für Räder mit Anhängern.

Elektrofahrräder sind besonders für die Altersgruppe 60+ und auf längeren Strecken attraktiv. Allerdings müssen diese Pedilecs konsequent als das gesehen werden, was sie sind: Fahrräder mit Elektromotor - und keine Motorräder.

Zu einem erfolgreichen Mobilitätskonzept gehört die parallele Nutzung verschiedener Verkehrsmittel. Attraktive Angebote zur Kombination von ÖPNV, Car- und Bikesharing tragen ganz wesentlich zur Reduzierung des Individualverkehrs bei.

München zeigt, wie es geht

Wie das geht, zeigen Modelle in München. Die bayerische Landeshauptstadt verfügt über ein gut ausgebautes Radwegenetz mit über 500 km Radwegen, Radfahrstreifen und Schutzstreifen. Wohnungsbaugenossenschaften stellen in Kooperation mit Car- und BikeSharing-Anbietern Mobilitätsmittel zur Verfügung, die je nach Bedarf flexibel genutzt werden können: PKWs unterschiedlicher Größe, E-Roller, E-Bikes und Fahrräder.

Das verringert den Bedarf an PKW-Stellplätzen und schafft Raum zum Wohnen und Leben. Das Ergebnis: Viele Bewohner verzichten schon nach einem Jahr auf ihr eigenes Auto. Ihr Argument: „Wir sparen Kosten und gewinnen Zeit."

Nur so geht es! Denn die Menschen steigen eben nicht primär aus ökologischen Gründen aufs Fahrrad um, sondern weil sie damit schneller und billiger unterwegs sind. Wenn wir das in unseren deutschen Metropolen erreichen, haben wir den ökologischen und gesundheitlichen Effekt als „Zuckerl" mit dabei. Und dazu viel gute Laune, denn Radfahren ist einfach entspannend.

2016-07-12-1468310300-7618852-HUFFPOST.png

Mehr zum Thema Revolution auf zwei Rädern


Auch auf HuffPost:

Forscher warnen vor hohen Emissionen: "Salat umweltschädlicher als Bacon": Sind Vegetarier schuld am Klimawandel?