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Recherchen zum deutschen Genremaler Gisbert Flüggen führen auch auf die Krim: Klassischer Fall von Beutekunst

30/09/2014 08:28 CEST | Aktualisiert 30/11/2014 11:12 CET

Bis auf wenige Ausnahmen ist es Nachfahren des bekannten deutschen Genremalers Gisbert Flüggen gelungen, ein Werksverzeichnis zu erstellen, die Hauptwerke des Künstlers zu visualisieren sowie weitere Bilder, Zeichnungen und Skizzen auf einer Webseite zu bündeln.

Unter dem Titel Gisbert Flüggen - Der deutsche Wilkie finden sich darüber hinaus Angaben zu Flüggens Familie, Leben und Schaffen, angereichert mit vielen Abbildungen sowie zeitgenössischen und aktuellen Würdigungen.

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In Kunstkreisen hat die Webseite bereits für Aufmerksamkeit gesorgt. Die soeben erschienen Aachener Kunstblätter (Band 65 . 2011-2013) zitieren die Seite in einer Miszelle über den Aachener Maler Franz Reiff, der mit Flüggen eine Gemeinschaftsarbeit ausgeführt hat: Ländlicher Tanz oder auch Tanzstunde / Tanzstunde im Freien (Mitte 19. Jh., Öl auf Leinwand, 92 x 106, signiert).

Gerade zu diesem Werk waren die Recherchearbeiten besonders aufregend und ergiebig. Lagen zunächst nur eine Skizze, die einen alten Tanzlehrer mit einem jungen Mädchen zeigt, sowie die damit korrespondierende Beschreibung aus einem Katalog von 1932 vor: "Vor der Wand eines Hauses sitzen im Schatten eines Baumes eine alte u. zwei junge Damen beim Kaffee.

Sie schauen zu, wie ein blondes junges Mädchen den Schritten eines alten Tanzmeisters folgt. Eine der jungen Damen am Tisch spielt dazu die Zither."

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Über das Suermondt-Ludwig-Museum in Aachen erfuhr das Nachfahren-Team zunächst von der Existenz des Bildes im Staatlichen Kunstmuseum Simferopol auf der Krim, das als Beutekunst von der Roten Armee während des Zweiten Weltkrieges beschlagnahmt worden und über die Sowjetunion in die Ukraine gelangt war.

Noch bevor Russland jetzt die Halbinsel annektierte, gelang es dem Team, an ein Foto von dem Gemälde zu kommen. Fast gleichzeitig entdeckte es in der Staatlichen Bücher- und Kupferstichsammlung im Sommerpalais in Greiz ein von Flüggen signiertes Foto eines gleichnamigen Bildes, das allerdings statt des alten Tanzmeisters einen Jungen zeigt.

Und in der Tat hat Flüggen einige Motive mehrfach gemalt, wie z.B. Die Erbschleicher (drei Mal), Die Weinprobe (mindestens zwei Mal), Die Schachspieler (zwei Mal) und Ländlicher Tanz (zwei Mal).

Die Webseite geht aber auch den Spuren nach, die Flüggen in der Gegenwart hinterlässt. So wird auf die Flüggenstraße in München ebenso verweisen wie auf die Erwähnung des Gemäldes Die Erbschleicher in einem juristischen Aufsatz oder das Theaterstück, zu dem sich die Urheber durch das Flüggen-Gemälde Die Spieler haben inspirieren lassen.

Weitere Informationen und noch vieles mehr auf der Webseite Gisbert Flüggen - Der deutsche Wilkie.

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