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Die Berliner Friedensuhr: Eine Geschichte, die sich niemand hätte ausdenken können

03/10/2014 08:54 CEST | Aktualisiert 04/12/2014 11:12 CET

Der diesjährige Tag der Deutschen Einheit ist sozusagen die Ouvertüre zum 25-jährigen Jubiläum des Falls der Mauer, wodurch am 9. November 1989 das Ende der Teilung Europas in Ost und West besiegelt wurde. Untrennbar damit verbunden ist die Berliner Friedensuhr, deren Geschichte sich niemand hätte so ausdenken können.

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Just an jenem Abend zu eben dem Zeitpunkt, als das SED-Politbüro-Mitglied Günter Schabowski vor der internationalen Presse in Ostberlin auf die Frage, wann denn das neue Reisegesetz in Kraft trete, erklärte: „Das tritt nach meiner Kenntnis ... ist das sofort, unverzüglich", präsentierte der Juwelier Jens Lorenz vor Kunden in seinem Geschäft im Westberliner Stadtteil Friedenau eine von ihm selbst entworfene Uhr. Diese Uhr, ausgestattet mit einem Uhrwerk aus einem westfälischen Benediktiner-Kloster, ist fast drei Meter hoch und 2,5 Tonnen schwer und trägt die Inschrift „Zeit sprengt alle Mauern". Damit wollte Lorenz ein Zeichen der Hoffnung auf die Überwindung der Teilung der Welt in "Ost" und "West" setzen.

Als im Laufe des Abends die Nachricht vom Ende der Mauer und der offenen Grenze das Juweliergeschäft erreichte, brach es aus einem Kunden heraus: „Dann ist das ja eine Berliner Friedensuhr!" Beeindruckt und beseelt davon, dass sein Werk gleichsam in der Geburtsstunde Zeitzeugin ihres eigenen Anliegens geworden war, entschloss sich Lorenz als gebürtiger Berliner, diese Uhr in Form einer Replik als Botschafterin des Friedens und der Freiheit in die Welt - von Kalkutta bis Rom, von Moskau bis Washington - zu tragen.

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Und so bekamen in der Folgezeit der ehemalige sowjetische Staatspräsident Michail Gorbatschow, die ehemaligen US-Präsidenten Ronald Reagan und George Bush sen. sowie Bundeskanzler Helmut Kohl Berliner Friedensuhren überreicht. Auch Papst Johannes Paul II. und Mutter Teresas zählen zu den Empfängern, ebenso wie die Deutsche Parlamentarische Gesellschaft in Bonn und Rotary International.

Im Jahr 2002 begründet Lorenz gemeinsam mit dem Berliner Komitee für UNESCO-Arbeit und unterstützt vom Berliner Senat den Friedenspreis Berliner Friedensuhr. Und so wird seit 2003 der Preis an Persönlichkeiten bzw. Institutionen verliehen, die auf Grundlage der „Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte" der Vereinten Nationen zur Überwindung von Mauern zwischen Rassen, Klassen, Völkern, Nationen, Kulturen, Ideologien, Konfessionen, Parteien und Menschen exemplarisch beigetragen haben.

Ein Kuratorium, dem so namhafte Personen wie der letzte Ministerpräsident der DDR, Lothar de Maizière, oder der amtierende Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, Eric Schweitzer, angehören küren die Preisträger.

Hier reicht die Reihe von Avi Primor, dem früheren israelischen Botschafter in Deutschland, über die Internationale Atomenergiebehörde, vertreten durch ihren Präsidenten Mohammed el-Baradei, Prinz Hassan ibn Talal von Jordanien, den US-amerikanischen Ökonom Dennis L. Meadows und den ehemaligen deutschen Außenminister Hans-Dietrich Genscher bis hin zu Willi Lemke, Sonderberater des UN-Generalsekretärs für Sport im Dienste von Frieden und Entwicklung.

In diesem Jahr werden am 11. Dezember Ulrike Poppe und die Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen mit der Berliner Friedensuhr ausgezeichnet. In der Begründung des Kuratoriums heißt es: „Die heutige brandenburgische Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der Folgen der kommunistischen Diktatur steht wie kaum ein anderes Mitglied der Friedens- und Bürgerrechtsbewegung der ehemaligen DDR dafür, wie man gewaltfrei Mauern niederreißt."

Dabei habe sie sich auch durch schlimmste Repressalien nicht von ihrem friedlichen Weg abbringen lassen. Weiter heißt es: „Die Gedenkstätte Hohenschönhausen, die zu DDR-Zeiten die zentrale Untersuchungshaftanstalt der DDR war und in der Ulrike Poppe selbst inhaftiert wurde, überwindet durch ihre tägliche Arbeit gleichsam die früheren Gefängnismauern, hinter denen die Menschenrechte mit Füßen getreten wurden, und reißt sie nachträglich nieder und rehabilitiert die Opfer."

Mehr Informationen auf der Webseite der Berliner Friedensuhr.

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