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So hoch ist die Gefahr wirklich, Opfer des Terrors zu werden

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TERROR THREAT
Anadolu Agency via Getty Images
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Es gibt wohl keinen Lebensbereich, über den sich nicht irgendwo auf der Welt Forscher beugen. So natürlich auch zum Thema, das derzeit in aller Munde ist: Terrorismus. Ich habe da eine Super-Datenbank bei der University of Maryland gefunden, die für den Zeitraum 1970 bis 2015 gut 156.000 Terroranschläge in aller Welt aufgelistet hat: die Global Terrorism Database. Da kann man bis hin zur Frage ob Messer oder Dynamit benutzt wurde, woher die Täter kamen und woher die Opfer jedem grausigen Detail nachspüren.

Ich haben mich - weil mich das auch interessierte - der nicht unbeträchtlichen Arbeit unterzogen und diese Datei auf ein paar Aspekte abgesucht. Hier die Ergebnisse: am spektakulärsten ist wohl die Zahl der toten Opfer. Es folgt eine Grafik, die die Entwicklung der letzten 46 Jahre zeigt. Die letzten vier Jahre von 2012 bis 2015 waren in dieser Hinsicht traurige Rekorde. Allerdings ging der Wert - hat mich im Hinblick auf die „gefühlte" Entwicklung etwas verblüfft - 2015 um immerhin 18 Prozent zurück.

Ein Selbstmordattentäter reisst im Schnitt etwa acht Unschuldige mit sich

Das sind wohlgemerkt die unschuldigen Opfer der Anschläge, auch unter den Tätern gab es viele Tote, immerhin 11.274. Dabei kam es zu einem merkwürdigen Schwund an mörderischer Effizienz: die Zahl der toten Täter stieg im letzten Jahr um 944, während die Zahl der Opfer, die mit in den Tod gerissen wurden, um gut 6.000 sank.

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Ich habe Ihnen das Ganze auch mal in Tabellenform auseinanderzufuddeln versucht. Daraus können Sie jede Menge Verhältnisse errechnen: so kamen zum Beispiel seit 1970 rund 38.000 Terrortäter durch ihre eigenen Mordwerkzeuge oder Gegenwehr zu Tode. 314.000 Tote waren unter den Mordanschlägen zu beklagen.

Ein toter Selbstmordattentäter riss damit im Schnitt etwa acht Unschuldige mit sich in den Tod. Für mich überraschend auch die Zahl der Toten beim Durchschnittsanschlag von nur zwei. Wenn die Zahlen halbwegs so stimmen, dürfte es demnach Unmengen an Klein-Anschlägen gegeben haben.

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Nun sollte man - angesichts des individuellen Elends, das über die Opfer und ihre Anverwandten hereinbricht - diese Todeszahlen tief bedauern. Aber man muss sie für die eigene Sicherheitsabschätzung auch in die richtige Relation setzen.

Das höchste Terrorrisiko, das bis heute überhaupt gemessen worden ist, gab es im Jahr 2014. Nach den eben zitierten Zahlen der Universität Maryland ließen da weltweit gut 33.000 Menschen bei Anschlägen unschuldig ihr Leben. Das klingt viel, aber man muss das in Beziehung zu den „üblicherweise" Sterbenden setzen.

Nach Schätzungen der „Vereinten Nationen" hauchen auf diesem Globus täglich etwa 155.000 Leute ihr Leben aus, in der Minute fast 110 Männer und Frauen.

Und Ihre persönliche Wahrscheinlichkeit, zu den armen bei Terroranschlägen Verblichenen zu gehören, steht bisher im Jahr maximal bei 33.000 Terrortote zu 7,4 Milliarden Weltbevölkerung. Das macht ein Verhältnis von 1:224.000. Zum Vergleich: fast 12.000 Menschen kommen allein in Deutschland jährlich bei Stürzen um, das ist ein Verhältnis zur deutschen Gesamtbevölkerung von 1:7.100. An Krebs zu sterben, haben Sie ein jährliches Risiko von 1:370.

Was ich in diesem Zusammenhang auch immer interessant finde, ist die Abhängigkeit der Betroffenheit von der gedanklichen Entfernung zum Tatort. Schauen Sie einfach mal auf die Weltkarte mit den Anschlagsopfern von 2015.

Da wird auf den ersten Blick durch die rot eingefärbten Zonen deutlich, wo die wirklichen Gefahrengebiete liegen: Nigeria und Umgebung, Mittlerer/Naher Osten, Afghanistan/Pakistan. Ein bisschen noch um das Horn von Afrika herum. Die Toten dort tauchen aber hierzulande allenfalls als Kurzmeldung auf: Bombenanschlag in Bagdad, xy Opfer.

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Spielt sich das Ganze aber in Paris, Brüssel oder gar Würzburg ab, kennt die Anteilnahme, Betroffenheit und auch Furcht kein Ende. Vielleicht sollte man es positiv umdrehen und sich selbst trösten: in einer offenen Welt verteilt sich auch das Ungemach international. Dann muss man halt damit umgehen lernen.

Jeder weiß doch, dass ihn ein Treppensturz von der Wahrscheinlichkeit her viel eher ins Grab bringen kann, als eine Bombe aus Terroristenhand. Deshalb fürchtet man sich doch aber nicht vor jedem Morgen, an dem man die Treppe am Bahnhof runtergeht.

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