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Oktoberfest: Maß ist so günstig wie vor 130 Jahren

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Als Nicht-Biertrinker, Nicht-Münchener, Nicht-Okto­ber­fest-Fan kann ich nur wenig zu dieser gerade begonnenen skurrilen Festivität bieten.

Ich habe mal ausgerechnet, was ein Maßkrug in den Zelten des Oktoberfestes in der Vergangenheit gemessen am Wohlstand der Besucher gekostet hat. Die historischen Preise bis 1871 zurück liefert die Webseite „Oktoberfest.de", die im Hinblick auf Wissenswertes zu dieser alljährlichen Gaudi wirklich keinen Aspekt schuldig zu bleiben scheint.

Den Vergleich habe ich anhand der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung vorgenommen. Das Sozialprodukt pro Kopf von heute dient als Anhaltspunkt für die Kaufkraft der Festbesucher, und die jeweiligen Werte für die Vergangenheit machen es möglich, die Bierpreise von damals zu vergleichen.

So hat ein Maßkrug 1950 natürlich nicht - wie die folgende Grafik zeigt - um die 26 Euro oder 52 D-Mark gekostet. Vielmehr musste der Wiesn-Besucher der Bedienung damals nur 1,70 D-Mark bezahlen. Aber die von ihm erwirtschaftete Summe der Waren und Dienstleistungen machte auch nur ein 30-stel der heutigen Verhältnisse aus (1950 umgerechnet: 856 Euro).

Heutzutage dürfte ein wackerer Deutscher im Schnitt jährlich rund 26.000 Euro Netto-Nationaleinkommen oder Sozialprodukt erwirtschaften. Der Bierpreis war demnach für die damaligen Verhältnisse sehr hoch.

Anders formuliert: Ein Bier auf der Wiesn kostete ihn 1950 umgerechnet 87 Euro-Cents, was 0,10 Prozent des von ihm geschaffenen Sozialprodukts ausmachte. Heute kostet der gleiche Krug zwar 9,90 Euro, aber das sind von 26.000 Euro Jahreseinkommen nur 0,038 Prozent, also knapp ein Drittel von damals.

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Sie sehen, die Preise waren im Umfeld der zwei Weltkriege am höchsten. Kein Wunder, damals ging es wirtschaftlich nicht so üppig zu, und beim Oktoberfest haute man trotzdem gerne mal ein bisschen auf den Putz. Der Tiefststand der relativen Maß-Preise wurde Anfang der 1990-er Jahre erreicht.

Danach gelang es den Wirten, den Preis schneller anzuheben, als der allgemeine Wohlstand wuchs. Offenbar ist das aber immer noch nicht genug, denn gar nicht so selten müssen Zelte wegen Überfüllung geschlossen werden. Im historischen Mittel liegt der Preis ohnehin günstig. Danach müsste die Maß gut 13 Euro kosten.