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Rüstung: Saudis auf dem Kriegspfad

Veröffentlicht: Aktualisiert:
SYRIA
Rodi Said / Reuters
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Der Nahe Osten ist spätestens seit dem Zweiten Weltkrieg, eher aber bereits seit dem Ersten Weltkrieg, ein Pulverfass. Wo merkwürdige Leute zudem oft und gerne mit einer Lunte umherrennen.

1918 brach das Osmanische Reich zusammen und die damals siegreichen Weltmächte England und Frankreich teilten die Nachfolgestaaten mit dem Lineal auf. Noch heute existieren diese zum Teil sehr willkürlichen Grenzen und bereiten wegen der darin wohnenden unterschiedlichen Volksgruppen jede Menge Verdruss. Schauen Sie sich einfach mal die Grenzziehung zwischen Syrien, Irak und Jordanien an.

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Kein Wunder, dass alle Länder der Region, die es sich halbwegs leisten können, bis an die Zähne bewaffnet sind. Ein treffliches Beispiel liefert das ölreiche Saudi-Arabien. 817 Milliarden Dollar hat das Königreich seit Anfang der 1990er Jahre für sein Militär ausgegeben.

Und liefert nun auch - eher traurige - Beweise seiner dadurch erlangten Schlagkraft. Die Luftangriffe der Saudis im benachbarten Jemen (24 Millionen Einwohner) sind - von der Weltöffentlichkeit wenig bemerkt - heftiger als die russischen Luftschläge in Syrien, über die ausführlich berichtet wird.

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Ebenso wenig wird diskutiert, dass die Saudis dabei logistisch und waffentechnisch kräftig von den Engländern unterstützt werden. Seit Beginn der Bombardements im März 2015 hat London Waffenlieferungen für 2,8 Milliarden Pfund (3,8 Milliarden Dollar) gestattet, die Saudi-Arabien für das Königreich von Elisabeth II. zum wichtigsten Absatzmarkt werden ließen.

Um eine Vorstellung von der Dimension der saudischen Militärausgaben zu vermitteln, habe ich mal die Vergleichswerte für Deutschland herausgesucht. Und siehe da, mit umgerechnet 1.020 Milliarden Dollar liegt unser Land gar nicht so weit vor den Saudis mit ihren gut 800 Milliarden Dollar.

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Noch spektakulärer aber fällt der Vergleich zu Deutschland - immerhin der viertstärksten Volkswirtschaft des Planeten - im Zeitablauf ins Auge. Der Handabhack-und-Prügel-Staat hat schon seit 2012 die Deutschen bei den Militärausgaben mehr und mehr abgehängt.

Ein Teil der Veränderungen ist währungsbedingt (schwacher Euro), aber der Trend ist klar, während Riad kräftigst aufrüstet, sind die Berliner in dieser Hinsicht ziemlich zaghaft.

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Verblüffend nur: Während die Deutschen zu diesen Militärausgaben ein Bruttoinlandsprodukt von in diesem Jahr schätzungsweise 3.500 Milliarden Dollar zur Verfügung haben, bringt es der Ölstaat in dieser Hinsicht gerade mal auf knapp 620 Milliarden Dollar, also nicht einmal auf ein Fünftel.

Anders formuliert: Während bei den Saudis um die 14 Prozent vom BIP für die Uniformträger drauf gehen dürfte, sind es in Deutschland nur gut ein Prozent.

Von der militärischen Führungsnation Nummer eins, den USA, sind die Saudis noch meilenweit entfernt. Aber man sieht auch hier den Trend, während Washington bei seiner weltweiten Militärpräsenz zunehmend knausert, holen die Wüstensöhne langsam aber sicher auf.

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Möglicherweise steckt dahinter in Riad die Einsicht, dass die Amis auch langfristig nicht mehr so viel für das Militär verballern möchten und auf die Idee kommen könnten, dass der Pazifikraum und Europa für die USA auf Dauer doch wichtiger sein werden, als die umkämpften Sandflächen, selbst wenn darunter immer noch gewaltige Ölreserven schlummern. Im US-Militärbudget gibt es ohnehin einen von Kriegen nur leicht unterbrochenen Abwärtstrend.

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Gab man in Washington auf dem Höhepunkt des Koreakriegs Anfang der 1950er Jahre noch 13 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) für die schimmernde Wehr aus, waren es auf dem letzten Höhepunkt 2010 keine fünf Prozent mehr. 2015 landete man mit 3,3 Prozent wieder in der Nähe der Anfang der 2000er Jahre erreichten Tiefststände von 2,9 Prozent.

Wie es jetzt weitergeht hängt auch von der im November zu wählenden neuen US-Administration ab. Noch hat jeder Präsident seine ganze eigene Sicht auf das Militär entwickelt. Und vor allem war die Bereitschaft zu kostspieligen, kriegerischen Verwicklungen je nach Hausherr im „Weißen Haus" sehr unterschiedlich ausgeprägt.

Nach derzeitigen Planungen sehen die Militärausgaben in den kommenden Jahren nur ein sehr moderates Wachstum von jährlich 1,3 Prozent vor. Bei diesem Tempo würde der Anteil am BIP voraussichtlich sogar unter die alten Tiefstände von 2,9 Prozent fallen, weil die US-Wirtschaft derzeit nominal kräftiger wächst als der Etat.

Und nur noch jeder siebte Dollar des gesamten Staatshaushalts soll der Truppe zufließen. Das wäre dann ein Tiefpunkt in der Nachkriegsgeschichte. Auch die USA stopfen halt immer mehr in den sozialen Bereich, so dass weniger für den Rest übrig bleibt.

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Zwar ist der Abstand zu anderen Ländern immer noch sehr groß, aber für die Rolle eines Weltpolizisten an jeder Ecke der Erde könne das Geld zügig knapp werden. Vor allem dann natürlich, wenn - wider Erwarten - Donald Trump ins Oval Office einziehen sollte.

Dessen Credo: Die Position als Weltmacht muss sich auch in klingender Münze auszahlen. So etwas ist in Afrika oder den Nicht-Ölländern des Nahen Ostens natürlich eher unwahrscheinlich.

Und angesichts seiner Vorliebe für das Fracking bei heimischen Ölreserven könnten selbst die Ölstaaten mehr als früher aus dem Blick geraten. So schließt sich möglicherweise der Kreis zu den oben beschriebenen, steil steigenden saudischen Militärausgaben.

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