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Wie Walt Disney meine Erwartung an die Liebe beeinflusst hat

12/10/2017 19:47 CEST | Aktualisiert 12/10/2017 19:47 CEST
SchulteProductions via Getty Images

Fangen wir mit Erwartungen an. Tag für Tag haben wir Erwartungen. Unser Leben besteht eigentlich größtenteils nur aus Erwartungen. Erwartungen werden von unserem sozialen Umfeld, den Medien, eigenen Erfahrungen und der Gesellschaft geprägt.

Wir haben Erwartungen an den Tag, an uns selbst, an Andere, an einen Freund, an unser Leben, an unsere Eltern, an einen bestimmten Abend, an unsere Leistungen.

Die Liste könnte man jetzt bis ins Unendliche weiterführen. Aber soll ich euch mal was sagen: Erwartungen sind Arschlöcher!

Das Problem mit den Erwartungen ist nämlich, dass sie oftmals viel zu hoch oder unrealistisch sind. Erwartungen nicht erfüllt zu bekommen, macht uns traurig und enttäuscht uns.

Das Oberarschloch der Erwartungen ist die Liebe

Aber es gibt eine ganz bestimmte Erwartung, die das Oberarschloch aller Erwartungen ist. Und das ist die meist unrealistische Erwartung an die LIEBE. Die Erwartung an den EINEN. Die Erwartung an die ganz persönliche einzigartige Liebesgeschichte.

Ja, auch ich hatte in meinem Kopf eine ganz bestimmte Erwartung/Vorstellung zum Thema Liebe manifestiert. Eine Erwartung an die Liebe, die kein Mensch erfüllen könnte. Schon alleine von seinem Naturell her nicht.

Ich hatte viele tolle Beziehungen, leider hielten die irgendwie nie länger als zwei Jahre. Ja, man konnte praktisch die Uhr nach meinem Abgang stellen.

"Ich suchte immer nach etwas Größerem"

Und warum? Teilweise lag es daran, dass ich immer nach etwas Größerem suchte, ich war mir sicher, dass da noch etwas kommen muss, ETWAS, dass alles bisher Dagewesene in den Schatten stellt (Thema Erwartungen).

Man fängt damit an, sich die Frage zu stellen: „War's das? Echt jetzt?!" Das war also meine Liebesgeschichte? Da fehlt doch was. Wo war denn das Drama?

Und warum hab ich manchmal Zweifel, er ist doch DER, da darf man doch keine Zweifel haben? Und zur Hölle! Wo war denn das verdammte weiße Pferd eigentlich? Ne, kann nicht sein, ist die falsche Geschichte, bin dann ma weg!

"Wer ist schuld an meinem unrealistischen Bild von der Liebe?"

Ja, teilweise waren echt meine Erwartungen an den Trennungen schuld. Aber was war der Ursprung meiner Erwartungen? Wer ist schuld an meinem unrealistischen Bild von der Liebe?Nach langem Grübeln bin ich dann endlich drauf gekommen.

Es ist kein Geringerer als, Achtung Trommelwirbel, Walt Disney!

Ja, Walt Disney. Du mieser Verräter, du hast uns ganz schön verarscht. Manipuliert hast du uns. Schon seitdem ich ein kleines Kind bin! Das ist doch ekelhaft. Schämst du dich denn überhaupt nicht? Dank dir sieht meine Welt nämlich aus, wie die von Dornröschen und Schneewittchen.

Fettes Merci dafür.

"Ein unfassbar gutaussehender Prinz auf einem weißen Gaul kommt angeritten, um mich vor einem bösen unbesiegbaren Drachen zu retten. Der Prinz ist natürlich schon mein Leben lang mein Seelenverwandter und wir fühlten uns schon immer verbunden.

Bis das Schicksal uns endlich zusammengeführt hat, war's richtig dramatisch. Doch als wir uns dann endlich in den Armen lagen wussten wir, das ist alles, was wir uns je vom Leben erhofft haben. Und niemals denkt die Prinzessin auch nur ansatzweise daran mit jemand anderem als dem Prinzen zu schlafen, ihr Leben lang nicht, auch noch nach 30 Jahren nicht, weil Monogamie ein Kinderspiel ist, wenn man sich wirklich liebt.

Die Prinzessin zweifelt auch NIEMALS an der Liebe zu ihrem Prinz, weil das so ist, wenn man den Richtigen gefunden hat. Da kommen nämlich nie Zweifel auf. Auch Langweile und Alltag haben keinen Platz, bei den ganzen singenden und tanzenden Tieren um sie herum. Und sie leben glücklich bis an ihr Lebensende. Punkt."

"Ja, das hat uns Walt Disney gelehrt"

So läuft das also ab, wenn man seinen Herzensmenschen gefunden hat. Aha. Und die unrealistische Erwartung ist geboren. Ja, das hat uns Walt Disney gelehrt. Kein Wunder also, dass wir so komplett absurde Vorstellungen von unserer Liebesgeschichte und der Liebe haben.

Seit meinen ersten Disney Filmen mit ungefähr 8 Jahren bekomme ich eingetrichtert, dass das die Realität ist. An dieser Stelle auch nochmal : Danke. Auch an meine Eltern, die mir den Schund gezeigt haben und damit auch eine große Mitschuld an meinem Realitätsverlust tragen.

Warum konnte dieser Walt Disney uns nicht auf die reale Welt vorbereiten? Dann hätten wir uns einige Enttäuschungen erspart, weil wir nämlich anständige und realistische Erwartungen gehabt hätten.

Ich bin mir außerdem sicher, dass es weniger Scheidungen gegeben hätte, wenn keine Frau Walt Disney geschaut hätte. Also an allem Liebeselend auf der Welt ist einfach der Disney da Schuld.

Schneewitchen hätte es in der Realität nämlich mit allen sieben Zwergen getrieben, wahrscheinlich auch noch gleichzeitig. Den Prinz hätte sie sich wegen der Kohle geangelt und den dann irgendwann mit dem Gärtner betrogen, weil es ihr mit dem Prinz auf Dauer zu langweilig wurde, dann gab´s eine böse Scheidung und der Prinz hatte nichts mehr. Ende.

Mehr zum Thema: Warum wahre Liebe kein Walt-Disney-Märchen sein kann

Ja Freunde, so hätte es sich zugetragen, that's the real life. Das wäre ein realistisches Ende des Films gewesen. Hätte ich das bloß vorher gewusst.

Warum trichtert man uns in jungen Jahren ein, in einer wundervollen pinken Welt zu leben und verkauft Beziehungen als das einfachste das es gibt? Umso niederschmetternder ist doch dann die Realität.

Ja, hätte ich vorher gewusst, dass der Satz „und sie lebten glücklich bis ans Ende ihrer Tage" reiner Bullshit ist, würde ich vielleicht jetzt eine Beziehung führen. Eine der vielen, die ich beendet habe, weil sie meinen Erwartungen nicht entsprachen. Vielleicht hätte ich anders reagiert, als der Moment kam, an dem man sich gedacht hat: „Nein, da muss es doch noch mehr geben" oder: „Wenn es der Richtige ist, hast du nie Zweifel"

"Kein Mann kommt auf dem Pferd angeritten und rettet dich"

Da kommt nicht mehr. Die Schmetterlinge, verwandeln sich irgendwann zu Motten, wilder Sex wird zu Fressorgien auf der Couch und der Alltag kommt, ganz ohne sprechende Tiere und singende Vögel. Auch Zweifel sind völlig normal.

Und ganz wichtig: „Kein Mann kommt auf nem weißen Pferd angeritten und rettet dich". Das mit der Eroberung ist nämlich mittlerweile auch total altmodisch. Entfernt euch ganz schnell auch von dieser Erwartung.

Ein bisschen traurig macht mich diese Tatsache schon. Aber wenn man sich erstmal damit abfindet und seine Erwartungen diesbezüglich der Realität anpasst, könnte einem womöglich ziemlich schnell der Richtige übern Weg laufen.

Wahrscheinlich musst du ihn anquatschen, höchstwahrscheinlich küsst ihr euch auch nicht das erste Mal im Regen und im Hintergrund läuft Moon-River, aber es kann trotzdem Liebe sein.

Mehr zum Thema: Generation-Y: "Wir haben die Schnauze voll von euren Diagnosen"

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