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Wie ihr euren depressiven Partner am besten unterstützt

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DEPRESSION
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Viele meiner Leser fragen immer wieder, wie sie ihrem depressiven Partner helfen können und wie sie sich in der Beziehung verhalten sollen. Diese Fragen sind leider, wie so viele andere auch, nicht pauschal zu beantworten.

Da jeder von uns anders fühlt, denkt und andere Erfahrungen gemacht hat. Sicher ist, dass es viel Kraft kostet, seinen Partner im Kampf gegen die Depression zu unterstützen. Trotzdem gibt es einige wesentliche Punkte, über die es zu sprechen gilt.

Ich erachte es als sehr wichtig, anfangs ein ausgiebiges Gespräch zu führen. Bei diesem Gespräch gilt es herauszubekommen, was euer Partner in depressiven Phasen braucht und wie er zu seiner jetzigen Situation steht. Sieht er ein, dass er ein Problem hat oder nicht?

Möchte er lieber alleine sein oder braucht er Unterstützung? Ist er lieber für sich, solltet ihr dies respektieren, auch wenn das oft schwer fällt. Trotzdem würde ich in dem Gespräch auf jeden Fall deutlich sagen, dass er sich jederzeit melden kann, wenn ihm danach ist.

Die richtige Unterstützung

Sollte sich der Partner in einer depressiven Phase wieder einmal zurückziehen, lässt man ihn weitgehend in Ruhe. Allerdings würde ich ihm hin und wieder zeigen, dass ich da bin und er auf mich zählen kann.

Ist Unterstützung gewünscht, beispielsweise durch ein Gespräch, ist es auch hier wichtig, keinen Stress auszuüben. Selbstverständlich kann man mal nachhaken, doch man sollte auf keinen Fall bohren. Damit wird häufig nur das Gegenteil erreicht.

Es entsteht mehr Druck, was bei einer Depression oder psychischen Erkrankungen unnötig belastet. Außerdem geht man das Risiko ein, dass der Partner sich vollkommen zurückzieht. Ich weiß, es ist nicht einfach mit uns psychisch kranken Menschen, jedoch sollte immer bedacht werden, dass sich niemand absichtlich so verhält.

Hat er noch nicht wirklich realisiert dass er unter einer Depression leidet, ist die Herangehensweise schon wesentlich schwieriger. Dann kann es gut sein, dass der Partner überhaupt kein Gespräch führen möchte. Nun bleibt einem nichts anderes übrig, als abzuwarten und in depressiven Phasen zu versuchen ihm deutlich zu machen, dass er Hilfe benötigt.

Gerade Männer tun sich häufig schwer damit, Hilfe in Anspruch zu nehmen und sich ihre schwierige Situation, mit den sich immer weiter verstärkenden Problemen, einzugestehen.

Weitere Vorteile eines Gesprächs mit dem depressiven Partner

Durch ein offenes Gespräch werden Missverständnisse vermieden. Erklärt der Partner wie er sich fühlt, dass er abgeschlagen und kraftlos ist, wisst ihr, warum er im Haushalt oder bei anderen Aufgaben nicht hilft. Nicht weil er keine Lust hat, sondern weil er nicht kann.

Genau dasselbe gilt für das Sexualleben. Wenn der Partner keine Lust auf Sex hat, ist unsere Schlussfolgerung häufig, dass er uns unattraktiv findet. Dabei ist dem gar nicht so. Er findet uns attraktiv, ist jedoch viel zu ausgebrannt, weil er zu sehr in seinem Gedankenkarussell gefangen ist. Ich könnte noch wesentlich mehr Beispiele aufzählen, doch ich denke, dass ich die Vorteile und Wichtigkeit eines Gespräches genug betont habe.

Im Folgenden zähle ich euch weitere Punkte auf, die euch bei der Frage "Wie kann ich meinem depressiven Partner helfen?" weiterbringen können.

Sich selbst eine Auszeit gönnen

Ich denke, dies ist ein elementarer Punkt. Es ist wichtig, die eigene körperliche und vor allen emotionale Belastung durch regelmäßige Auszeiten abzumildern und somit das eigene Wohlbefinden zu stärken. Denn es bringt nichts, wenn man selbst komplett ausgebrannt ist, weil man jede freie Minute für den Partner opfert. Dies würde die ohnehin schwierige Beziehung nur noch weiter belasten. Sollte man sich doch überfordert fühlen, kann man selbstverständlich auch Hilfe in anspruch nehmen.

Psychotherapie ist wichtig, jedoch nicht mit dem Partner

Man sollte auf keinen Fall versuchen ein Therapieersatz zu sein. Dies ist unmöglich. Selbstverständlich kann man versuchen den Partner in Gesprächen davon zu überzeugen, dass er eine Psychotherapie macht, doch niemand sollte versuchen seinen depressiven Partner selbst zu therapieren.

Zuhören

Manchmal braucht ein von Depressionen geplagter Mensch einfach nur ein offenes Ohr. Dabei ist es wichtig zuzuhören auf seine Probleme einzugehen und gemeinsam an Lösungsansätzen und Auswegen zu arbeiten. Gerade der Versuch Lösungsansätze zu finden kann sehr schwierig werden. Auch hier ist Geduld gefragt.

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Mit dem Thema Depressionen beschäftigen

Dies gilt für beide Partner. Je mehr man über den Verlauf und die Symptome einer Krankheit weiß, desto besser versteht man die Betroffenen und die Krankheit an sich.

Sport treiben und Hobbys finden

Gemeinsame Hobbys stärken den Zusammenhalt und helfen abzuschalten und auch mal andere Dinge als Traurigkeit und Sorgen zu erleben. Sport sollte eigentlich jeder treiben. Gerade bei depressiven Menschen ist Sport ein ganz wichtiger Faktor auf dem Weg zur Genesung. Zudem haben viele Sportarten den Vorteil, dass man aus dem Haus muss und somit soziale Kontakte knüpft.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf depressiv-leben.

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