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Wie die Grünen die Zirkustradition in Deutschland zerstören

08/10/2015 11:26 CEST | Aktualisiert 26/12/2016 15:58 CET
David A. Walega via Getty Images

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

liebe Freundinnen und Freunde des klassischen Zirkus,

ich möchte Sie mit den folgenden Zeilen auf eine politische Notwendigkeit aufmerksam machen. Hintergrund ist die Entscheidung im Düsseldorfer Rathaus zukünftig keine Zirkusse mit Wildtieren mehr gastieren zu lassen, v. a. aber zwei Statements des grünen Landtagsabgeordneten Martin Sebastian Abel auf seiner Facebook-Seite bzw. seiner Homepage. Mir geht es dabei insbesondere um die Fatalität einer mangelnden Würde, die auch politisches Handeln braucht, im Umgang mit dem Volk, das ein Abgeordneter doch eigentlich vertreten sollte.

Selbstverständlich schuldet er die erste Verantwortung seinem Gewissen und als Repräsentant einer bestimmten politischen Richtung hat er sogar die Pflicht seine Meinung zu verteidigen und das bedeutet in einer Demokratie gerade auch entgegen einer politischen Opposition. Doch das entbindet ihn weder von den verfassungsgegebenen Grundlagen noch von der Verantwortung gegenüber Andersdenkenden, geschweige denn davon unsere Verfassung im Sinne eines Streites um das Wohle aller Menschen mit Leben zu füllen.

Der grüne Landtagsabgeordnete Martin Sebastian Abel unterstellt auf seiner Facebook-Seite den Befürwortern und Vertretern der Wildtierdressur im Zirkus einen rechthaberischen Absolutheitsanspruch und fühlt sich in der Rolle des Diskreditierten, welchem gängige Stereotype zugeschoben würden, wie das Bild vom ahnungslosen und von Lobbyisten instrumentalisierten Politikers. Zuletzt wird den Befürwortern der Wildtierdressur per se die wirtschaftliche Abhängigkeit von Zirkusunternehmen untergeschoben.

Am meisten verweist er jedoch auf massive rechtliche Einschränkungen oder gar Verbote in anderen Ländern und nennt dies eine juristische Weiterentwicklung. Und er ruft auf seiner Homepage dazu auf den Versuch zu unternehmen weitere lokale Wildtierverbote durchzusetzen.

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, was wir bei Herrn Abel zu lesen bekommen, ist nichts anderes als der erste Gehversuch einer fundamentalen Wende in der politischen Kultur dieses Landes, bei der Menschen offensichtlich fortan wieder Angst vor Politikern haben müssen. Das ist der Weg zurück in die Totalität.

Zum Verbotsaufruf

Es ist nicht einzusehen, wie ein Abgeordneter zu Verboten aufrufen kann, die in der Verfassung keinerlei Grundlage haben. Dagegen spricht ja nicht nur die Berufsfreiheit, sondern auch das Vorhandensein so genannter Leitlinien zur Haltung von Tieren im Zirkus und zwar als Konsequenz daraus, dass man Wildtiere in diesem Land in Zirkussen halten und dressieren darf. Das ist also faktisch ein Aufruf zum Rechtsbruch.

Nun hat es in der Geschichte immer wieder Situationen gegeben, wo Menschen gegen geltendes Recht verstoßen haben, um ihrem Gewissen folgen zu können. Man denke nur an jene, die im Nationalsozialismus Widerstand geleistet haben. Es gibt also tatsächlich eine Legitimation dafür u. U. geltendes Recht zu brechen und zwar immer dann, wenn die Menschenwürde in Gefahr ist. Darauf verpflichtet uns das Grundgesetz und nur eben darum ist die Idee, dass wir unsere Gesetze einhalten, auch legitim.

Ich möchte den Nachweis erbringen, dass dem Verhalten des Abgeordneten Abel keine solche Legitimation zukommt.

Der Toleranzmissbrauch

Die Toleranz, so Bundeskanzler a. D. Helmut Schmidt, habe ihre vielleicht einzige Grenze in der etwaigen Intoleranz des anderen. Nach meinem Verständnis von Toleranz ist es doch zumindest geboten Andersdenkende nicht voreilig zu diskreditieren oder gar zu krimininalisieren. Fakt ist jedoch, dass den Düsseldorfer Bürgerinnen und Bürgern fortan das Ansehen des klassischen Zirkus in ihrer Heimatstadt erschwert oder verweigert werden soll und das alles als erster Schritt dahingehend sich die Rechtsgrundlagen im Bund in Zukunft so zu legen, wie es die Ideologie bestimmter Politiker gerade erfordert. Die Tierlehrer und die Befürworter ihrer Kunst werden damit konsequent politisch und juristisch diskriminiert. Warum sich also gerade Herr Abel, als Verfechter der von ihm mitgetragenen politischen Kampagne, in der Rolle des Diskreditierten sieht, ist also weder glaubwürdig noch logisch. Denn es sind ja nicht die Wildtierzirkusbefürworter, welche den Wildtierzirkusgegnern ihre Kulturtradition aufzwingen, sondern es sind die Gegner, welche den anderen etwas verbieten wollen.

Der Gedanke der Toleranz verkommt hier nicht nur zu Political correctness, sondern er wird geradezu instrumentalisiert, um einen bestimmten Teil der Bevölkerung mundtot zu machen. Das ist ein Vorgehen, welches zumindest an Volksverhetzung grenzt. Der Vorwurf des per se finanziell vom Zirkus abhängigen Befürworters unterstellt zudem sämtlichen davon betroffenen Privatpersonen, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sowie sich in Gruppen engagierenden Bürgerinnen und Bürgern ein Verhältnis, dass diese so zum Zirkus überhaupt nicht haben. Ich selbst bin studierter Erziehungswissenschaftler, Buchautor und im Bildungsbereich beschäftigt und habe keinerlei finanziellen Vorteil von meinem Engagement. Dieses ist ausschließlich ideeller und intellektueller Natur. Ich könnte viele weitere Personen nennen, auf welche dies ebenfalls zutrifft. Und ich verbitte mir derart anmaßende Äußerungen.

Solche Kommentare sind aber auch darum nicht haltbar, weil wir es im Falle des traditionellen Zirkus ja keineswegs mit einem bedeutenden Wirtschaftszweig, sondern vielmehr mit einer bedrohten Kulturform zu tun haben, die in Deutschland zudem keinerlei staatliche Unterstützung erhält.

Das Koppeln eines allgemein zutreffenden Finanzinteresses mit einer bestimmten Kulturform, welche immer wieder in der Geschichte mit Vorurteilen zu kämpfen gehabt hat, erinnert doch stark an das Feindbild vom Finanzjuden.

Und in der Tat sind uns als Aktionsbündnis schon Bilder untergekommen, wo Zirkusdirektoren mit Hakennase dargestellt worden sind. Der Hass auf den Tierzirkus, er ist so spießbürgerlich wie weite Teile der heutigen politischen Landschaft. Dazu gehören Vorurteile gegenüber fahrendem Volk ebenso wie gegenüber der Qualität der Tierhaltung, übrigens von dem namenhaften Wissenschaftler Heini Hediger, aber auch weiteren Zoologen, in jeglicher Hinsicht widerlegt. Und wer sich beispielsweise die Darbietungen von Martin Lacey jr. ansieht, der wird nicht leugnen können, dass sich seine Katzen keineswegs zum Affen machen.

Ich frage mich allen Ernstes, wohin dieser politische Weg führen soll. Was ist, wenn der klassische Zirkus einmal tatsächlich verboten würde oder auch die letzten beiden Delphinarien in deutschen Zoos? Denn auf die Delphinarien haben Sie, Herr Abel, es ja bekanntlich auch abgesehen. Mache ich mich als Deutscher dann strafbar, wenn ich im Ausland ein Delphinarium oder einen Zirkus mit Tieren besuche? Wären dann all jene, welche in diesen Institutionen arbeiten oder diese besuchen, plötzlich Kriminelle, wenn sie einfach weitermachten? Müsste ich, wenn ich mit meiner Arbeit als Autor und Mitglied des Aktionsbündnisses fortfahre, dann Repressionen auf dem Arbeitsmarkt und in der Gesellschaft ertragen, weil ich für etwas eintrete, was dann verboten wäre?

Wenn Fortschritt zu humanistischem Rückschritt wird

Dies als Fortschritt zu bezeichnen, es ist zynisch und es ist dumm. Man kann auch nicht menschenverachtende Diktaturen rechtfertigen, nur weil sie zu einem bestimmten Zeitpunkt in weiten Teilen der Welt eine Selbstverständlichkeit gewesen sind. Politisches Handeln in einem demokratischen Rechtsstaat hat die Frage nach ethisch legitimen Prinzipien zu stellen und die Mehrheiten haben sich im Rahmen dieser zu begründenden Prinzipien zu bewegen, auch wenn die Mehrzahl der Staaten in der Welt einem anderen Weg folgen sollte.

Herr Abel, ich werde mich Ihrem Druck nicht beugen. Ich werde Widerstand leisten und mich mit Gleichgesinnten organisieren. Der Begründer der evangelischen Circus- und Schausteller-Seelsorge, Pfarrer Martin Schaaff, er war Mitglied der Bekennenden Kirche in der Nazizeit. Und die verstorbene Gattin des genannten Alt-Bundeskanzlers, übrigens eine passionierte Naturschützerin, hatte einst im Duisburger Walarium mit den dortigen Commerson-Delphinen die Begegnung gesucht. Es sind Menschen, wie die beiden genannten Personen, die vorgelebt haben, was Politikern, wie Ihnen, an Würde in Ihrem Handeln fehlt. Und niemand anderes als die Nazis haben es besser verstanden aus Tierliebe Menschenhass zu machen.

So lange ich eine Hoffnung darauf habe, in diesem Land etwas von dem zu retten, worauf sich dieser Staat einmal gegründet hat, werde ich hier bleiben und ich werde unbequem sein. Aber ich werde auch keine Minute vergeuden einem Staat länger anzugehören, der sich erst in neue Endlösungen stürzen muss, bevor etwas Neues und v. a. Menschlicheres entstehen kann. Herr Abel, sie tun mir leid. Und ich rufe die Menschen in diesem Land auf sich gegen Hetzkampagnen, wie die Ihrige, mit aller dazu erforderlichen Vehemenz zur Wehr zu setzen.

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