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Die Doppelmoral der Hetze gegen den Tierzirkus

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Sehr geehrte Damen und Herren,

eine Programmankündigung der WDR-Sendung "Westpol", zur Wildtierhaltung im Zirkus, hat mich dazu veranlasst den folgenden Artikel zu verfassen:

Die Dauerhetze gegen den Zirkus mit Tieren hat kein Ende und verliert sich in einer unsäglichen Doppelmoral

Eigentlich wollte die WDR-Sendung "Westpol" am 18. Oktober die Diskussion um ein Wildtierverbot erneut anheizen. In einer Pressemeldung vom 16.10. ist zu der Sendung auf Presseportal.de zu lesen: "Seit Jahren versucht die Politik, Wildtiere im Zirkus zu verbieten. Doch bislang scheitert dies am Widerstand der CDU im Bund. Viele Städte in NRW vermieten darum ihre Plätze nicht mehr an den Zirkus. Tierschützer und Zoologen kritisieren die laschen Regeln und fordern ein Wildtierverbot." Doch dann ist der Beitrag plötzlich entfallen. Es ist anzunehmen, dass die aktuelle Debatte um die von einem Rechtsradikalen attackierte und schwer verletzte Politikerin Henriette Reker zu einer Programm-änderung geführt hat.

Programmänderungen dieser Art sind nicht ungewöhnlich und der Vorfall ist ja auch ein dramatischer Dolchstoß in das Herz unseres demokratischen Rechtsstaates. Aber es ist zynisch, wenn auf der einen Seite extremistische Gewaltverbrechen schockieren und auf der anderen Seite mit boulevard-journalistischer Motivation in anderen Gefilden Hass gesät wird. Der Vorwurf in der Programmankündigung entstellt nicht nur die Meinung vieler Fachleute, sondern auch die tatsächlichen Realitäten in den Zirkussen selbst sowie auf der juristischen Ebene. Denn es wird wahrscheinlich keine Tierhaltung so oft kontrolliert wie die im Zirkus. Und jeder Kenner der Wildtierhaltung in Zirkus und Zoo weiß um den fundamentalistischen Hintergrund einer immer mehr zum Menschenhass verkommenden Tierschutzdiskussion. Da können sich Unternehmen, wie Krone, oder der Tierlehrer Christian Walliser noch so sehr um ihre Tiere bemühen. Deren vorbildliche Tierhaltung interessiert faktisch nicht. Sie sollen für eine menschenverachtende Ideologie an die Wand gefahren werden und das um jeden Preis.


Der letzte Brandanschlag auf einen kleinen Familienzirkus ist gerade einmal einen guten Monat her. Dazu hat die Redaktion von Westpol sicherlich nicht aufgerufen. Aber man könnte auch nicht fremdenfeindliche Ideologien verbreiten und beim ersten Brand im Asylbewerberheim dann die Hände in Unschuld waschen. Wer beim öffentlich-rechtlichen Fernsehen arbeitet, der hat auch eine besondere Verantwortung. Diese sollte nicht nur für Themen gelten, wo man ansonsten Gefahr läuft an den Pranger gestellt zu werden. Das gebietet eigentlich die Menschlichkeit, aber v. a. der Aufklärungsanspruch der öffentlich-rechtlichen Medien.

Geschrieben von:
Dennis Wilhelm
Erziehungswissenschaftler und Pädagoge aus Frankfurt am Main
www.denniswilhelm wildtierdressur.de

Dennis Wilhelm ist Mitglied im Aktionsbündnis "Tiere gehören zum Circus".

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