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Crowdfunding hat durch den transparenten Gründungsprozess das Potenzial für eine neue Gründerzeit

13/09/2015 19:44 CEST | Aktualisiert 13/09/2016 11:12 CEST

In dem Thema Crowdfunding schlummert das Potenzial für eine neue Gründer- und Innovationskultur. Während in der analogen Welt der Gründungsprozess noch abgeschottet von der Öffentlichkeit stattfand, haben wir durch die wachsende digitale Vernetzung beim Crowdfunding die Chance, Ideen nicht nur schnell und kostengünstig mit vielen Menschen zu teilen, sondern auch direkt zu finanzieren.

Wir demokratisieren damit den Zugriff und die Verteilung von Kapital. Der Gründungsprozess findet beim Crowdfunding transparent im Netz statt, wodurch wir weitere Menschen zur Umsetzung eigener Ideen inspirieren können. Durch die Einbindung vieler Menschen in diesen Prozess hat Unternehmertum die Chance, wieder als das wahrgenommen zu werden, was es eigentlich sein sollte: die Umsetzung von Ideen zum Wohle unserer Gesellschaft - oder zumindest für die relevante Zielgruppe.

Crowdfunding überträgt die Effizienzsteigerung der Digitalisierung auf den Gründungsprozess

Viele Branchen wurden durch die Digitalisierung bereits völlig auf den Kopf gestellt. Durch Crowdfunding lässt sich die Effizienzsteigerung der Digitalisierung auf den Gründungsprozess übertragen. Insgesamt wird das Potenzial von reward-based Crowdfunding für die Gründungsförderung oft noch unterschätzt, dabei liegen die Vorteile auf der Hand:

Kombination von Marketing und Finanzierung: Beim Crowdfunding präsentiert ein Gründer seine Idee bereits vorab dem potenziellen Kundenkreis. Findet er über diesen Weg genügend Unterstützer, hat er neben der Finanzierung auch gleich einen ersten Kundenstamm gewonnen. Es entscheidet also nicht mehr ein Geldgeber außerhalb der Zielgruppe, ob eine Idee umgesetzt wird, sondern die Menschen, die für deren langfristigen Erfolg verantwortlich sind: die Kunden und Fans.

Markttest: Durch das Alles-oder-Nichts-Prinzip des Crowdfundings wird ein realer Markttest direkt mit dem Gründungsprozess verknüpft. Das Geld fließt nur, wenn genügend Unterstützer zum Erreichen des Fundingziels gewonnen werden. Im Vergleich zum analogen Gründungsprozess können Gründer hier erstmals "erfolgreich Scheitern": Eine mangelnde Kundenakzeptanz führt nicht mehr zum Verlust der Ersparnisse oder gar in die Privatinsolvenz.

Die Instrumente zur Gründungsförderung hängen im analogen Zeitalter fest

Laut einer Studie der Cambridge Universität wurden crowd-basierte-Finanzinstrumente in Deutschland im Jahr 2014 mit durchschnittlich 1,70 Euro pro Einwohner genutzt. Die Zahl in Frankreich liegt bei 2,40 Euro und Großbritannien sogar bei 36,00 Euro. Selbst in Estland ist die Crowd mit 16,70 Euro pro Einwohner fast zehn mal so aktiv wie in Deutschland. In anderen Ländern hebt das Thema ab wie eine Rakete, unter anderem auch weil die Politik Crowdfunding als Gründungsförderung aktiv begrüßt und zum Beispiel mit Kofinanzierungsmaßahmen unterstützt.

Während unsere Bundesregierung keine Möglichkeit auslässt, zu betonen, wie wichtig die Digitalisierung für die Zukunftsfähigkeit unseres Standortes ist, stecken deren Instrumente zur Gründungsförderung weiter im analogen Zeitalter fest. Bereits im Dezember 2013 wurde im Koalitionsvertrag unserer Bundesregierung eine zukunftsorientierte Weiterentwicklung der Gründungsförderung durch eine Kombination von Crowdfunding mit öffentlichen Förderprogrammen angeregt:

"Wir wollen bewährte Instrumente der Gründerunterstützung in Zusammenarbeit mit der KfW weiterentwickeln. Die Gewährung der Instrumente kann dabei an die Nutzung von Crowdfunding (Schwarmfinanzierung) geknüpft werden." Konkrete Maßnahmen der Bundesregierung konnten wir bisher noch nicht entdecken, obwohl die Koppelung klassischer Föerderinstrumente an das Crowdfunding viele Vorteile für alle Seiten hat.

Wenn wir bei dem Thema den Anschluss nicht verlieren wollen, sollten wir anfangen die Chancen von Crowdfunding für unsere Gründerkultur noch besser zu nutzen und Vorreiter zu sein!

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Denis Bartelt, CEO und Mitbegründer von Startnext und Markus Sauerhammer, Leitung Kooperationen Startnext

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