BLOG

Eine offene Plattform für kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

David-Leon Rosengart  Headshot

Ich habe als erster in meiner Familie studiert - jetzt möchte ich ein Vorbild für alle Arbeiterkinder sein

Veröffentlicht: Aktualisiert:
COLLEGE CLASS
skynesher via Getty Images
Drucken

In meinem näheren Familienumfeld war ich der erste, der sein Abitur gemacht hat.

Meine Mutter ist Verwaltungsfachangestellte - was mein Vater heute macht, weiß ich nicht. Zuletzt war er in der Baubranche tätig.

Schon seit ich denken kann, bin ich fest entschlossen, als erster in meiner Familie zu studieren. Das Wissen, dass es Arbeiterkinder trotz Abitur oft nicht an die Uni schaffen - oder sich nicht trauen - hat mich motiviert.

Meine alleinerziehende Mutter hat mich immer darin bestärkt. Doch leicht war es trotzdem nicht.

An der renommierten Universität Bremen studierte ich Politik - und Rechtswissenschaft. Zuerst auf Bachelor - dann auf Master. Die Zeit war anstrengend, aber lehrreich.

Es war schwierig, mein Studium zu finanzieren

Für mich lagen die anfänglichen Schwierigkeiten vor allem darin, mein Studium zu finanzieren. Gerade wenn es um die komplizierten Unterhaltsstreitigkeiten meiner Eltern ging, war das Bafög-Verfahren teils sehr träge und kompliziert.

Nur mit viel Durchhaltevermögen und Eigenmotivation habe ich letztendlich alles so hinbekommen, wie ich es wollte. Ich habe neben dem Studium gejobbt, hin und wieder kleine Finanzspritzen meiner Familie bekommen und am Ende sogar ein Stipendium.

Mehr zum Thema: 11 Arbeiterkinder erzählen, wieso ihr Weg zum Studienabschluss so hart war

Neben dem Studium habe ich einige Praktika absolviert und im Journalismus und an der Hochschule gearbeitet. Eine Doppelbelastung, die eine enorme Herausforderung darstellte.

Doch heute kann ich die Früchte meiner Arbeit ernten: Ich bin belastbar und flexibel - Eigenschaften, die jeder Arbeitgeber gerne sieht. Und ich habe hart für meine Ziele und Erfolge geschuftet.

Heute bin ich sehr stolz auf mich.

2017-07-23-1500833626-3203653-DerHuffPostWhatsAppNewsletter6.png
Die wichtigsten News des Tages direkt aufs Handy - meldet euch hier an.

Ich will junge Menschen mit meinem Lebensweg inspirieren. Ich will sie ermutigen, den Weg an die Unis einzuschlagen und ihr Leben so zu gestalten, wie sie es sich wünschen. Deshalb engagiere ich mich für die bundesweite Initiative Arbeiterkind.de.

Dort halten wir Schulvorträge und Stammtische, stehen für Beratung zur Verfügung und besuchen Messen.

Ich will Arbeiterkindern zeigen, dass sie einen anderen Weg gehen können

Arbeiterkinder haben oft Angst vor dem Studium - und die müssen wir ihnen nehmen. Wir erklären ihnen, warum sie studieren sollten, welche Möglichkeiten sie haben und wie sie ihr Studium finanzieren können.

Das Wichtigste an unserer Arbeit ist jedoch, mit den Vorurteilen aufzuräumen. "Schaffst du das denn überhaupt?" "Lohnt sich das an der Uni überhaupt für dich?" Das sind Fragen, die Arbeiterkinder wohl oft aus dem Familienkreis zu hören bekommen.

Mehr zum Thema: Es ist Irrsinn, dass Kinder mit zehn Jahren gezwungen werden, über ihre Zukunft zu entscheiden

Ihnen will ich zeigen, dass sie einen anderen Weg gehen können als ihre Familie. Dass sie alles erreichen können, was sie wollen. Und dass die Universität zu schaffen ist - auch wenn man hart dafür arbeiten muss.

Denn ich weiß aus Erfahrung: Es gibt immer einen Weg - auch für Arbeiterkinder.

____

Lesenswert:

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2017-03-08-1488965563-6721107-iStock482232067.jpg

Ihr habt auch ein spannendes Thema?
Die HuffPost ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blog-Team unter blog@huffingtonpost.de.

googletag.pubads().setTargeting('[cnd=cld]').display('/7646/mobile_smart_us', [300, 251],'wxwidget-ad');