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Ich führe die krasseste Fernbeziehung Deutschlands

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Mein Name ist Davide. Ich bin 28 Jahre alt, wohne momentan bei meinen Eltern in Süddeutschland und absolviere bis zum Sommer den Bundesfreiwilligendienst. Danach gibt es für mich nur noch ein Ziel: Endlich meine Freundin in die Arme schließen. Sie heißt Raky, ist 26 Jahre alt, kommt von den Philippinen und ist transsexuell.

Wir haben uns noch nie getroffen - aber ich weiß genau, dass ich in ihr meine Seelenverwandte gefunden habe.

Kennengelernt haben wir uns über ein spezielles Online-Dating-Portal. Ich habe mir dort einen Premium-Account zugelegt, obwohl ich eigentlich nie Geld für Online-Dating ausgeben wollte. Aber irgendwie war ich überzeugt davon, dass ich dort mein Glück finden würde. Und so war es auch.

Vor Raky hatte ich lediglich eine einzige andere Beziehung. Mit einer Frau.

Die war auch schön, keine Frage. Aber erst jetzt ist für mich das magische Dreieck der Liebe komplett: Affektivität, Sexualität und das Gefühl, einen Seelenverwandten getroffen zu haben. Das ist einfach unbezahlbar!

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Unsere Beziehung ist nicht immer leicht. Es hat mich viel Überwindung gekostet und lange Zeit gedauert, bis ich mich outen konnte. Und dazu stehen konnte, dass ich mich für transsexuelle Frauen interessiere. Ich habe das lange verschwiegen und tue mich immer noch schwer, offen darüber zu sprechen.

Auch in meinem Umfeld ist es nicht leicht, zu meiner Beziehung zu stehen

Meine Freunde freuen sich alle sehr für mich und unterstützen mich. Ich bekomme viel Zuspruch und Bewunderung für meinen Mut.

Aber eben nicht von jedem.

Meine Familie sieht das anders. Die erste Reaktion meiner Eltern war die Hölle. Sie wollten meine Beziehung nicht akzeptieren. Diese Zurückweisung habe ich nicht verkraftet und bin deswegen auch in psychiatrischer Behandlung.

Es schmerzt wirklich sehr, dass ausgerechnet die wichtigsten Personen in meinem Leben mein Glück nicht akzeptieren können.

Aber ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass sie mich irgendwann verstehen und meine Entscheidung respektieren werden.

Unsere Beziehung gleicht einer Achterbahnfahrt der Gefühle

Während wir fast täglich mit schwierigen Reaktionen zu kämpfen haben, ist unsere Liebe zueinander wundervoll. Wir geben uns gegenseitig viel Halt und Unterstützung.

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Wir lieben uns gegenseitig bedingungslos, versuchen einander nicht zu ändern und die Macken des anderen zu akzeptieren. Das macht wahre Liebe aus!

Davor, dass uns tausende von Kilometer trennen, hatte ich anfangs große Angst. Ich dachte, das geht nicht.

Aber es funktioniert - und es ist wunderschön! Wir skypen jeden Tag, manchmal mehrere Stunden. Dann ist es beinahe so, als würden wir uns treffen. So teilen wir alles miteinander, haben keine Geheimnisse und können auch so Nähe und Geborgenheit zueinander aufbauen.

Ich habe meine sexuelle Orientierung viele Jahre verschwiegen

Weil ich Angst davor hatte, sozial geächtet zu werden, habe ich meine sexuelle Orientierung viele Jahre verschwiegen. Genau das ist der Grund, warum Raky und ich unsere Beziehung jetzt so offen ausleben - auch auf Facebook. Dort verlinken wir uns ständig auf romantischen Sprüchen, posten Fotos des anderen und schreiben uns Liebesgeständnisse auf die Pinnwand.

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Ich will der Welt zeigen, dass ich jetzt endlich glücklich bin und mein Glück auch mit anderen teilen möchte. Außerdem wollen wir ein Vorbild für andere Paare sein und helfen, Vorurteile abzubauen.

Ich will euch allen sagen: Liebe ist etwas Kostbares. Vielleicht das Kostbarste auf der Welt. Jeder, der sie gefunden hat, sollte sie mit allen Mitteln halten wollen. Und vor allem: Respektiert die Liebe anderer. Das Wichtigste ist, dass der Einzelne glücklich ist und niemand sollte jemanden dafür verurteilen, wen er wie warum und wo liebt.

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Oft schauen wir auf gesellschaftliche Entwicklungen nur aus einer abstrakten Perspektive: Experten sprechen über Probleme anhand von Studien. Politiker loben, was gut läuft, anhand von grauen Statistiken - all das hat mit dem Alltag der Menschen, die von diesen Entwicklungen betroffen sind oder sie prägen, oft wenig zu tun.

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