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Judenhass: "Der Papst sollte um Vergebung bitten"

08/02/2016 16:14 CET | Aktualisiert 08/02/2017 11:12 CET
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Vatikantisemitismus

«Luther war ein Riese, er sah den Juden, wie wir ihn erst heute zu sehen beginnen.» So beschreibt Adolf Hitler sein Idol, den evangelischen Reformator Martin Luther, in einem Gespräch mit seinem Mentor Dietrich Eckart. So immens war Hitlers Bewunderung für Luther, dass die Nazis Luthers zahlreiche Dekrete gegen die Juden mit deutscher Gründlichkeit, rückhaltloser Unterstützung der christlichen Kirchen und der tatkräftigen Hilfe gütiger Christenmenschen umsetzten. «Ich tue nur, was die Kirche seit fünfzehnhundert Jahren tut, allerdings gründlicher» («Mein Kampf»).

Die Reichskristallnacht (Man soll ihre Synagogen oder Schulen mit Feuer anstecken und was nicht verbrennen will mit Erde überhäufen), die Ghettos (dass man ihre Häuser zerbreche und zerstöre, dafür mag man sie unter ein Dach oder einen Stall tun), die Ent­eignung (dass man nehme ihnen alle Barschaft und Kleinod), die Konzentrationslager (dass man den Juden und Jüdinnen in die Hand gebe Flegel, Axt, Spaten und lasse sie ihr Brot verdienen im Schweiß der Nasen), die Endlösung (Summa: dass wir alle der teuflischen Last der Juden entladen werden), alles festgehalten in Luthers Pamphlet «Von den Juden und ihren Lügen».

Hitler, Befürworter der Ökumene

Doch auch die Katholiken standen ihren protestantischen Glaubensbrüdern und -schwestern in nichts nach. Auf die Frage, warum der Vatikan nicht gegen die systematische Vernichtung der europäischen Juden protestiert, antwortete Papst Pius XII.: «In den deutschen Heeren sind Millionen von Katholiken. Soll ich sie in Gewissenskonflikte bringen?» SS-Obersturmbannführer Adolf Eichmann, der Architekt der «Endlösung der Judenfrage», erinnert sich «in tiefer Dankbarkeit an die Hilfe katholischer Priester bei meiner Flucht aus Europa».

Katholik Hitler, der das Christentum als «jüdischen Christenglauben mit weichlicher Mitleidsmoral» verachtete und nach dem «Endsieg» zugunsten eines Germanenkults ebenso vernichtet hätte wie das «jüdische Nattern- und Otterngezücht», war ein Befürworter der Ökumene, der Vereinigung des Katholizismus und Protestantismus, die seit jeher einen «gemeinsamen gewaltigen Kampf gegen den Zerstörer der arischen Menschheit führte» («Mein Kampf»).

Kinder des Teufels

Im Neuen Testament sind die Juden Jesusmörder und «Kinder des Teufels» (Johannes-Evangelium). Die Nazi­Zeitung Der Stürmer zitiert diese christliche Verleumdung eines Bunds der Juden mit dem Teufel auf dem Titelblatt vom Dezember 1938. Sie «gefallen Gott nicht und sind allen Menschen Feind, aber der Zorn Gottes ist schon in vollem Maß über sie gekommen» (Gemeindebrief Paulus von Tarsus). Bis heute wird in der Karfreitagsfürbitte des Vatikans für die «Erleuchtung» der Juden gebetet. Nach wie vor sehen viele Christen im Holocaust die gerechte Strafe der Juden für den Mord an Gottes Sohn.

Mit der These des «Gottesmords» (Deizid) befindet sich das Christentum zudem in der historisch einzigartigen Position, eine andere Religion des Mordes am eigenen Gott zu beschuldigen.

Nun könnte man annehmen, dass die Kirche, nach allen begangenen Verbrechen am jüdischen Volk, Israel gegenüber eine empathische Haltung einnimmt. Stattdessen begegnen unzählige Christen weltweit dem einzigen Land, in dem die Nachkommen derer in Sicherheit leben können, die seit Jahrtausenden von Christen verfolgt, entrechtet, beraubt und ermordet wurden, mit unverhohlener Feindseligkeit.

Dies, obwohl Israel das einzige Land im Nahen Osten ist, in dem die christliche Bevölkerung zunimmt, während Christen in der arabischen Welt sowie im palästinensischen Gazastreifen und der Westbank verfolgt, vertrieben und umgebracht werden.

Hilfswerke an vorderster Front

Kürzlich hat die United Church of Christ (UCC), eine der größten protestantischen Denominationen der Vereinigten Staaten, in bester neutestamentarisch-antijüdischer Tradition und mit überwältigender Mehrheit einem Israel-Boykott zugestimmt. Damit folgt die UCC dem Beispiel der Presbyterian Church USA (PCUSA), die letztes Jahr eine entsprechende Resolution verabschiedete. Das Wort «Israel» aus sämtlichen Gebeten und Texten der PCUSA zu streichen, wurde dabei knapp abgelehnt.

Wenn immer es darum geht, Israel zu verurteilen, zu verleumden oder zu boykottieren, sind christliche Organisationen wie das Hilfswerk der evangelischen Kirchen Schweiz (Heks), das Ökumenische Begleitprogramm in Palästina und Israel (EAPPI), der Schweizerische Evangelische Kirchenbund (SEK), der Lutherische Weltbund (LWB), Oekumene Mission Entwicklung (OEME), die internationale katholische «Friedensbewegung» Pax Christi oder der Ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK) an vorderster Front.

Diese Organisationen befürworten außerdem weitgehend das «Kairos Palästina Dokument» (KPD), das Israels Staatsgründung als Katastrophe (Nakba) und die einzige pluralistische Demokratie im Nahen Osten als «Apartheidstaat» bezeichnet, zum Israel-Boykott aufruft und die «Substitutionstheologie» propagiert, die das «Heil» der Juden einzig in der Taufe, also der Aufgabe des Judentums sieht.

Der aktuelle Bericht von NGO Monitor mit dem Titel «BDS (Boykott, Desinvestment, Sanktionen gegen Israel) in den Kirchenbänken» nennt zahlreiche christlich-antiisraelische Gruppierungen, wie Christian Aid, Sabeel, Trócaire, Dan Church Aid oder War on Want, deren Ziel es ist, Israel politisch, wirtschaftlich und kulturell zu isolieren.

Gerade zur Weihnachtszeit werden mit diffamierenden Feiertagskarten oder umgedeuteten Krippenszenen christliche Inhalte für politische Botschaften gegen Israel missbraucht. Sogar Weihnachtslieder wie «Jingle Bells» werden neu getextet: «Statt shoppen, Apartheid stoppen» («The Boycott Leviev Holiday Songbook»).

Heks

In der Schweiz ist bei antiisraelischer Agitation das Heks federführend. Neben dem Boykott-Aufruf von israelischen Produkten, unterstützt das Heks unter anderem die radikal antiisraelische Nicht-Regierungsorganisation (NGO) Zochrot, welche Israel das Existenzrecht abspricht und mit ihrer «Ein-Staat-Lösung» auf die Auslöschung des jüdischen Staats hinarbeitet.

Die deutsche Bundesstiftung «Erinnerung, Verantwortung und Zukunft» (EVZ) beendete 2012 die Zusammenarbeit mit Zochrot aufgrund von deren politischer Agenda. Gemäß der Organisation NGO-Monitor alimentierte hingegen das Heks «Zochrot» 2012/2013 mit 90 150 Franken.

Über das «Open Forum für Konflikttransformation» finanziert das Heks auch die palästinensische NGO Badil, die Israel als «kolonialistisches, rassistisches Gebilde» bezeichnet und auf ihrer Website einen Preis für antisemitische Karikaturen ausgelobt hat. Badil unterzeichnete die Stellungnahme der «Globalen Koalition für das Rückkehrrecht der Palästinenser», die mit den Worten endet: «Lang lebe die Intifada (gewaltsamer palästinensischer Aufstand), ewiger Ruhm für unsere frommen Märtyrer.»

Obwohl die Inhalte der offiziellen Schweizer Haltung widersprechen, verwendete das Heks 2014 insgesamt 725 000 Franken Steuer- und Spendengelder für Projekte von NGOs mit israelfeindlicher politischer Agenda.

Abwegig ist die Marschrichtung nicht. Waren es doch missionierende arabische Christen, die 1869 erstmals europäische antisemitische Traktate, wie die gefälschte antisemitische Hetzschrift «Die Protokolle der Weisen von Zion», ins Arabische übersetzten und damit den Muslimen im Nahen Osten die Juden als Großkapitalisten, Umstürzler und Verschwörer mit dem Ziel der Weltherrschaft präsentierten.

Fehler nur bedingt eingestanden

Konkrete Fehler, Versäumnisse oder Verbrechen während des Holocaust hat die Kirche nur bedingt eingestanden. Eine Wiedergutmachung, Entschuldigung oder ernst zu nehmende Schuldanerkennung blieb bis heute aus.

Ganz im Gegenteil: Mit den Palästinensern unterstützen christliche Kirchen - nach dem verhängnisvollen Schulterschluss mit den Nazis - erneut eine Bevölkerungsgruppe, deren erklärtes Ziel gemäß Fatah-Präsident Mahmoud Abbas ein «judenreiner» palästinensischer Staat ist und für die Hamas nichts weniger als die Vernichtung aller Juden.

1803 wurden im Rahmen der Säkularisierung die «geistlichen Fürsten­tümer» in Deutschland aufgelöst. Die damaligen Fürstbischöfe erhielten dafür eine Entschädigung, obwohl diese Fürstentümer «Reichslehen» waren, kein Eigentum der Kirche. Diese Entschädigung, die sogenannte «Dotation», wird seitdem - also seit 211 Jahren - ununterbrochen bezahlt.

2013 waren es 481 Millionen Euro, alles in allem bezahlte die Bundesrepublik Deutschland seit deren Bestehen über 15 Milliarden Euro an die katholische und evangelische Kirche. Als «faire Ablösung» der Gesamtschuld, schlugen die Großkirchen 2013 den Betrag von rund 120 Milliarden Euro vor.

Wie hoch wäre wohl eine «faire Ablösung» für die Jahrtausende der Verleumdung, Verfolgung, Enteignung und Ermordung von Juden durch die Kirche?

Vergebung

Dabei übersehen die christlichen Eiferer, was statt ihren antiisraelischen und antisemitischen Agitationen tatsächlich angebracht wäre: Eine ernst zu nehmende Entschuldigung der Kirche dafür, was Christen den Juden über Jahrtausende hinweg angetan haben.

Doch ausgerechnet die Exponenten der Religion der Empathie und Nächstenliebe, deren jüdische Galionsfigur Jesus einst die andere Wange hinhalten wollte, bekunden größte Mühe mit dem Kernthema und erklärten Unterscheidungsmerkmal des Christentums gegenüber den anderen monotheistischen Weltreligionen: der Vergebung.

Im Judentum existiert keine Vergebung im Namen eines Anderen, da nur der Geschädigte selbst vergeben kann. Im Christentum hingegen ist jede Sünde ein Vergehen gegen Gott und kann von ihm stellvertretend vergeben werden. So kann von jüdischer Seite den Christen zwar keine Vergebung gewährt werden, da ihre Opfer nicht mehr leben. Durch Gottes Vergebung würde jedoch eine Versöhnung zumindest in den Bereich des Möglichen rücken.

Palästina

Auch Papst Franziskus ist fünfzig Jahre nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil («Nostra Aetate») weit davon entfernt, sich mit der christlichen Schuld gegenüber den Juden angemessen auseinander zu setzen.

Stattdessen beeilt sich der heilige Vater im Namen der katholischen Kirche und deren antijüdischer Tradition, mit «Palästina» einen «Staat» anzuerkennen, zu dem auch die terroristische Hamas gehört, die in ihrer Charta unverhohlen die Vernichtung der Juden propagiert.

Ob diese Anerkennung auch den mörderischen palästinensischen Al Quassam Brigaden gilt oder den unzähligen palästinensischen Attentätern, die zurzeit wahllos israelische Zivilisten umbringen und dafür von der Hamas, wie auch der «gemäßigten» Fatah mit Geld (unter anderem aus Deutschland) und Ehren überhäuft werden, blieb offen.

Im theokratisch regierten Gazastreifen sind Ehrenmorde, Steinigungen von Frauen, Lynchmorde an politischen Gegnern, vermeintlichen Israel-Kollaborateuren aber auch Homosexuellen an der Tagesordnung. Gemäß einem Bericht der Menschenrechtsorganisation «Human Rights Watch» werden jedoch auch von der Fatah, die als politische Rivalin der Hamas die West Bank kontrolliert, die Rechte der Zivilbevölkerung systematisch verletzt. Menschen werden willkürlich inhaftiert, gefoltert, ohne Rechtsbeistand abgeurteilt, in Isolierhaft gehalten und ohne Prozess hingerichtet.

Ob der Vatikan wohl das meinte, als er trompetete, die «Voraussetzungen» für eine Anerkennung von «Palästina» durch den Vatikan seien «erfüllt»?

Engel des Friedens

Der millionenschwere Holocaustleugner und aufgrund fehlender Wahlen seit sechs Jahren demokratisch nicht mehr legitimierte Fatah-Präsident Mahmoud Abbas, gab 2013 vor ägyptischen Journalisten bekannt, in einem zukünftigen Apartheidstaat «Palästina» keinen Israeli zu dulden, «weder Zivilisten, noch Soldaten».

Am 16. September 2015 stachelte Abbas am palästinensischen Fernsehen Palästinenser auf, wahllos jüdische Zivilisten umzubringen. Morde, von denen er bis dato nicht einen einzigen verurteilte: «Die Al-Aksa Moschee gehört uns. Die Israelis haben kein Recht, unsere heiligen Stätten mit ihren schmutzigen Füssen zu entweihen.

Jeder Tropfen Blut, der in Jerusalem verschüttet wurde, ist reines Blut, solange es für die Sache Allahs war. Alle Märtyrer werden in den Himmel kommen, und jeder Verletzte wird belohnt werden, so Allah es will. Wir werden alles tun, um Jerusalem zu verteidigen».

Ob es derartige Verlautbarungen sind, die Abbas als «Engel des Friedens» qualifizieren, als welchen ihn der Pontifex Maximus in eklatanter Verkennung der Fakten schönredete?

Falsche Freunde

Im Vorfeld der Anerkennung eines Staates, der Palästina «vom Jordan bis zum Meer» von Juden säubern will, traf Franziskus den aktuellen palästinensischen Mufti von Jerusalem, Mohammed Husseini, einen bekennenden Judenhasser, der in einem auf Youtube dokumentierten Video 2012 öffentlich zum Judenmord als «muslimische Pflicht» aufrief.

Begründet hatte er dies mit der Hadith Sahih al-Bukhari: «Der Prophet sagte, dass die Stunde nicht kommen wird, bis die Muslime die Juden bekämpfen und umbringen; bis der Jude sich hinter dem Stein und Baum versteckt und der Stein und der Baum sagen wird: Oh, du Muslim, oh, du Diener Allahs, dies ist ein Jude, der sich hinter mir versteckt, komm und bring ihn um».

Angekündigt wurde Hussein mit den Worten: «Seine (Husseins) Worte sind nötig, weil unser Kampf gegen die Affen und Schweine (Juden) ein religiöser Glaubenskrieg ist!» Die Empörung nach seiner Hetzrede vom 09.01.2012 in Jerusalem, quittierte der Scheich mit der Bemerkung, er hätte «lediglich den Koran zitiert». Im Koran werden die Juden als Affen und Schweine (Koranwunder) bezeichnet, die es zu töten gilt, da der «jüngste Tag» für Muslime erst kommen wird, wenn die Juden besiegt sind.

Am 26.01.2016, einen Tag vor dem internationalen Holocaust-Gedenktag, traf sich der Papst «in herzlicher Atmosphäre» mit dem iranischen Präsidenten Rohani, dessen «gemäßigten Kurs» der Papst bereits mehrfach gewürdigt hatte. Seit langem gibt es regelmäßige Treffen zwischen vatikanischen Vertretern und führenden iranisch-schiitischen Theologen, während denen auch die «gemeinsamen spirituellen Werte» zur Sprache kommen.

Ob damit wohl die über 1000 Menschen gemeint sind, die der Iran gemäß Amnesty International 2015 hinrichten ließ? Oder vielleicht die Neuauflage des iranischen Holocaust-Karikaturenwettbewerbs, mit einem Preisgeld von 50'000 USD? Oder etwa das 2015 veröffentlichte Buch «Palästina» von Ali Chamenei, in dem der «Oberste Führer» des Iran auf über 400 Seiten die Vernichtung Israels und die Weltherrschaft des Islam predigt?

Sünde

Statt sich mit Holocaustleugnern und Hasspredigern wie Abbas, Hussein und Chamenei in trauter Einigkeit zu zeigen, inflationär mit seiner eigenen Bedeutungslosigkeit zu kokettieren und seine vermeintliche Demut mit medienwirksamen Fußwaschungen zu zelebrieren, sollte der Hirte der weltweit größten Religionsgemeinschaft, seines Zeichens Befürworter einer «würdigen» Prügelstrafe für Kinder, Kritiker der Homo-Ehe, und angeblich von Gott gesandter irdischer Vertreter des Allmächtigen, sich wie ein Christ im Sinne der Lehren Jesu verhalten und Gott um Vergebung bitten:

Wir Christen haben die Juden Jahrtausende lang als Gottesmörder und Kinder des Satans diffamiert, wir haben sie ausgegrenzt, verleumdet, verfolgt, betrogen, enteignet, beraubt, erschlagen, ersäuft, verbrannt, erschossen und vergast. Das war eine Sünde, ein Vergehen gegen Deine Gebote und wir bitten Dich dafür um Vergebung!

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