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Paralympics: "Meine Kinder sollen etwas wirklich Beeindruckendes sehen!"

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Der zweite Teil von Rio2016 lĂ€uft - und das erstaunlich gut. Noch vor wenigen Wochen schienen die zweitgrĂ¶ĂŸte Sportveranstaltung das Letzte zu sein, was die Stadt Rio de Janeiro und das Land Brasilien in seiner prekĂ€ren finanziellen und politischen Lage gebrauchen könnte. Nun steigt mit jedem Tag die Begeisterung - und somit auch die Zahl der Besucher.

"Niemals zuvor in der 56-jĂ€hrigen Geschichte mussten wir mit solchen UmstĂ€nden zurechtkommen!" Dieser Satz von Sir Philip Craven, PrĂ€sident des Internationalen Paralympischen Komitees, liegt gerade einmal drei Wochen zurĂŒck.

Eine klaffende FinanzlĂŒcke brachte den Behindertensport kurz vor Beginn der 15. Sommerspiele in eine Ă€ußerst missliche Lage. Aufgrund ausstehender Zahlungen wie zum Beispiel der ReisezuschĂŒsse an die teilnehmenden LĂ€nder befĂŒrchteten manche gar das Aus des gesamten Events.

Nun, nach dem vierten Wettkampftag, haben viele der Hiobs-Botschaften erheblich an Tragweite verloren. Die Spiele gehen ihren geplanten Gang - von einzelnen Änderungen wie der Verlegung einzelner Disziplinen in andere Regionen oder eine leichte Reduzierung des Shuttle-Services fĂŒr Journalisten abgesehen. Sparmaßnahmen, die angesichts der prekĂ€ren Finanzsituation zu verkraften sind.

"Wir waren auf riesige Herausforderungen eingestellt, aber bislang ist kaum eine dieser BefĂŒrchtungen eingetreten", meint Friedhelm Julius Beucher, PrĂ€sident des Deutschen Behinderensportverbands.

Auch die Athleten zeigen sich zufrieden, fĂŒhlen sich in Dorf und WettkampfstĂ€tten wohl: "Im Vorfeld habe ich viel Negatives gehört. Davon hat sich bisher eigentlich noch nichts bestĂ€tigt. Das Essen ist besser als erwartet, der Transport klappt gut bisher. Ich bin positiv ĂŒberrascht!", sagt zum Beispiel Rollstuhlbasketballerin Marina Mohnen. Die 37-JĂ€hrige bestreitet in Rio ihre dritten Paralympics und ist amtierende Goldmedaillengewinnerin.

167.000 Besucher im Barra Olympic Park

Gute Stimmung herrscht auch bei den Zuschauern: Nachdem auch in puncto Ticketverkauf noch vor einigen Wochen nichts Positives vermeldet werden konnte, strömen neben dem im Vergleich zu Olympia deutlich kleineren touristischen Publikum nun doch viele Cariocas (Einwohner Rio de Janeiros) in die Stadien.

Am Samstag waren insgesamt 167.000 Besucher im Barra Olympic Park. Mehr als wÀhrend der gesamten Olympischen Spiele, bei denen der Höchstwert 150.000 gewesen ist.

Unter den Besuchern der Leichtathletik-WettkĂ€mpfe am Freitag war auch Jorge Henrique mit Frau und Kindern. Der 34-jĂ€hrige Fußballspieler vom stĂ€dtischen Klub Vasco da Gama hat sich bewusst dafĂŒr entschieden, erst den zweiten Teil von Rio2016 im Stadion anzusehen - die Olympischen Spiele hat er nicht besucht. Warum? "Ich wollte, dass meine Kinder etwas wirklich Beeindruckendes sehen!"

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Der Erfolg der Paralympics im Vergleich zu den Olympischen Spielen grĂŒndet vor allem auf einem anderen Anspruch: WĂ€hrend sich der olympische Grundgedanke in einer IdentitĂ€tskrise befindet, ist die paralympische Botschaft "Du kannst alles erreichen!" ansteckend und durch die bewegenden Geschichten der Paralympioniken gleichzeitig authentisch.

WĂ€hrend Olympia immer mehr in Gigantismus und Dopingsumpf zu versinken scheint, hat sich das IPC mit dem Komplett-Ausschluss Russlands mutig und klar positioniert.

Top-Athleten sind zwar teilweise im Land berĂŒhmt, Werbefiguren Ă  la Usain Bolt gibt es hier aber noch nicht. Nichtsdestotrotz sind es vitale Persönlichkeiten, die in ihrer Behinderungsklasse neue Weltrekorde erreichen und fĂŒr unvergessliche Sportmomente sorgen.

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So wie in London besteht damit nun auch in Rio die berechtigte Hoffnung, dass die zweitgrĂ¶ĂŸte Sportveranstaltung der Welt der Stadt neben einem so nicht mehr zu gebrauchenden Stadien-Komplex auch ein positives Erbe hinterlĂ€sst: ein verĂ€ndertes, gesellschaftliches Bewusstsein, das Menschen mit Behinderung mehr Teilhabe ermöglichen möchte, zum Beispiel durch Barrierefreiheit in öffentlichen Verkehrsmitteln und GebĂ€uden.

Einer der stĂ€rksten Momente der Eröffnungsfeier im MaracanĂŁ-Stadion war die EntzĂŒndung des Paralympischen Feuers. Der letzte FackeltrĂ€ger, der brasilianische Schwimmer Clodoaldo Silva, fuhr im Rollstuhl auf das Podium zu. Vor ihm lag eine große, scheinbar unĂŒberwindbare Herausforderung: eine große Treppe.

Nachdem sich zwischen den Stufen plötzlich eine Rampe formte, rollte Silva unbeeindruckt nach oben, im strömenden Regen und unter tosenden Anfeuerungsrufen des Stadions nach oben. Das von ihm entzĂŒndete Feuer der Spiele brennt. Und die inklusive Idee, sie lebt!

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