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Wie die AfD sich für Homosexuelle öffnen will

03/03/2015 13:38 CET | Aktualisiert 03/05/2015 11:12 CEST
dpa

Die AfD in Nordrhein-Westfalen erkennt auf ihrem Programmparteitag den Wert alternativer Familienmodelle an. Eine echte Wende oder Stimmenfang bei schwulen Männern?

Kaum bemerkt von der größeren Öffentlichkeit hat sich am vergangenen Wochenende in der nordrhein-westfälischen Sektion der AfD ein kleines Erdbeben in Sachen Gleichberechtigung Homosexueller ereignet.

Der Stellvertretende Sprecher der inzwischen gut hundert Mitglieder umfassenden "Bundesinteressengemeinschaft Homosexuelle in der AfD", der Kölner Torsten Ilg, hatte auf dem Programmparteitag der nordrhein-westfälischen AfD einen Antrag eingebracht, der sich mit der Gleichstellung alternativer Familienmodelle befasst.

Nach einer kontroversen Debatte wurde der leicht veränderte Antrag mit einer deutlichen Mehrheit der Delegierten beschlossen. Kern des Antrags ist das Bekenntnis der AfD, sich neben der traditionellen Ehe und Familie auch zu den alternativen Familienmodellen und Verantwortungsgemeinschaften zu bekennen.

Nach Einschätzung der „Homosexuellen in der AfD" erkennt ihre Partei in NRW demnach auch „die Leistung alternativer Familienmodelle an und unterstützt sie in ihrem Bestreben, die konservative Wertigkeit des traditionellen Familienbegriffs im positiven Sinne zu ergänzen, und somit unsere Gesellschaft insgesamt zu stärken."

Der Antrag bezieht sich in seiner Begründung ausdrücklich auf das Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 19. Februar 2013, wonach beispielsweise auch Eingetragene Lebenspartner mit Kindern unter den Schutz von Artikel 6 Abs. 1 GG eine geschützte Familie im Sinne des Grundgesetzes bilden.

Reaktionen auf diesen Beschluss in der Parteispitze gab es bislang nicht, so Torsten Ilg.

Diese Entwicklung ist auch deshalb interessant, weil wichtige Vertreter der AfD immer wieder durch homosexuellenfeindliche Äußerungen aufgetreten sind. Interessant auch, weil einige Homo-Verbände auf der einen Seite große Angst vor einer rechtspopulistischen Wende unter schwulen Männern haben, andererseits einen Dialog mit den „Homosexuellen in der AfD" strikt ablehnen.

Ob eine solche Dialogverweigerung strategisch klug ist, sei dahingestellt - nach den bisher bekannt gewordenen Äußerungen von AfD-Größen muss man sich jedoch schon die Frage stellen, ob man nun die Strategie geändert hat: Stimmenfang früher mit Homophobie, nun mit einer neuen Homofreundlichkeit, die man schnell vergessen haben könnte, wenn man Regierungsverantwortung erlangen sollte?


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