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Nach dem Sieg Petrys: Für Homosexuelle keine Zukunft mehr in der AfD

05/07/2015 12:11 CEST | Aktualisiert 05/07/2016 11:12 CEST
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Nach der Wahl Frauke Petrys zur neuen AfD-Vorsitzenden rückt die Partei in die nationalkonservative, homophobe Ecke. Für die bislang dort engagierten Homosexuellen kann sie keine Heimat mehr sein, für die Homopolitik in Deutschland insgesamt ist das kein Anlass zum Feiern. Ein Kommentar von David Berger

Sie hatten sich Großes vorgenommen, die Bundesinteressengemeinschaft der „Homosexuellen in der AfD". Wie man selbstbewusst homosexuell und zugleich Mitglied einer konservativen Partei sein kann, wollten sie all jenen zeigen, für die Homo-Politik eigentlich nur bei Linken und Grünen richtig stattfinden kann.

Und sie hatten sogar einige nennenswerte Erfolge: Alexander Tassis, schwul und mit Migrationshintergrund, war bei der Landtagswahl in Bremen erfolgreich, Mirko Welsch und Thorsten Rüdiger Ilg konnten wichtige schwul-lesbische Anliegen in einigen Parteitagsbeschlüssen auf Länderebene durchsetzen. Und zuletzt nominierte Bernd Lucke André Yorulmaz, ebenfalls ein schwuler Migrant, zu seinem Generalsekretär.

Was die Homosexuellen in der AfD machten, war immer Graswurzelarbeit

Dass das, was sie taten, immer Graswurzelarbeit war, war den wichtigsten Köpfen der „Homosexuellen in der AfD" stets klar. Aber ebenso, dass sie in größeren Zusammenhängen betrachtet, enorme Wichtigkeit besaß. Schon vor einigen Monaten ließ mich der Kölner Stadtrat Ilg wissen:

„Kippt die Graswurzelarbeit der Homosexuellen in der AfD, besteht die Gefahr eines herben Rückschlags für die Homosexuellen in Deutschland insgesamt. Wenn wir den religiösen Fundamentalisten das Zepter überlassen wird die AfD trotzdem erfolgreich bleiben und beim potentiellen Koalitionspartner CDU entsprechende programmatische Forderungen stellen, die dann nicht in unserem Sinne sein werden."

Genau dieser Fall dürfte nun eingetreten. Mit Frauke Petry haben die nationalkonservativen Homophoben das Zepter in der Partei übernommen. Aus der blauen, mit einem ganz leichten, für viele nicht wahrnehmbaren rosa Anstrich versehenen Partei wird nun eine braune werden. Sie wird Schwulen und Lesben nur unter Selbstverleugnung Heimat sein können.

Dies ist auch Politikern wie Ilg klar, der bisher bei den „Homosexuellen in der AfD" am eindeutigsten für die Gleichberechtigung homosexueller Menschen gekämpft hat. Sein Statement nach der Wahl Petrys: „Die AfD wird von den rechten Zecken zerbissen werden." Er sieht für sich „keine Zukunft mehr innerhalb der Partei." Beobachter gehen davon aus, dass André Yorulmaz einen ähnlichen Weg gehen wird. Lediglich Welsch scheint auf den neuen Kurs eingeschwenkt zu sein und wirft seinen ehemaligen Mitstreitern bei der Bundesinteressengemeinschaft „Fahnenflucht" vor.

Wer sich für LGBT-Rechte stark macht, hat jetzt keinen Grund zu jubeln

Gegen den Exodus u.a. der Homosexuellen aus der AfD werden wohl auch die versöhnlichen Worte der unversöhnlich Homophoben wenig helfen. Ihr Appell „Wir sind und bleiben gemeinsam eine Alternative für Deutschland" wird diejenigen, die den nun anstehenden, offensichtlich von der Mehrheit der Partei gewollten reaktionären Kurs nicht mehr mittragen können, kaum überzeugen.

Die Vision einer Homo-Politik auch in einer konservativen Partei scheint damit vorerst für Deutschland gescheitert. Das sollte auch für jene linken Kreise, die bislang alles unternommen haben, um das Engagement Homosexueller in der AfD schlechtzureden, kein Grund zum Jubel sein. Die Homo-Politik hat eine politische Stütze weniger - und das gerade in einem politischen Spektrum, wo sie sie am dringendsten bräuchte.


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