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Köln war nicht der erste Vorfall in NRW

07/01/2016 16:49 CET | Aktualisiert 07/01/2017 11:12 CET
dpa

Bereits im November des vergangenen Jahres kam es nach Angaben des Refugees Welcome Vereins Bonn auf einer Willkommensparty für Flüchtlinge zu sexuellen Übergriffen auf die anwesenden Frauen.

Selbst wenn sich die Berichte erhärten sollten, nach denen unter den in der Silversternacht Übergriffigen auch Asylbewerber bzw. Flüchtlinge aus Syrien waren, bleibt es selbstredend falsch, Flüchtlinge oder Männer arabischer Herkunft unter einen Generalverdacht zu stellen.

Ebenso falsch ist es jedoch, Fakten zurückzuhalten, zu verschleiern oder Vorgefallenes schön zu reden. Dadurch schaufelt man letztlich Wasser auf die Mühlen jener, die aus einem solchen Generalverdacht politisches Kapital schlagen möchten.

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Mit zu dieser schonungslosen Aufklärung gehört es auch nachzufragen, ob die Verantwortlichen nicht schon hätten vorgewarnt gewesen sein müssen. Und tatsächlich gab es solche Vorwarnungen. Dass sie dort, wo sie von Gegnern der gegenwärtigen Asylpolitik oder gar fremdenfeindlichen Personen oder Institutionen kamen, von den Verantwortlichen nur begrenzt ernst genommen wurden, mag noch verständlich sein. Sie kamen aber eben nicht nur aus dieser Ecke.

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Ein besonderes Beispiel dafür ist die öffentliche Erklärung des Vereins „Refugees Welcome Bonn", die dieser schon am 10. November des vergangenen Jahres auf seiner Facebookseite publizierte. Anlass für die öffentliche Erklärung war eine Refugees-welcome-Party, die der Verein am 7. November unter dem Motto „Party without Borders" veranstaltet hatte. Auch dass das Ganze in dem nur etwa 20 Kilometer vom Kölner Hauptbahnhof entfernten Bonn stattfand, ist nicht unwichtig.

Auf einer Veranstaltung von Refugees Welcome kam es zu heftigen sexuellen Belästigungen

Auf der genannten Veranstaltung scheint es zu solch heftigen sexuellen Belästigungen von teilnehmenden Frauen gekommen zu sein, dass der Verein sich gezwungen sah, sich davon öffentlich und mit Nachdruck zu distanzieren:

„Auf der Party wurden unserer Beobachtung nach diverse Frauen von Männern belästigt, ungewollt angefasst oder unangebracht angegangen." Dies werfe ein „schlechtes Licht auf unsere Organisation und alle Männer sowie männliche Geflüchteten, die auf der Party waren".

Zugleich gab der Verein bekannt, dass man in Zukunft ein solches Verhalten unter keinen Umständen mehr dulden werde: „Wir halten es für zentral, dass der Umgang miteinander von gegenseitigem Respekt und dem Gedanken der generellen Gleichwertigkeit aller Menschen geprägt ist. Dazu gehört notwendigerweise, dass bei Annäherungsversuchen ein Nein akzeptiert wird, statt weiterhin zu versuchen, den eigenen Willen einer anderen aufzuzwingen. Dafür stehen wir als Gruppen ein. Solches Verhalten wird unsererseits nicht mehr hingenommen werden."

Ganz konkret über patriarchale Denkweisen sprechen und über Konsequenzen nachdenken

Der Verein mahnte in seiner öffentlichen Mitteilung auch an, nun ganz konkret über patriarchale Denk- und Handlungsweisen in unterschiedlichen Kulturen zu sprechen, Unterschiede klar zu benennen und über Konsequenzen nachzudenken.

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Fakten verheimlichen aus Angst vor Missbrauch

Es entspricht ganz dem fatalen Umgang mit den Ereignissen der letzten Silvesternacht in ganz Deutschland, dass der Link mit der öffentlichen Mitteilung kurz nach den Kölner Vorkommnissen deaktiviert wurde. Vermutlich nicht, weil man sich irgendetwas vorzuwerfen hat. So sehr sich die Kölner Silvesternacht in ihrer Dimension von der Bonner Welcome-Party unterscheidet, so vorbildlich war die Reaktion der Verantwortlichen des Vereins im Vergleich zu dem unbeholfenen Handeln der großen Politik.

Die Angst vor Missbrauch der Fakten sollte nicht so groß sein, dass man Fakten verschweigt.

Auch zur erfolgten Löschung des Links gilt: Wenn die Angst vor dem Missbrauch von Fakten so groß wird, dass man Fakten verschweigt oder verschleiert, schaufelt man den eigenen politischen Zielen, hier der Abwehr von Ungerechtigkeit und Hass gegen alle Migranten, ungewollt, aber zielsicher das Grab.

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