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Japan: Buddhistischer Priester führt Zeremonie für homosexuelle Paare ein

06/11/2015 10:29 CET | Aktualisiert 06/11/2016 11:12 CET
Rena Kure

In Japan gibt es keine Öffnung der Ehe für Homosexuelle. Mit seiner Trauungszeremonie für gleichgeschlechtliche Paare möchte der Priester des Shunkoin Tempels ein klares Zeichen gegen diesen Zustand setzen. Dabei war er früher selbst homophob.

Die japanische Ausgabe der Huffington Post berichtet von einem buddhistischen Priester, der in Japans Shunkoin Tempel Homo-Paare einlädt, sich bei ihm nach buddhistischem Zeremoniell trauen zu lassen.

Dies ist deshalb etwas ganz Besonders, weil in Japan gleichgeschlechtliche Hochzeiten gesetzlich nicht vorgesehen sind und auch Taka Zenryu Kawakami im japanischen Buddhismus der einzige Geistliche ist, der zu dieser Zeremonie ausdrücklich Schwule, Lesben und Transgender einlädt.

„Ich bin selbst nicht schwul und bin in meiner Jugend auch keinen Schwulen oder Lesben bewusst begegnet. Hinzukam, dass die Älteren voll mit Vorurteilen gegen sexuelle Minderheiten waren."

Von Homophobie "geheilt" durch den persönlichen Kontakt mit einem schwulen Mann

Besonders in seiner Familie, die seit Generationen die Hohepriester für den Shunkoin Tempel stellt, habe es viele Aversionen gegen Homosexuelle gegeben. Am Anfang habe er diese Vorurteile einfach so übernommen, bis er ein besonderes Erlebnis während seines Studiums an der Arizona State University hatte:

„Eines Tages war ich bei einem guten Freund zum Tee. Und machte eine diskriminierende Aussage gegenüber einer schwulen Person. Mein Freund antwortete: ‚Ich bin auch schwul! Ist das die Weise, in der Du auch über mich denkst und reden würdest?'" Als der Freund dies sagte, musste er selbst daran denken, wie er als Asiate wegen seiner Herkunft diskriminierende Kommentare zu hören bekam: „Ich versank in eine tiefe Scham und änderte meine Position komplett".

Zurück in Japan sprach ihn dann 2007 eine Spanierin an, die zu einem Meditationskurs in den Tempel gekommen war, ob es hier keine Hochzeitszeremonie für Sie und ihre Partnerin gebe. Er studierte daraufhin die Texte des Mahayana Buddhismus und fand keine Stelle, die solch einer Zeremonie widersprochen hätte. Ohne lange über eventuelle Konsequenzen nachzudenken, führte er die Trauung aus.

Die Idee weitet sich zum Geschäftsmodell

Inzwischen sieht er sich auch als Vorkämpfer gegen Homophobie und für die Homo-Ehe in seiner Heimat. In diesem Jahr konnte er zum ersten Mal zwei japanische Männer trauen. Und ganz praktisch denkt der Geistliche dabei auch.

Da die meisten, die sich trauen lassen wollen, von weither kommen, bietet der Tempel zusammen mit dem Granvia Kyoto Hotel ein „Buddhist Wedding Package" für Homosexuelle an ... sozusagen „Buddhistisches Heiraten für Homosexuelle - all inclusive".

Emotionales Video: Wut und Betroffenheit - Paar testet die Reaktionen von Spaniern auf Homophobie

Video: Dieses Video bekämpft Homo-Hasser mit dem einzig wirksamen Mittel: Liebe

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