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Flüchtlingsdebatte: Hört endlich mit der positiven Diskriminierung auf!

Veröffentlicht: Aktualisiert:
SUHL
dpa
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"Aktenzeichen XY" sagt die Suche nach einem farbigen Verdächtigen ab, die Hamburger Verkehrsbetriebe wollen bei Flüchtlingen, die schwarz fahren, ein Auge zudrücken. Alles gut gemeint, aber alles andere als gut für die Flüchtlinge.

Nach diversen Medienberichten hat die Sendung „Aktenzeichen XY" einen Bericht abgesetzt, mit dessen Hilfe nach einem Vergewaltiger gesucht werden sollte. Der Grund: der vermeintliche Täter hat eine dunkle Hautfarbe. Die Chefredakteurin des TV-Formats, Ina-Maria Reize-Wildemann begründet ihre Entscheidung mit der Stimmungsmache gegen Flüchtlinge in Deutschland:

"Wir wollen kein Öl ins Feuer gießen und keine schlechte Stimmung befördern. Das haben diese Menschen nicht verdient". Dass sich die Redakteurin solche Gedanken macht, ist sicher ehrenwert. Und auch ihre Intention, in der derzeitigen Situation alles zu tun, um die in bestimmten Kreisen wuchernde Stimmung gegen Flüchtlinge nicht noch anzuheizen, ist lobenswert.

Ähnlich lobenswert wie die Anweisung des HVV, der öffentlichen Verkehrsmittel Hamburgs, der seine Fahrkartenkontrolleure jüngst angewiesen hat, bei Flüchtlingen, die ohne Ticket angetroffen werden, ein Auge zuzudrücken.

Gut gemeint, ist hier das Gegenteil von gut

Bei genauerem Hinsehen zeigt sich jedoch sehr schnell: „Gut gemeint, ist meistens das Gegenteil von gut". Was als Hilfe für Flüchtlinge gedacht war, was Fremdenfeindlichkeit bekämpfen wollte, tut hier genau das Gegenteil. Es ist geradezu auffällig, wie eifrig die Presseberichte über solche Aktionen von denen geteilt werden, die sich in der gegenwärtigen Situation bedrängt fühlen, die Ängste vor dem Ansturm der „vielen Flüchtlinge" umtreiben. Und auch von denen, die diese Gefühle aus politischem Kalkül ganz bewusst anheizen wollen.

Denn sie haben offensichtlich schneller als hoch gebildete Chefredakteurinnen bemerkt, dass solche Sondermaßnahmen perfekt geeignet sind, um Neid zu wecken. Nach dem psychologisch auf der Hand liegenden Motto: „Darf man jetzt als Mensch mit dunkler Hautfarbe bzw. als Flüchtling kleinere und auch größere Straftaten begehen - und es wird aufgrund meines Status ein Auge zugedrückt? Straftaten für die ‚wir Deutsche' konsequent zur Rechenschaft gezogen werden?"

Man lese nur Helmut Schoecks großes Werk „Der Neid" - und man wird bestätigt finden, was man längst aus der Alltagserfahrung weiß: Eitelkeit und Neid sind oft die Wurzel vieler anderer Fehlverhalten.

Diskriminierung der einen kann nicht durch Diskriminierung der anderen bekämpft werden

Positive Diskriminierung nennt man das, was Aktenzeichen und Hamburger Verkehrsbetriebe da betreiben. In softerer Form findet sich solche positive Diskriminierung auch in Artikeln, die uns zum Beispiel „10 Gründe, warum Flüchtlinge die besseren Nachbarn sind", nahe bringen wollen.

Für sie alle gilt: „Die positive Diskriminierung des Einen ist die negative Diskriminierung des Anderen!" (Mark Bell) Gegen Diskriminierung mit Diskriminierung kämpfen zu wollen, ist aber so wie wenn man ein Feuer löschen will, indem man erneut Benzin hineingießt.

Deshalb: Wenn Ihr den Flüchtlingen wirklich helfen wollt, dann behandelt sie wie andere Menschen auch! Fangt endlich an, wenigstens um eine Ecke herum zu denken: Eure gut gemeinten Sonderrechte und Privilegien beleidigen nicht nur diese Menschen, sondern sorgen auch dafür, dass Vorurteile durch Neid erst so richtig geschürt werden.


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