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"Diktatur des Penis" - Woher kommt die Angst vor einer Homo-Lobby?

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OBELISK
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Eine verschworene Lobby macht sich weltweit im Geheimen breit, schreckt dabei weder vor Mord, Kindesmissbrauch und Einsatz von Giften zurück. Und sie hat ein Ziel: die unheimliche Diktatur der Homo-Ideologie allgemein durchzusetzen. Und diese „Diktatur des Penis" steht kurz vor ihrem Durchbruch.

So jedenfalls die Grundthese eines gut 400 Seiten umfassendes Buches, das soeben erschienen ist. Als Autorin zeichnet eine Angelika Dominique Seibel verantwortlich, die als promovierte Soziologin auf dem Cover auftritt. Es war aber bis Redaktionsschluss nicht möglich, herauszufinden, ob es sich dabei um einen echten Namen handelt, da der/die Schreiber(in) unter diversen Männernamen im Internet unterwegs ist und auch das Autorenfoto keinen wirklich verlässlichen Aufschluss über die sexuelle Identität von „Seibel" gibt.

Die Angst vor der Homo-Lobby ist auch bei der AfD weit verbreitet

Nun könnte man angesichts dieses obskuren Umfelds, in dem das Buch angesiedelt ist, dieses getrost beiseite legen - mit der österreichischen Devise „Net amol ignorieren!" Sollte man aber nicht. Denn die Rede von einer „Homo-Lobby" ist inzwischen schon in aller Munde. Schon alleine das Wort lässt nicht nur homophobe AfD-Politiker und den Papst in Panik geraten, auch manchem schwulen Mann treibt es Angstschweiß auf die Stirn. Das, was hinter solchen Ängsten vor der Verschwörung einer vermeintlichen Homo-Lobby an intellektuellem und psychologischem Hintergrund auszumachen ist, das finden wir in dem Buch Seibels sehr anschaulich versammelt.

Wurde Dirk Bach von der Homo-Lobby umgebracht?

Der Titel sagt es schon: Da noch keiner wirklich etwas Handfestes von dieser Lobby mitbekommen hat, kann sie nur heimlich sein. So habe diese Lobby zum Beispiel, um die katholischen Homo-Kritiker schlecht zu machen, den Schauspieler Dirk Bach ermordet und darüber einen bitterbösen Artikel auf der einem fanatischen Katholizismus huldigenden (aber von der Homo-Lobby geführten) Internetseite kreuz.net veröffentlicht.

Mit Pflanzenschutzmittel Heteros schwul machen

Auch sonst bedient man sich in der Homo-Lobby krimineller Mittel: Schwule setzen zum Beispiel großflächig Pflanzenschutzmittel (wie Atrazin) ein, von dem nachgewiesen sei, dass „es männliche Frösche verweiblichen lässt." Diese Geheimwaffe der Homolobby bewirkt, dass ganz normale Heteromänner „innerhalb von Stunden" verweiblicht werden, sich vor Frauen ekeln und über andere Männer und Kinder herfallen: „Die Kinder sollen so früh wie möglich auf ihre künftigen Aufgaben als Lustobjekte und Sexkonsumenten vorbereitet werden." Unterstützt wird die Homo-Lobby bei ihrem üblen Treiben nicht nur von ahnungslosen Frauen, die Schwule für nett halten, während diese ihre Männer heimlich mit Pflanzenschutzmitteln umpolen.

Die CIA steckt mit der schwulen Mafia unter einer Decke

Auch Geheimdienste, die von den Bilderbergern unterwanderten Medien sowie die Freimaurer sind willfährige Helfer der Homo-Mafia. Längst hat die Homosexualität in „allen gesellschaftlichen Bereichen die unumschränkte Macht, die Heterosexualität wird faktisch diskriminiert". Wir leben in einer neuen Homo-Weltordnung, unter der „Diktatur des Penis", so das frustrierte Fazit der Autorin.

Alles abstruses Zeugs, neurotische Verschwörungsängste? Ohne Zweifel! Zugleich aber ein Buch, das hilft, die homophoben Ängste vor der Homo-Lobby und deren ebenfalls pathogene Quellen aus erster Hand kennenzulernen!
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Angelika Dominique Seibel, Die (un)heimliche Diktatur. Wie homosexuelle Menschen von einer machtgierigen Lobby missbraucht werden, Amazon Distribution, 422 Seiten, 21,19 €