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Die Linke: Nicht nur antisemitisch, auch homophob

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DIE LINKE
Getty Images / Colourbox
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Die Kulisse der homofreundlichen Linken ist am Zerbrechen.

Eigentlich k├Ânnten Marlies, Ilse, Bianca und Sebastian, Sprecher der NRW-Landesarbeitsgemeinschaft ÔÇ×Die Linke. Queer" ganz zufrieden sein, wenn sie auf ihre Arbeit in den vergangenen Monaten zur├╝ckschauen: ÔÇ×Wir haben gestanzt, geklebt, geschnitten und aufgepustet - wir waren auf den CSDs, am 1. Mai und am 17. Mai auf der Stra├če ... Wir haben Antr├Ąge in Beschl├╝sse umwanden k├Ânnen und wir haben viel gelacht und diskutiert."

Und irgendwie haben ihnen viele wichtige Leute in ihrer Partei von Berlin aus auch immer wieder das Gef├╝hl gegeben, dass queere Themen einen besonderen Stellenwert innerhalb der Partei besitzen. Ob sie an diese in Wahlk├Ąmpfen geschickt eingesetzten queeren Sonntagsreden inzwischen noch glauben, scheint nun mehr als fraglich.

In der zweiten Augustwoche sind sie von all ihren Partei├Ąmtern zur├╝ckgetreten. Und auch Christian Priest, der Sprecher der ÔÇ×Bundesarbeitsgemeinschaft Queer" der Partei hat in diesem Zusammenhang nicht nur alle ├ämter niedergelegt, sondern auch seinen Parteiaustritt erkl├Ąrt.

Und das keineswegs harmonisch: von ÔÇ×Hetzjagden", ├╝blen Beschimpfungen als ÔÇ×Homo-Lobby" und ÔÇ×Homo-Nationalisten" durch andere, auch queere Parteimitglieder ist da die Rede. Aber auch von dem Desinteresse f├╝hrender Parteimitglieder an dort st├Ąrker werdenden homophoben Tendenzen.

F├╝r eine Position, die sich unbedingt f├╝r Recht von Schwulen und Lesben einsetzt, sehe man nunmehr ÔÇ×anhand der Angriffe keine Mehrheit" in seiner eigenen Partei.

Deutschlands queerste Partei?

Der jetzt auflodernde Konflikt hat bereits eine l├Ąngere Geschichte. Schon durch die Tatsache, dass die wichtigste Queerpolitikerin der Linken, Barbara H├Âll, bei der letzten Bundestagswahl von ihrer eigenen Partei auf einen aussichtslosen Listenplatz zur├╝ckgesetzt wurde, hatte das gerne gepflegte Bild von Deutschlands queerster Partei schwer getr├╝bt.

Nun scheint es endg├╝ltig zu zerbrechen. Anlass diesmal: eine von der Jugendorganisation der NRW-Linken organisierte Demo gegen den israelischen Gaza-Einmarsch am 18. Juli, an der sich f├╝hrende Parteimitglieder, u.a. auch ein Bundestagsabgeordneter der Linken beteiligten. Was mit dem Etikett einer ÔÇ×Friedensdemo" versehen war, wurde zu einer antisemitischen Kundgebung.

Auf Transparenten wurden Juden mit Nazis gleichgestellt und die Vernichtung des Staates Israel gefordert. Vereinzelt waren ÔÇ×Juden-ins-Gas"-Rufe zu h├Âren. Aber damit nicht genug: als einer der Hauptredner durfte Bilal Wilpert von der Migrantenpartei ÔÇ×BIG" sprechen, die ganz bewusst mit homofeindlichen Plakaten und Flyern, die eine erneute Kriminalisierung homosexueller Handlungen in Deutschland fordert, um W├Ąhler wirbt.

Antisemitismus und Homo-Hass fanden dann in ÔÇ×Pinkwashing"- und ÔÇ×Homo-Nationalismus"-Vorw├╝rfen ihr gemeinsames Credo, seit jeher eifrig von vielen Linken als gro├če Gefahr der ÔÇ×Homo-Lobby" immer wieder neu beschworen. Mit dem Stichwort ÔÇ×Pinkwashing" diffamieren linke Intellektuelle regelm├Ą├čig die f├╝r den Nahen Osten einzigartig liberale Homo-Politik Israels als gezieltes Ablenkungsman├Âver f├╝r die Pal├Ąstinapolitik.

Drohanrufe von queeren Genossen

Wie aufgeheizt die Stimmung in der Linken derzeit ist, zeigt auch die Tatsache, dass es unm├Âglich ist, ein offizielles Statement der Betroffenen zu erhalten. So etwa beim rausgeekelten Bundessprecher Priest, der um Nachsicht bat, dass er bei der gegenw├Ąrtigen ÔÇ×Bedrohungslage" durch andere Parteimitglieder nichts mehr zu den Vorkommnissen sagen wolle.

Lediglich ein bisher homopolitisch sehr engagiertes Parteimitglied traut sich, bei der Zusage seinen Namen nicht zu nennen, etwas dazu zu sagen: ÔÇ×Drohanrufe, Drohmails und Drohnachrichten", auch von anderen ÔÇ×queeren Landesvorst├Ąnden" seien inzwischen an der Tagesordnung.

Die Linke in NRW sei ÔÇ×durch und durch antisemitisch", womit auch der ÔÇ×Pinkwashing- und Homonationalismusvorwurf" gegen die Schwulen und Lesben in der Partei einhergehe, die diesen antisemitischen Kurs nicht mitgehen wollen. Das sei nicht immer explizite Homophobie, sondern schlicht die Tatsache, dass die Rechte von Schwulen und Lesben diesen Leuten ÔÇ×v├Âllig egal" seien. Und im Entscheidungsfall eben auch, wie der Auftritt Bilal Wilperts zeige, ÔÇ×als erste geopfert" w├╝rden.

Wie Priest sei auch er sich nicht mehr sicher, ob er ÔÇ×noch Mitglied einer Partei sein kann, die in so gro├čem Umfang homophobe und antisemitische Tendenzen unber├╝hrt lassen."

Melange aus Antisemitismus und Homophobie

Dass diese Melange aus antisemtischen Tendenzen und Homophobie bereits einer der Geburtsfehler der queeren Theorien ist, h├Ątte man zwar bei einer einfachen Lekt├╝re der B├╝cher Judith Buttlers, die als P├Ąpstin der queeren Bewegung gilt, erkennen k├Ânnen. Deren Aversion gegen den Staat Israel nimmt immer heftigere Z├╝ge an.

Paradoxerweise birgt aber auch schon die von den Linken getroffene Begriffswahl ein homophobes Potential. Man redet bewusst nicht mehr von Schwulen und Lesben, sondern von queers: das sind dann zun├Ąchst alle Personen, die sich wegen ihrer Sexualpraktiken marginalisiert f├╝hlen und deren geschlechtliche Identit├Ąt einem permanenten Wandel unterworfen ist.

Was David Halperin, selbst Vertreter der Queertheorie, bereits vor einigen Jahren zu dem Begriff sagte, erlangt nun angesichts der Zerw├╝rfnisse in der Linken eine neue Aktualit├Ąt: ÔÇ×Queer" hat erreicht, ÔÇ×dass Menschen, die von sich sagen, dass sie lesbisch oder schwul sind, tats├Ąchlich faschistisch erscheinen, weil sie sich an eine Identit├Ąt klammern, und auf diese Weise funktioniert queer homophob.

Die Mainstreamkultur hat es geschafft, sich queer anzueignen und es so zu benutzen, dass Heterosexuelle sich radikal f├╝hlen k├Ânnen und es gegen schwule Leute verwenden, indem sie als altmodisch und zu schwul hingestellt werden."

Erst jetzt, wo ÔÇ×selbst queere Genossinnen sich mit Leuten wie Bilal Wilpert solidarisierten" (Christian Piest) und wo ur-queere Theorien auf einmal ganz konkret wurden, scheint vielen Homosexuellen bei ÔÇ×Die Linke" klar geworden zu sein, dass da nicht nur menschlich etwas in ihrer Partei nicht stimmt.