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Was Alice Schwarzer einem transsexuellen Mädchen rät, ist homophob

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SCHWARZER
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Alice Schwarzer geht in der neuen „Emma" unwissenschaftlichen, ideologischen Thesen auf den Leim und vertritt dadurch latent transphobe und homophobe Aussagen. Eine Widerrede von David Berger

„Nicht der Körper ist ‚falsch', sondern die Rolle, die bis heute in unserer Gesellschaft Frauen bzw. Männern zugewiesen wird." So die Feministin Alice Schwarzer in der jüngsten Ausgabe ihres Magazins auf die Frage eines jungen transsexuellen Mädchens, das sich im falschen Körper fühlt und nun anfangen will, Männlichkeits-Hormone zu nehmen, um dies zu ändern. Dieser eine Satz zeigt eine Trennung von Körper und Psyche bzw. Seele, die nicht nur bei Feministinnen, sondern auch in manchen queeren Gender-Theorien zum unanfechtbaren Glaubenssatz erhoben wurde. Letztere bestreiten weitgehend jeden kausalen Zusammenhang zwischen biologischem Geschlecht und sozialen Geschlechterrollen. Und dieses neue Dogma wird vor allem so verbissen verteidigt, weil unsere gesamte Erfahrungswelt, die Medizin (Psychosomatik) und die anderen modernen Naturwissenschaften uns permanent genau das Gegenteil sagen.

Die Fakten widersprechen den queeren Gendertheorien

Spätestens die Tatsache, dass man exakt messen kann, dass Männer deutlich mehr Testosteron haben als Frauen, lässt diese Theorien alt aussehen. Testosteron ist das Hormon, das von uns als typisch männlich geltende Eigenschaften (Bartwuchs, tiefe Stimme, breite Schultern, Muskelaufbau usw.), hervorruft, verstärkt und aufrecht erhält. Hier herrscht eine eindeutige Kausalität vor: Biologische Voraussetzungen sorgen für das Entstehen bestimmter Geschlechterrollen. Die klassische Logik, von dem Konstruktivismus der Gendertheoretiker schnöde missachtet, lehrt uns: Die Argumente können noch so phantasiereich gewählt sein, wenn die Fakten ihnen widersprechen, sind sie belanglos (ubi facta, non valent argumenta).

Body-Phobie als theoretische Basis für Trans- und Homophobie

Zunächst ist diese Behauptung Schwarzers latent transphob. Sie ist nämlich die Basis dafür, dass man mit Frau Schwarzer sagen kann: „Leute stellt euch nicht so an! Ihr braucht keine OPs auf Kosten der Krankenkassen! Verändert Euer Denken, kauft euch andere Klamotten und alles ist gut!" Denkt man diese Grundlage der Queertheorie weiter, ist sie ebenfalls perfektes Futter für die Homophoben: Homosexualität ist dann nämlich auch frei gewählt, nicht angeboren, sozusagen eine Modeerscheinung - die dann auch veränderbar bzw. im Kontext der Homo-Heiler heilbar ist. Die Queer-Theorie, die sich immer damit schmückt, nach Möglichkeit keinen Menschen irgendwie zu diskriminieren, wird so zur theoretischen Basis für eine besonders subtile und daher auch besonders gefährliche Form von Diskriminierung.

Lookismus?

Der fatale Einfluss dieser Dissoziation der Body-Mind-Einheit zeigt sie auch auch in der schwulen Welt immer wieder in zunächst harmlos klingenden Aussagen. Sie tauchen immer dann auf, wenn zum Beispiel Bilder attraktiver Männer mit einem guten Körper das Cover oder den Innenteil eines Magazins schmücken. Solche Männer schön zu finden, sei nicht nur oberflächlich, sondern auch die Förderung eines „Lookismus" (Diskriminierung aufgrund des Aussehens) gegenüber allen anders aussehenden Männern. Spricht man mit den sich durch das Aussehen anderer diskriminiert Fühlenden, zeigt sich sehr oft, dass sie ganz enorme Probleme mit ihrem eigenen Körper haben, sozusagen an einer sehr ernsten Body-Phobie leiden. Diese wiederum steht in einem engen Zusammenhang mit der Trennung der körperlichen und psychischen Sphäre, die im Hass auf andere und den eigenen Körper ausarten kann. In den seltensten Fällen redet man sich solche Body-Phobie mit den genannten queeren Gender-Theorien schön. Viel öfter taucht sie woanders auf - die beliebte Lüge: „Aussehen ist mir bei der Partnerwahl völlig egal, es kommt doch auf den Charakter an", ist die vulgäre Form dieser Body-Mind-Shizophrenie.

Die großen Philosophen der Weltgeschichte wussten es besser

Nicht nur die Body-Mind-Medizin, auch die großen Philosophen der abendländischen Tradition hatten da ein viel tieferes Wissen um die conditio humana, den Menschen und seine Schicksal, als die postmodernen Denkansätze des Konstruktivismus der 80er Jahre des vergangenen Jahrhunderts („Alles in unserer Welt ist nur durch unsere Gedanken konstruiert"). So schon grundgelegt bei dem Vater des naturwissenschaftlichen Denkens, dem großen Aristoteles: „In Wirklichkeit muss die Seele den Körper haben, den sie als ihre Ausdrucksform braucht und der die Seele als sein Lebensprinzip braucht. Nur beide zusammen sind erst der Mensch"