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50 Depressive erklären, wie sich Depressionen anfühlen

01/06/2017 12:49 CEST | Aktualisiert 01/06/2017 12:49 CEST
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Vor kurzem habe ich auf meiner Facebook-Seite Menschen dazu aufgerufen, zu beschreiben, wie sich Depressionen anfühlen. So können diejenigen, die niemals unter ihnen gelitten haben, die Krankheit besser verstehen. Hier sind die Antworten:

1. Wenn du depressiv bist, siehst du die Zukunft nicht und findest keine Antwort auf keines deiner Probleme.

2. Wenn du Depressionen hast, macht nichts mehr Spaß. Nichts kann dich zum lachen bringen.

3. Es fühlt sich an, als wärst du ein Geist - du bist kein Teil der realen Welt mehr.

4. Es ist wie Ertrinken - nur, dass du jeden um dich herum atmen siehst.

5. Depressionen sind ein dunkler Ort, dem du nicht entrinnen kannst. Es ist, als wärst du in einem Raum ohne Licht, Fenster oder Tür eingesperrt. Es ist so dunkel, dass du nicht einmal deine Hand vor dem Gesicht erkennst, und du bist ganz allein und musst den Weg hinausfinden.

6. Depression ist das Unvermögen, eine Vision oder eine Zukunft zu sehen.

7. Der Beginn einer Depression fühlt sich an, als würdest du in ein dunkles, bodenloses Loch fallen. Du fragst dich, ob du jemals irgendwo ankommen wirst. Und wenn du zurückschaust, von wo du gefallen bist - und du weißt, dahin musst du zurück - siehst du, wie der Ort sich immer weiter von dir entfernt, das Licht wird immer schwächer, während das Loch, in das du fällst, immer tiefer und dunkler wird und dich verschlingt.

8. Depression fühlt sich für mich an, als würde mein Geist durch einen anderen ersetzt werden, der macht, dass ich mich wertlos und taub fühle - sogar gegenüber meinem Mann und meinem Sohn. Ich verspüre nur noch eine unendliche Traurigkeit, obwohl ich den Grund dafür nicht kenne, aber ich kenne das Gefühl selbst so gut. Depression hat mir mein Selbstbewusstsein gestohlen und nun glaube ich, dass ich keine Liebe verdient habe. Depression beschimpft mich und schickt mir schlimme Gedanken, und es gab Zeiten, in denen die Depression gewonnen hat und ich eine Überdosis nahm.

9. Es ist, als würdest du in einer Box gefangen sein - ein sehr dunkler Ort, an dem du dich so schlecht fühlst, dass sogar simple Aufgaben schwierig erscheinen. Du fühlst dich absolut allein.

10. Du verlierst dich selbst.

11. Du stehst unter einer Glasdecke, schreist und schlägst dagegen und versuchst, die Aufmerksamkeit der anderen zu erregen, die ihr Leben einfach ohne dich weiterleben. Das Problem ist: Niemand kann dich hören und du bist eingesperrt.

12. Depression ist, als würden dein Herz oder dein Geist brechen.

13. Depression ist ein Zustand, in dem nichts richtig schmeckt oder riecht oder sich richtig anfühlt. Du kannst weder klar denken noch Entscheidungen treffen - trotzdem musst du weiter machen. Und oft hast du nicht die Energie, die du dir wünschst. Aber du machst trotzdem weiter.

14. Der Glaube, dass du egal bist.

15. Als ob die Todesser von Harry Potter dich gefangen und alles Gute aus dir herausgesaugt hätten.

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16. Durch Sirup schwimmen.

17. Viele Gefühle: Angst, Leere, Taubheit, Scham, Peinlichkeit und das Unvermögen, die lustige, glückliche Person zu erkennen, die du mal warst.

18. Depression ist, wenn du den Wunsch verlierst, am Leben teilzuhaben.

19. Es ist, als würdest du versuchen zu atmen, obwohl du mit Teer bedeckt bist.

20. Depression macht, dass du dich wie ein Schauspieler fühlst, der dich selbst spielt - einer, der immer lächeln muss.

21. Depressiv sein fühlt sich an, als hättest du einen ständigen Tunnelblick - egal was gerade in deinem Leben passiert, du fühlst dich grundlos schlimm und überfordert.

22. Leere.

23. Als ob deine Seele Krebs hätte.

24. Folter.

25. Es ist, als wärst du in einem Rad und es dreht und dreht sich und du weißt nicht, wann es endlich aufhört.

26. Als wäre alles voller Nebel - eine Welt ohne Farbe oder Lachen.

27. Als würdest du in einem dunklen Tunnel ohne Licht am Ende leben, und als würdest du keine Luft kriegen, egal wie tief du einatmest.

28. Du fühlst dich komplett allein - auch wenn du von Menschen umringt bist.

29. Vollständige und absolute Hoffnungslosigkeit.

30. Ein Leben in der Hölle.

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31. Als würdest du um eine geliebte Person trauern - dich selbst. Wenn du in den Spiegel schaust, siehst du nur tote Augen. Da ist kein Glanz. Keine Freude. Keine Hoffnung. Du fragst dich, wie du noch einen weiteren Tag am Leben bleiben sollst.

32. Wenn du versuchst, deinen Kopf über Wasser zu halten, obwohl es dir schon bis zur Nase steht. Und das Wasser wird immer tiefer. Und du kannst nicht schwimmen.

33. Du fühlst dich taub innen drin. Die Welt und die Zeit fliegen vorbei und nichts bereitet dir Freude.

34. Du fühlst dich dunkel, einsam, ängstlich. Schlaf ist die einzige Flucht vor deinem Schmerz.

35. Es ist, als wärst du gleichzeitig der Gefangene und der Wärter.

36. Aufwachen an einem weiteren enttäuschenden Tag, nur um die Schwere auf deiner Brust zu fühlen, die niemals weggeht.

37. Du willst einfach nur auf einem Feld stehen und dir die Seele aus dem Leib schreien - und du weißt nicht, warum.

38. Als wäre dein Geist gelähmt.

39. Depression ist Stille. Sie ist die absolute Isolation in einem Raum voller Menschen. Es fühlt sich an, als würde das Leben dich jeden Tag herumschubsen und an dir zerren und das macht dich immer schwächer.

40. Es ist, als würdest du in einen Brunnen oder ein tiefes, dunkles Loch fallen, und es gibt keine Leiter, auf der du wieder hinausklettern kannst. Du bist gefangen in der Dunkelheit und Kälte und du fühlst dich taub.

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41. Für mich fühlt es sich an, als wäre ich ein kleines Samenkorn in einem Topf voller Blumenerde - je mehr ich versuche, zu wachsen und mich zu befreien, umso mehr Dreck und Erde fallen auf und ersticken und drücken mich herunter.

42. Depression ist die fiese Stimme in meinem Kopf, die Dinge sagt wie: „Deine Mutter wollte dich nicht und deswegen hat sie dich mit 15 für drei Monate heraus geschmissen". Sie zeigt mir Bilder der Bänke, Ecken und Winkel, in denen ich ängstlich versucht habe, mich nachts vor Vergewaltigern zu verstecken. Die Stimme erinnert mich auch daran, wie meine Tochter gestorben ist und schmettert mir ihr Bild ins Gesicht. Sie sagt mir, ich sei eine furchtbare Mutter gewesen. Depression ist für mich eine so starke Kraft, dass ich nicht weiß, ob ich sie jemals überwinden werde.

43. Wenn du depressiv bist, verlierst du alle deine Gefühle - außer die negativen wie Traurigkeit, Panik und Angst.

44. Es ist ein zehn Tonnen schwerer Klumpen Blei in deinem Inneren, den du überall hin mitschleppen musst. Und du musst auch noch normal dabei aussehen.

45. Jeder Tag ist ein Kampf und jeder Tag fühlt sich gleich an - dieselbe Scheiße, andere Toilette.

46. Depression ist ein Dieb - sie nimmt dir alles und lässt dich einsam sterben.

47. Für die Welt da draußen sieht es wie ein ruhiges Gewässer aus, aber unter der Oberfläche tobt ein Tsunami.

48. Es tut mehr weh als jeder physische Schmerz, den ich jemals erlebt habe - und NIEMAND kann es sehen.

49. Depression ist, wenn du dich so sehr hasst, dass du nicht einmal mehr in den Spiegel schauen kannst.

50. Depression ist, wenn du morgens aufwachst und dir wünschst, im Schlaf gestorben zu sein.

An alle, die momentan unter Depressionen leiden:

Ich weiß, wie schmerzhaft Depressionen sein können, weil ich selbst welche hatte. Werde dir aber bitte bewusst darüber, dass du nicht allein bist. Das siehst du anhand dieser und zahlreicher anderer Antworten, die ich aus Platzgründen hier nicht aufführen konnte.

Denk daran, dass die Weltgesundheitsorganisation WHO schätzt, dass weltweit etwa 121 Millionen Menschen unter Depressionen leiden. Du bist einer von vielen, und du musst dich nicht schämen.

Die andere Sache, die ich dir sagen will, ist, obwohl das jetzt unwahrscheinlich klingt: Heilung ist möglich. Wenn du mir das nicht glaubst, lade dir kostenlos meine Autobiografie herunter, dann siehst du, dass ich alles gefühlt habe, was die anderen oben beschrieben haben und dass es Zeiten gab, in denen ich davon überzeugt war, dass es mir niemals gut gehen würde.

Heutzutage bin ich aber sehr glücklich und gesund - genauso wie viele tausende, wenn nicht sogar Millionen anderer Menschen, die unter Depressionen zu leiden hatten. Wir alle beweisen, dass Heilung möglich ist.

An alle, die noch niemals unter Depressionen gelitten haben

Wahrscheinlich ist es nicht möglich, vollständig zu verstehen, wie sich klinische Depressionen anfühlen, wenn du sie nicht selbst erlebt hast, aber die oben stehende Liste sollte dir einen Einblick verschaffen.

Zumindest sollte sie dir zeigen, das Depressionen viel, viel schlimmer sind als „mal einen schlechten Tag" zu haben oder „traurig" zu sein. Sie sind eine Seelen-raubende, schwächende Krankheit - und zwar eine so schwerwiegende, dass sie jährlich etwa eine Million Menschenleben weltweit kostet.

Wenn du also jemanden kennst, der unter Depressionen leidet, sag ihm nicht, er solle „sich zusammenreißen" oder es „einfach mal sein lassen". Höre ihm stattdessen zu. Unterstütze ihn. Und - das ist am wichtigsten - sei sein Freund.

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