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"Integrationsprobleme liegen vor allem an der Intoleranz von Nicht-Muslimen"

Veröffentlicht: Aktualisiert:
DAVID ZIMMERMANN
Stadt Monheim am Rhein
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Daniel Zimmermann hat als Bürgermeister von Monheim am Rhein in NRW zwei Moscheegemeinden Grundstücke im Wert von 845.000 Euro überlassen, eines in der Innenstadt und eines am Stadtrand. Die Auflage: Innerhalb von sieben Jahren müssen die Vereine auf eigene Kosten Moscheen bauen und sich zu Verfassungstreue und Toleranz verpflichten.

Hinter dem 34-Jährigen standen die Stadträte seiner Partei Peto, die vor sieben Jahren von Schülern und Studenten gegründet wurde. SPD, CDU, Grüne und FDP votierten dagegen. CDU und SPD starteten oder stützten ein Bürgerbegehren, doch die Stadt hat beim Notar bereits Fakten geschaffen.

Ich bin seit sieben Jahren Bürgermeister von Monheim. Und ich wollte jetzt endlich die Moscheen aus ihren Hinterhöfen holen.

Die erste Generation der Einwanderer hat die Moscheen in den 80ern gegründet, als Provisorien. Heute hat die zweite oder dritte Generation der Muslime hier Abitur gemacht, die Gemeinden sind gewachsen, in Monheim leben rund 5000 Muslime.

Im Ramadan müssen sich die Gemeinden zum Fastenbrechen draußen in den Hofeinfahrten treffen, weil es drinnen keine Räume gibt. Klar, dass das die Nachbarn stört.

Das beste Rezept, um Radikalisierung vorzubeugen

Ich möchte, dass Muslime hier gleichberechtigt behandelt werden - das ist im Übrigen das beste Rezept, um Radikalisierung vorzubeugen.

Ditib und der marokkanisch-islamischen Gemeinde dafür die Grundstücke gegen Auflagen zu überlassen, halte ich für die beste Lösung.

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Die erste Bürgerinformation der Stadt zum Thema Moscheebau (Foto: Stadt Monheim am Rhein)

Wenn wir die Grundstücke verkauft hätten, hätten wir gar keinen Einfluss mehr darauf gehabt, was dort passiert. Hätten wir sie verpachtet, hätten die Muslime keine Sicherheit gehabt, dass sie dort bleiben dürfen.

Kritiker sagen, sie sind nicht gegen die Moscheen an sich - nur dagegen, dass die Muslime die Grundstücke kostenlos bekommen. Dieser Grund ist allerdings oftmals nur vorgeschoben.

Wir fördern nicht nur Muslime

Außerdem fördern wir nicht nur Muslime. Die Grundstückswerte machen etwa 15 Prozent der gesamten Baukosten aus. Die evangelische Kirche hat genauso 15 Prozent der Kosten für die Sanierung des Dachs ihrer Altstadtkirche von der Stadt bekommen, 200.000 Euro. Die Stadt fördert Kindergärten der Kirchen mit 90 Prozent der Kosten. Zwei katholische Grundschulen finanzieren wir komplett.

Richtig entsetzt war ich über den Titel des Bürgerbegehrens, das Gegner angeschoben haben: "Keine Steuergelder für Moscheegrundstücke". Das ist doch bestes AfD-Niveau.

Ich habe nicht gewartet, wie viele Unterschriften da zusammenkommen, sondern den Vertrag mit den Moscheegemeinden gemacht. Alles andere hätte die Muslime nur weiter ausgegrenzt.

Es ist wichtig, vor den Islamkritikern, die in Wahrheit Rechtsradikale sind, nicht einzuknicken.

Wir haben uns für die beiden Moscheevereine entschieden, weil wir sie als zuverlässig kennengelernt haben.

Das deutsche Rechtssystem kennt zum Glück keine Sippenhaft

Und bevor jetzt wieder Kritik an Ditib kommt: Das deutsche Rechtssystem kennt zum Glück keine Sippenhaft. Ich halte nichts davon, Menschen, die hier geboren sind, für das verantwortlich zu machen, was in der Türkei passiert.

Einzelne Deutschtürken haben in Monheim zum Boykott eines Einzelhändlers aufgerufen, der der Gülen-Bewegung nahestehen soll. Der Ditib-Vorstand hat das sehr schnell unterbunden und sich vor den Einzelhändler gestellt.

Im Zug der ganzen Diskussion über den Moscheebau haben sich viele Menschen in Monheim zum ersten Mal mit dem Thema auseinandergesetzt. Viele wussten nicht einmal, dass es hier muslimische Gemeinden gibt. Wenn wir es schaffen, die Neugier aufeinander zu vergrößern, haben wir viel erreicht.

Ich habe das Gefühl: Wenn es Integrationsprobleme gibt, liegt das weniger am fehlenden Willen der Muslime. Sondern an der fehlenden Toleranz eines Teils der Nicht-Muslime.

Der Text wurde von Susanne Klaiber aufgezeichnet.

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