BLOG

Eine offene Plattform für kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Daniel Witzeling Headshot

Regierungsbildung in Österreich: "An ihren Taten sollt ihr sie erkennen!"

Veröffentlicht: Aktualisiert:
SEBASTIAN KURZ
Heinz-Peter Bader / Reuters
Drucken

Für welche Werte und praktische Formen der Veränderung wird die kommende Regierung in Österreich stehen?

Anlayse zu der aktuellen politischen Situation in Österreich.

2008 trat der damalige Präsidentschaftskandidat der Demokraten Barack Obama in den Vereinigten Staaten von Amerika bei den Wahlen mit dem Slogan "Change" sprich „Veränderung" an und wurde erfolgreich der erste afroamerikanische Präsident der USA. Nahezu ein Jahrzehnt später war eine türkise Bewegung mit einer leichten inhaltlichen Abwandlung mit Worthülsen wie "Es ist Zeit" und der Thematik des Wandels in Österreich siegreich.

Doch wofür wird die kommende Bundesregierung in der schönen Alpenrepublik stehen und welche Veränderungen werden stattfinden? Wird die neue österreichische Volkspartei mit gutem Beispiel vorangehen und ihre Machtzirkel wie Bünde, Interessensvertretungen, Banken und Länder beschneiden und deren Einfluss signifikant reduzieren? Werden Lobbyinteressen und finanzkräftige Investoren gleich behandelt wie der einfache Arbeiter oder die einfache Arbeiterin? Wird der Mensch oder mächtige Interessenverbände im Zentrum stehen?

Bis dato ist der vieldeutige Slogan "Veränderung" wirkungsvoll im Fokus der Wähler gestanden und hat der Bewegung von und rund um Sebastian Kurz so wie es aussieht den Bundeskanzler beschert. Der euphorische Nebel wird sich aber rasch lichten und die harte Realität die neue Regierung einholen. Denn eine Kampagne ist eine Kampagne und die Lenkung eines Staates mit multidimensionalen Anforderungen und Bedürfnissen ist eine gänzlich andere Schuhnummer.

Angst vor Rechtsruck und Einsparungen - Nichts wird so heiß gegessen wie es gekocht wird

Die Schreckgespenster wie die Abschaffung der Kammern, gewaltige Kürzungen bei Sozialleistungen oder gar die Privatisierung des Österreichischen Rundfunks (ORF) werden sich wahrscheinlich nicht so extrem bewahrheiten wie es manche Propheten vorhersehen. Was aber viel wichtiger ist als eine Debatte über zum Teil antiquierte Systeme und Apparate ist die Frage wohin sich Österreich als Gemeinschaft entwickeln wird.

Welche Visionen, Emotionen und Ideen haben der zukünftige Bundeskanzler von Österreich und seine Mitstreiter? Verfügen er und sein kampagnengestähltes Team an Fortschrittsgewinnern auch über die Empathie und Menschenbildung, um einen Sensor für diejenigen in der Gemeinschaft zu haben, die nicht auf die Butterseite des Lebens gefallen sind? Große Überschriften sind das eine, das wahre Leben mit seinen oft harten Rückschlägen das andere. Hier gilt es besonderes Fingerspitzengefühl an den Tag zu legen.

Seiten der Macht

Kein Mensch ist rein gut oder rein böse und so ist auch die Angst vor bitteren Einschnitten in die Lebensrealität von gewissen politischen Seiten unberechtigt. Jeder trägt die Veranlagung zum Guten wie auch zum Bösen in sich.

Es hängt nur davon ab, was man aus seinen Gott gegebenen Fähigkeiten macht und wofür man sie einsetzt. Dazu bedarf es einer ganzheitlichen humanistischen Menschenbildung und auch Reife. Diese kann man aber nicht durch eine Kampagne kompensieren. Wer einmal einen schweren Schicksalsschlag erlebt hat, kann nachempfinden wie es anderen Menschen geht, denen einfache Erfolgsformeln nicht aus ihrem Schicksal helfen. Hier geht es um die wichtige Frage des Wertes des Menschen und auch um die an sich in der DNA der Österreichischen Volkspartei verwurzelten christlich-sozialen Werte.

Wie in George Lucas Star-Wars-Saga geht es immer wieder um das Ringen zwischen dem archetypischen Guten und Bösen. In den folgenden Monaten wird sich weisen ob, wie von manchen befürchtet, die dunkle Seite der politischen Macht die Überhand gewinnt, oder es zu einem positiven Veränderungsprozess für ganz Österreich kommt.

Das Erfassen der Befindlichkeiten der Bürger und der authentische und vor allem ehrliche Dialog mit dem Wähler wird hier eine elementare Rolle spielen. Da geht es um höhere Mathematik auf dem Gebiet des Polit-Geschäfts. Dies weiß jeder Dorfkaiser und diese verstehen das Geschäft zumeist besser als jeder noch so gut über den Boulevard verkaufte Minister. Hier sind die medial transportierten Beliebtheitswerte und Rankings eine artifizielle Maßzahl.

Denn der Mensch, seine Emotionen und Befindlichkeiten und vor allem sein Schicksal sind so wie die Zukunft Österreichs nicht linear berechenbar.

____

Lesenswert:

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2017-03-08-1488965563-6721107-iStock482232067.jpg

Ihr habt auch ein spannendes Thema?
Die HuffPost ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blog-Team unter blog@huffingtonpost.de.