Huffpost Germany
BLOG

Eine offene Plattform für kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Daniel Witzeling Headshot

Das sind die Ursachen für Hillary Clintons Niederlage

Veröffentlicht: Aktualisiert:
HILLARY CLINTON
YURI GRIPAS via Getty Images
Drucken

War die Zeit noch nicht reif für die erste weibliche Präsidentin in den USA? Warum konnte in Form von Donald Trump das absolute Gegenteil Präsident werden?

Die ganze Welt und auch George R.R. Martin, Schriftsteller und Produzent der Serie "Game of Thrones", sind fassungslos. Wie konnte es zu einem - Zitat Martin - "President Pussygrabber" kommen? Alles wirkt wie ein schlechter Scherz und für viele wie ein Alptraum.

Es mag etwas vermessen erscheinen, wenn gerade ein Vertreter des männlichen Geschlechts die Ursache(n) analysiert, warum es nicht zur ersten weiblichen Präsidentin in den USA gekommen ist. Doch manchmal ist gerade ein Fremdbild von einer anderen Perspektive durchaus sinnvoll.

War die Zeit nicht reif für eine Madam President? Oder war sogar die Wahl eines Machos zum Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika ein Zeichen der Zeit und ein Indikator für die Rolle der Frau in unserer Gesellschaft? Oder noch präziser formuliert für die Rolle, die Frauen aus der Sicht mancher Männer haben sollten? Keines von beidem trifft zu.

Clintons steiniger Weg

Schon bei den parteiinternen Vorwahlen gegen ihre männlichen Kontrahenten wie Bernie Sanders konnte man erkennen, dass es für Clinton nicht gerade ein natürlicher "Flow" war, sondern eher ein K(r)ampf. Clinton hat sich selbst zu großen Druck gemacht. Barack Obama stellte einen Meilenstein als erster afroamerikanischer Präsident in der Geschichte der USA dar und Hillary Clinton wollte nahezu mit männlicher Gewalt die erste Präsidentin der USA werden. Das kann nicht gut gehen und ist dann in der Konsequenz auch nicht gut gegangen.

Mehr zum Thema: 4 Szenarien zeigen, was die Welt mit Trump als US-Präsident erwartet

Bei Obamas Wahl zum Präsidenten war es ein Prozess in dem er nicht die Ursache oder der Auslöser war sondern höchstens ein Medium in einem gesamtgesellschaftlichen Prozess. Nicht mehr und nicht weniger. Um diese Stimmigkeit und diesen Einklang mit der Zeit und den Menschen geht es im Endeffekt bei Wahlen und gerade bei so entscheidenden wie jenen in den USA umso mehr.

Diese Qualität der Zeit wusste paradoxerweise Donald Trump einfach besser zu nutzen oder anders formuliert er war das bessere Medium für eine an sich schon aufgeladene Zeit.

Wenn man mit sich selbst im Reinen ist, dann fühlt man sich besser und erzielt in der Folge eine bessere Wirkung beim Wähler. Hier dürfte es eine nicht unwesentliche Dissonanz bei Clinton gegeben haben. Trump hingegen war in seiner Egomanie und in seinem Narzissmus mit sich selbst im Reinen und absolut authentisch.

Das Bild Clintons nach außen und ihre persönlichen Motive waren gelinde gesagt nicht wirklich stimmig. Oft hatte man den Eindruck, dass es mehr um ihren Ehrgeiz ging, als um die Bedeutung von Frauen, sonst hätte die Bewegung wahrscheinlich anders ausgesehen.

Gesellschaftlicher Einfluss von Frauen

Ob nun erste Präsidentin oder nicht, was viele außer Acht lassen ist das Faktum, dass Frauen bereits jetzt eine manifeste Rolle bei den Wahlen in den USA gespielt haben und auch unter einem Präsidenten Trump spielen werden. Eine der zentralsten Berater Trumps (es wurde bewusst die männliche Form gewählt) auf die er blind vertraut und hört ist seine Tochter Ivanka.

Diese stellt genau das Gegenteil des impulsiven, meist unreflektiert wirkenden und auch aggressiven Typus Trump dar. Sie ist zurückhaltend, scharfsinnig und bewahrt stets Haltung.

Pointiert und meinungsstark: Der HuffPost-WhatsApp-Newsletter

2016-07-22-1469180154-5042522-trans.png

Ob nun ein Mann oder eine Frau an der Spitze einer Nation, einer Firma oder Organisation steht hat eher eine symbolische als eine rein funktionelle Bedeutung. Bewahren wir daher einen coolen Kopf und lassen wir den neuen Präsidenten Präsident sein. Denn was viele vergessen ist, dass jetzt erst die Bewährungsprobe stattfindet und diese müssen Männer wie auch Frauen meistern.

Wirklich starke Frauen können über Trump sowieso nur schmunzeln oder er ist ihnen schlichtweg egal. Sie gehen ihren Weg. Madam President hin oder her. Es kommt nicht auf den Titel sondern auf die Taten an und die Leistungen, die Frauen in der Gesellschaft vollbracht haben, permanent vollbringen und in Zukunft vollbringen werden, können auch Machos und Männer mit Minderwertigkeitskomplex nicht relativieren. Das weiß sogar Donald Trump.

Auch auf HuffPost:

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2016-07-11-1468249306-1333267-umfrage.jpg

Hier geht es zur Umfrage.

Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?
Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter blog@huffingtonpost.de.