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Eine Zeit sucht ihre Identität

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Was ist der richtige Weg im Leben? Eine Generation auf der Sinnsuche.

Es ist zunehmend schwerer für Menschen den für sie richtigen Weg im Leben zu finden. Ob es die Suche nach dem richtigen Partner, die passende Lebensform oder der beste Job für einen selbst und seine Fähigkeiten ist, es wird zunehmend komplexer und schwieriger den für sich selbst optimalen Weg im Leben zu finden.

Warum ist es heute scheinbar schwieriger denn je Entscheidungen auf verschiedenen gesellschaftlichen Ebenen wie Politik, Familie oder Glauben zu treffen? Warum resultieren aus diesen Themenfeldern oft Spannungsfelder und in der weiteren Folge Problemfelder? Eines steht sicher fest.

Neue Technologien und gesellschaftliche Errungenschaften helfen uns zwar im Alltag sie helfen uns aber nicht bei der Menschwerdung. Hier geht es um Vorbilder und Leitbilder in unserer Gesellschaft.

Harry Potter, Shades of Grey und die Welt der Sehnsüchte und Wünsche

Um diesen Herausforderungen zu entfliehen oder auch um Antworten für ihre Probleme und Fragen zu finden, begeben sich die Menschen oft in Traumwelten. Ob dies nun der neue Harry Potter ist, der mit Freude verschlungen wird oder ob es die Fifty Shades of Grey Fortsetzung ist, die uns die triste Realität vergessen lassen ist da nebensächlich.

Dieser psychohygienische Prozess, sich in eine Traumwelt zu begeben, ist an sich nichts Schlechtes, denn schon einst haben Sagen und Märchen über Zeitperioden und Generationen hinweg Weisheiten und das damit verbundene Wissen in bestimmten Codes oder Geschichten transportiert und den Menschen geholfen im Sinne des Copings mit der Welt um sich herum zurechtzukommen.

Die Erkenntnisse aus der Fantasiewelt auf das Hier und Jetzt und seine täglichen größeren oder kleineren Herausforderungen umzulegen ist nicht immer oder nur begrenzt möglich. Aber es steht fest, dass die modernen Märchen auch wie seinerzeit Archetypen und Role Models beinhalten mit denen sich die Menschen identifizieren können und die sie sich zum menschlichen Vorbild nehmen. Ob dies nun Harry Potter ist oder Christian Grey bleibt jedem selbst überlassen.

Entscheidungen aus dem Bauch heraus: "Man sieht nur mit dem Herzen gut"

Wie stellte schon der französische Mathematiker, Physiker und Religionsphilosoph Blaise Pascal sinngemäß fest "Das Herz hat seine Gründe, die der Verstand nicht kennt". Noch treffender brachte diese Erkenntnis sein Landsmann und Schriftsteller Antoine de Saint-Exupéry auf den Punkt in dem er erkannte, dass man nur mit dem Herzen gut sieht.

Hier geht es nicht um die rationale und banale Entscheidung für das richtige Auto mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis sondern um holistische Entscheidungen, die oft über die Ratio hinausgehen und bei denen Emotionen und Gefühle eine entscheidende Rolle spielen.

Viele Menschen stellen sich im Laufe ihrer Entwicklung die nicht immer unberechtigte Sinnfrage und hier kommen das sprichwörtliche Bauchgefühl und die instinktive Entscheidung wieder ins Spiel.

Entwicklungsgeschichtlich sind die ältesten Hirnregionen und Areale nicht im präfrontalen Cortex, der funktionalistisch mit rationalen Prozessen und Verstand assoziiert wird, zu finden, sondern in entwicklungsgeschichtlich älteren Hirnregionen, die eine zentrale Rolle in Zusammenhang mit der Entstehung von Emotionen und Gefühlen spielen und die auch für instinktives Verhalten, auf welches es oft trotz aller multimedialen Neuerungen ankommt, verantwortlich sind.

Jeder von uns kennt dieses Dilemma eine Entscheidung im Spannungsfeld zwischen Emotion und Ratio zu treffen und nicht selten geht dabei etwas schief.

Denn was in einer Situation als gut und richtig erscheint, kann weitreichende Konsequenzen nach sich ziehen, die dann durchaus nicht mehr das sind, was wir ursprünglich eigentlich wollten. Und genau das ist der Grund, weshalb wir mit uns hadern, denn auch wenn man noch so sehr versucht alles zu durchdenken und im Vorhinein zu antizipieren, so wird es nicht immer möglich sein alle Folgen des eigenen Handelns zu kalkulieren.

Stellt sich die Frage, wie man denn nun zu Entscheidungen kommen soll, wenn man sich prinzipiell immer auf dem sprichwörtlich glatten Eis befindet? Das ist aber genau der Punkt, weshalb uns Figuren in Büchern und Filmen so sehr in ihren Bann ziehen, denn sie haben (scheinbar) gelernt, mit ihren Fehlern und Schwächen zu leben und machen in den auftretenden Konfliktsituationen immer "das Beste draus" ohne ihr Ziel aus den Augen zu verlieren, für das es sich zu kämpfen lohnt.

Vielleicht liegt der Schlüssel zu Problemlösungen im Leben in selbst gesteckten Zielen sowie damit verbundenen Werten und darin sich nicht davon abbringen zu lassen. Viel zu häufig lassen wir uns von medial kolportierten Wünschen und Zielen, die im Grunde gar nicht die unseren sind beeinflussen und von dem, was wir wirklich wollen, ablenken.

Wir halten inne, denken darüber nach und merken gar nicht, wie wir einen Weg einschlagen, der nicht mehr von uns selbst gewählt wurde sondern von anderen gemacht worden ist, anstatt den eigenen Weg mit den Steinen zu pflastern, die wir haben wollen.

Im Idealfall sollten Verstand und Gefühl zusammenspielen und zu einer treffenden Entscheidung führen. Wie die Realität oft zeigt dominiert aber häufig eine Seite und führt so zu eher kopf- oder bauchlastigen Resultaten.

Hier kommt es dann auf die sprichwörtliche Balance im Leben an. Findet man diese für sich, ist man in Bezug auf die eigene Entwicklung schon einen Schritt weiter und sicher auf einem guten Weg die Probleme im Hier und Jetzt und in der Zukunft zu meistern.

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