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Amerika und die Qual der Wahl

Veröffentlicht: Aktualisiert:
TRUMP CLINTON
Mike Blake / Reuters
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Ein Land auf der Suche nach dem geringsten Übel.

Donald Trump hat keine Chance. Er ist sexistisch, rassistisch und generell intolerant jedem und allem gegenüber, der nicht seiner Meinung ist. Ein Alphatier par excellence. Eigentlich dürfte kein vernünftiger Mensch auch nur annähernd auf die Idee kommen Trump zu wählen. Eigentlich.

Trotz zahlreicher Hollywoodgrößen wie Johnny Depp oder Robert de Niro und sogar vieler republikanischer Granden wie Schwarzenegger oder Bush Senior ist "The Donald" überhaupt nicht chancenlos.

Sogar seine peinlichen Aussagen zu seinem Gebaren Frauen gegenüber als Prominenter und Star und die damit aus seiner Sicht verbundenen vorhandenen Vorteile deklassieren ihn nicht als politisch Grenzdebilen sondern werden NLP-artig genutzt, um direkt und unverfroren auf die Verfehlungen und Affären des Gatten der Gegenkandidatin, Bill Clinton, hinzuweisen. Er, Donald Trump, rede ja nur, aber Clintons Gatte habe Taten gesetzt. Somit wären seine peinlichen Ausrutscher en passant relativiert.

Emotion schlägt Intellekt

Und wie funktioniert das? Man stelle sich vor Trump müsste gegen Obama oder Bill Clinton antreten. Dann wäre die Entscheidung wahrscheinlich klarer. Doch ihm gegenüber steht eine Kandidatin, der es nicht an intellektuellen Fähigkeiten aber zentral an Soft Skills wie etwa der berühmten sozialen Kompetenz und Authentizität gegenüber relevanten Wählergruppen mangelt.

Dieser Faktor könnte wahlentscheidend sein und Amerika "The Donald" als obersten Mann im Staat bescheren. Anstatt Trump mit seinen eigenen Waffen, wie Humor und Schlagfertigkeit zu schlagen, wirkt Hillary oft oberlehrerhaft und überheblich. Egal ob Mann oder Frau - Sympathie kennt kein Geschlecht sondern spricht die Sprache des Herzens und dieses schafft die taffe Präsidentschaftskandidatin nicht bei den Wählern und auch Wählerinnen zu berühren.

Im Gegenteil - der von seinem Naturell eher weniger sympathische Paradekapitalist Trump punktet beim Thema Soft Facts mit voller Härte. Das mag was heißen. Alle Berater und Unterstützer aus der Entertainment-Industrie aus Hollywood nutzen nichts, wenn man den Faktor Emotion nicht in seine Formel des Wahlkampfes einberechnet und dementsprechend gewichtet. Sicher, Emotionen alleine reichen nicht, aber gar keinen oder kaum einen Sensor dafür zu haben kann verheerende Konsequenzen haben.

Paradox mutet es in diesem Zusammenhang an, dass Trump in der zweiten TV Debatte seiner Kontrahentin trotz aller Animositäten ehrlich anerkennend ungebrochenen Kampfeswillen mit dem Lob "She is a fighter" zuspricht. Das ausgerechnet aus dem Mund eines Machos wie Trump.

Kontrastphänomen Clinton

Im Kontrast zu Hillary Clinton wirkt sogar der Turbokapitalist Trump wie ein Vertreter der Solidarität mit weniger gut gestellten Menschen. Ein Altherrenwitz hier und ein kleiner blöder Spruch da als Bestätigung der eigenen Männlichkeit oder männlichen Identität fallen da gar nicht mehr wirklich ins Gewicht. Eben "Locker Room Talk".

Clinton hat bei der Wählerwahrnehmung ein Authentizitäts- und Charisma-Problem, welches sich stark auf die Kriterien Sympathie und Emotion auswirkt. Oft argumentiert sie rational, wirkt dadurch aber künstlich und kaum volksnah.

Dass sie sich scheinbar ohne Makel und Schwächen darstellt, ist für die Menschen nicht glaubwürdig und auch wenig sympathisch. Trump schafft es durch seine gerade und ungeschminkte Art bei den Menschen Urinstinkte anzusprechen, die evolutionär gesehen stärker wirken als alle rationalen Fakten, die wenig Wirkung beim Wähler erzeugen.

Im Gegensatz zu Barack oder Michelle Obama hat Hillary Clinton ein gravierendes Glaubwürdigkeitsproblem. Man kauft ihr nicht immer ab was sie sagt und vermutet andere Motive hinter ihren Aussagen. Auf der Klaviatur der dissonanten Außenwirkung seiner Kontrahentin spielt der Bau-Tycoon machiavellistisch. Für wen sich der Souverän entscheiden wird, wird stark von Emotionen und der Mobilisierungskraft der Bewegungen abhängen. Am Ende wird bei den Wahlen in den USA im November die amerikanische Seele entscheiden.

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