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Das Entwicklungsjahr 2015 - großer Erfolg oder nur leere Versprechungen?

29/01/2016 17:15 CET | Aktualisiert 29/01/2017 11:12 CET
Xinhua News Agency via Getty Images

Das Entwicklungsjahr 2015 - großer Erfolg oder nur leere Versprechungen?

Ein Rückblick aus der Perspektive eines ONE-Jugendbotschafters

2015 war ein entscheidendes Jahr für die internationale Entwicklungspolitik. In diesem Jahr wurden Vereinbarungen getroffen, die richtungsweisend für die Ausgestaltung der Entwicklungszusammenarbeit der kommenden Jahre sind.

Neben den obligatorischen Jahresrückblicken von Markus Lanz und Günther Jauch lohnt es sich daher auch, eine Bilanz des sogenannten Entwicklungsjahrs 2015 zu ziehen: Was wurde erreicht und was nicht?

Junge Menschen haben die Agenda für eine nachhaltige, gerechtere und friedvollere Welt stets mitgestaltet, ob beim G7-Gipfel in Elmau, den neuen Entwicklungszielen der Vereinten Nationen oder den Klima-Verhandlungen in Paris. Ob ihr Engagement wirkungsvoll war, wisst ihr nach dem Lesen dieses Artikels.

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Impfungen als Lebensretter

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Die internationale Geberkonferenz der globalen Impfallianz Gavi in Berlin war im Januar der Auftakt einer Reihe von Events, die unsere Welt zumindest ein Stück weit besser machen sollten. Während mich seit meiner Masern-Impfung vor 21 Jahren das Thema Impfungen nicht wirklich berührt hat, ist es für eine Vielzahl von Kindern in den ärmsten Ländern überlebenswichtig. Jedes Jahr sterben immer noch 1,5 Millionen Minderjährige an Krankheiten, die durch einen kleinen Nadelstich verhindert werden könnten.

Die entwicklungspolitische Kampagnenorganisation ONE rief im Kontext der Konferenz die Kampagne „AlleEltern" ins Leben. Die Initiative setzt sich dafür ein, dass Eltern ihren Kindern überall auf der Welt ein gesundes Aufwachsen ermöglichen können. Unterstützt wurde die Kampagne durch zahlreiche Aktionen der Jugendbotschafter von ONE.

So wurde im Vorfeld der Konferenz eine #AlleEltern-Petition mit rund 150.000 Unterschriften an Entwicklungsminister Gerd Müller übergeben und eine medienwirksame Demo organisiert. Die Kampagnen- und Lobbyarbeit von ONE und vielen anderen Organisationen war nicht umsonst.

Am Ende kamen sogar mehr Gelder für Gavi zusammen als die geforderten 7,5 Milliarden US-Dollar. Deutschland übernahm einen Anteil von 600 Millionen Euro und überstieg damit sogar den von deutschen NGOs errechneten „fair share". Mit diesem Geld sollen weitere 300 Millionen Kinder in Entwicklungsländern mit lebenswichtigen Impfungen versorgt und so bis zu sechs Millionen Leben gerettet werden. Ein klasse Start ins Jahr 2015!

Armut ist sexistisch!?

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Pünktlich zum Weltfrauentag am 08. März veröffentlichte ONE die Studie „Armut ist sexistisch", ein Bericht über die Situation von Frauen in Entwicklungsländern. Auf den ersten Blick womöglich ein irritierender Titel, aber er bringt das Problem auf den Punkt: ONE stellte fest, dass Frauen auf der einen Seite viel härter von extremer Armut betroffen sind als Männer und auf der anderen das größte Potential haben sie zu beenden.

Ein Missstand und eine große Chance gleichermaßen! ! Eine weltweite Ungerechtigkeit wartete darauf, beendet zu werden. Ganze Gesellschaften würden von einer Stärkung von Frauen und Mädchen profitieren.

Vor diesem Hintergrund rief ONE zur Veröffentlichung des Berichts gemeinsam mit 50 deutschen Jugendbotschaftern und prominenten Unterstützern wie Maria Furtwängler und Gesine Schwan eine Kampagne ins Leben, die Bundeskanzlerin Merkel und die G7 dazu aufforderte, Frauen und Mädchen in den Mittelpunkt aller Initiativen zur Bekämpfung von Hunger und Armut zu stellen.

Die Weltgemeinschaft stand dieses Jahr in der Pflicht, endlich mehr als nur ein Zeichen zu setzen, damit Frauen, insbesondere in Entwicklungsländern, ihre gesellschaftliche, politische sowie wirtschaftliche Wirkungsfähigkeit entfesseln. Die nächsten beiden Stationen dieses Jahresrückblicks - der G7-Gipfel und die Verabschiedung der globalen Nachhaltigkeitsziele bei den Vereinten Nationen - haben hierzu entscheidende Beiträge geleistet.

Mehr als heiße Luft: Die ONE-Aktionen zum G7-Gipfel

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Öffentliche Aufmerksamkeit lebt von starken Bildern. Man kann es oberflächlich finden, aber man dringt kaum zu politischen Entscheidungsträgern durch, wenn man sich nur auf die Kraft der Argumente verlässt. Deshalb bemühen sich viele NGOs auch so sehr, ihre Botschaften für die Medien - und vermittelt durch diese auch für die Bürger und Politiker - im wahrsten Sinne des Wortes sichtbar zu machen.

Die ONE-Ballons mit den Gesichtern der G7-Staats- und Regierungschefs sind ein solches Mittel der politischen Sichtbarmachung. Als die Ballons in München während des G7-Gipfels zum Einsatz kamen, begleitet von den Rufen der Jugendbotschafter, die die G7 mahnten. „mehr als heiße Luft" zu produzieren , war ihnen die Aufmerksamkeit der Medien und damit der Öffentlichkeitsicher.

Auch die Kundgebung auf dem Münchner Königsplatz unter dem Motto "Zusammen gegen Armut" - mit prominenter Unterstützung der Liberischen Präsidentin und Nobelpreisträgerin Ellen Johnson Sirleaf, den Schauspielern Katja Riemann, Anna Loss und Jan-Josef Liefers sowie US-Sänger Usher hat einen Beitrag dazu geleistet, dass entwicklungspolitische Probleme und vor allem die Stärkung von Frauen in der Abschlusserklärung des G7-Gipfels besondere Berücksichtigung finden. Es ist fraglich, ob die Abschlusserklärung auch ohne den breiten und sichtbaren öffentlichen Druck so positiv ausgefallen wäre.

Das Ende von Armut, Hunger und Ungleichheit? Die neuen UN-Entwicklungsziele

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Die Vereinten Nationen wollen in den kommenden 15 Jahren die größten Probleme der Menschheit beseitigen. Die 193 Mitgliedsstaaten beschlossen im September in New York die 17 sogenannten Nachhaltige Entwicklungsziele, auch SDGs (Sustainable Development Goals) genannt. Mit diesen SDGs sollen bis 2030 unter anderem Armut, Hunger und soziale Ungerechtigkeiten bekämpfen werden.

Ebenso soll der Raubbau an der Natur gestoppt und dem Klimawandel wirksam entgegengetreten werden. Die entscheidende Neuheit gegenüber den Millenniumentwicklungszielen (MDGs), die Vorgängerziele der SDGs, die 2000 beschlossen wurden,, ist, dass die Ziele für alle Staaten universell gültig sind und so eine Einteilung in Industrie- und Entwicklungs-Länder vermieden wurde. Bei den SDGs sind alle Länder „Entwicklungsländer".

Natürlich waren die ONE-Jugendbotschafter beim UN-Gipfel in erster Reihe vertreten. Die Armut ist sexistisch-Petition, die über 1 Million Menschen unterzeichnet haben, wurde von einer ONE-Jugendbotschafterin zusammen mit U2-Sänger Bono an Friedensnobelpreisträgerin Malala und dem UN-Generalsekretär Ban Ki-moon übergeben. Sogar Michelle Obama unterstützte die Botschaft der Petition. In ihrer Rede beim Global Citizen Festival im New Yorker Central Park sagte sie: „Armut ist sexistisch - Frauen und Mädchen sind am schwersten davon betroffen."

Im Nachklang des Gipfeltreffens gab die Bundesregierung im November die höchste Steigerung und den höchsten Entwicklungshilfe-Etat in der Geschichte der Bundesrepublik bekannt. So steigt das Budget für die Entwicklungszusammenarbeit 2016 um 13,2 Prozent auf 7,4 Milliarden Euro.

Endlich ein Klimavertrag

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Als sei das nicht schon genug für ein einziges Jahr, einigte sich die Staatengemeinschaft in Paris nach unzähligen fehlgeschlagenen Verhandlungsrunden in den Vorjahren endlich auf einen Weltklimavertrag. Dieser globale Pakt zum Kampf gegen den Klimawandel wird als Kunststück der Diplomatie angesehen, als letzter Strohhalm zur Erreichung des Zieles, die Erderwärmung auf 2 Grad zu begrenzen.

Zur Umsetzung der Vereinbarungen soll der Ausstoß von CO2-Emissionen von fossilen Brennstoffen bis zur zweiten Jahrhunderthälfte auf null gesenkt werden. Länder des Globalen Südens sollen beim Kampf gegen den Klimawandel und bei Anpassungsmaßnahmen gegen seine Folgen ab 2020 mit 100 Milliarden US-Dollar pro Jahr unterstützt werden, die in einem sogenannten „Green Climate Fund" fließen sollen.

Zudem wollen die Industrieländer den Entwicklungsländern, die besonders von Folgen der Klimaveränderung wie Dürren oder Überschwemmungen leiden, mithilfe von Klimaversicherungen unterstützen. Einziger Haken an der Sache: Es gibt weder einen Sanktionsmechanismus bei Nichteinhaltung gemachter Zusagen noch wurde bisher ein Kontrollinstrument bei der Umsetzung der Klimaziele entwickelt.

Startpunkt für eine erfolgreiche Zukunft der Entwicklungspolitik

Auch, wenn viele Vereinbarungen noch mit Inhalten und konkreten Maßnahmen gefüllt werden müssen, war es aus entwicklungspolitischer Sicht ein gelungenes Jahr 2015. Eine starke Zivilgesellschaft und das Engagement junger Menschen waren das Fundament dieses Erfolgs.

Ohne den Druck der Öffentlichkeit und die unzähligen Aktionen der Nichtregierungsorganisationen wäre das entscheidende Momentum für diese Vielzahl von mutigen politischen Übereinkünften gar nicht erst entstanden. Wenn die Umsetzung auch nur ansatzweise so effektiv ist, wird dieses Jahr als ein Meilenstein der Bemühungen um eine nachhaltige, gerechte und friedliche Welt in die Geschichte eingehen. Bleiben wir wachsam und halten den Druck hoch!

Weitere Informationen finden Sie auf dem Blog des Jugendbotschafterprogramms von BMZ/GIZ/UNICEF sowie auf one.org.

Video: Soziales Engagement: Der betterplace lab Jahresfilm 2014

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