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Es lebe der Unterschied!

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Luis Alvarez via Getty Images
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Nahezu jede Ansicht oder Meinung ist nur ein kleiner Teil einer größeren, ganzen Wahrheit! Die meisten argumentieren nur aus ihrer eigenen, subjektiven Wahrnehmung, ihrem persönlichen Umfeld und eigenem Empfinden heraus und halten dies für die ultimative, allgemeingültige Wahrheit.

Andere wiederum glauben bereitwillig, völlig unkritisch und unreflektiert, was ihnen ein Meinungsführer (Verschwörungstheoretiker oder machthungriger, korrupter Politiker) oder eine größere Institution (zum Beispiel im Mittelalter die Kirchen, heute die Massenmedien, Lobbys oder geltungsbedürftige Promis) eintrichtert.

Und manch einer hat den Mut seinen eigenen Verstand zu nutzen, alle anderen zu hinterfragen ... nur nicht sich selbst. Wir sollten uns nicht in Nazis und Gutmenschen spalten lassen, sondern versuchen die Ă„ngste, BefĂĽrchtungen und Ansichten ernst zu nehmen und zu ergrĂĽnden, wo sie herkommen.

Wenn wir nicht nur überzeugt sind, sondern WISSEN, dass der Andere im Irrtum ist, bringt es nichts, ihn persönlich und seine Ansichten anzugreifen und somit das Symptom zu ignorieren oder ins Lächerliche zu ziehen, sondern wir müssen die URSACHE für diesen Irrtum (zum Beispiel übertriebener, fast schon utopischer Idealismus beziehungsweise Wunschdenken oder Radikalisierung aus pessimistisch begründeten Existenz- oder Verlustängsten) bekämpfen.

Religion ist von Menschen erschaffen

Und wenn jemand einem Irrtum erliegt, ganz gleich wer von beiden, sollte man mit sachlichen Argumenten verständnisvoll und respektvoll einander aufklären. Genauso mit den Religionen. Wir sollten uns nicht scheuen, Religionen daraufhin zu hinterfragen, ob sie moralisch-ethisch fragwürdige Aussagen beinhalten beziehungsweise in Ihrer Gänze überhaupt noch
zeitgemäß sind.

Sowohl und vor allen Dingen zuerst die eigene aber auch die anderen. Wir müssen sie nicht als gottgegeben hinnehmen. Denn Religionen sind meiner Ansicht nach auch nur von MENSCHEN und nicht von einer höheren, intelligenteren und über jeden Zweifel erhabenen Macht geschaffen.

Klingt vielleicht sehr provokant, aber wie sind wohl die Religionen entstanden? Hier, nur eine mögliche These: Wenn ich etwas sagen möchte, von dem ich glaube, dass es so etwas wie eine ultimative Wahrheit oder Lösung für alle Probleme ist, wie bringe ich die Leute dazu, mir zu glauben?

Ich bin doch schlieĂźlich nur einer von 8 Milliarden meiner Spezies (okay, damals waren es weniger, aber immer noch verdammt viele). Warum sollte ich glaubwĂĽrdiger sein, als mein Nachbar? Warum sollten die anderen glauben, dass ich ihnen in intellektueller oder moralischer Hinsicht ĂĽberlegen bin, wo doch mein Kopf genauso groĂź ist wie ihrer, wo ich doch genau wie sie 2 Arme, 2 Beine, 2 Augen und 2 Ohren habe.

Man braucht nur ein Wunder

Nun, ich muss sie davon überzeugen, dass die Botschaft nicht von mir, sondern einer höheren Macht oder Gottheit stammt. Wie bringe ich die Leute, dazu an eine höhere Macht (Gottheit) zu glauben?

Indem ich sie (wie ein Zauberkünstler) mit etwas faszinierendem konfrontiere, dass sie weder verstehen noch nachmachen können, weil nur ich dieses Wissen darum besitze und die anderen es (noch) nicht kennen. Ich sorge für etwas bis dato unerklärbares, für ein "Wunder".

Zum Beispiel das Heilen einer vermeintlich unheilbaren Krankheit, weil die Leute zu diesem Zeitpunkt vielleicht noch nie etwas von Heilpflanzen/-kräutern gehört haben.

Versteht mich nicht falsch. Ich finde es gut, wenn Menschen an Dinge glauben. Der Glaube schlieĂźt eine LĂĽcke, die die Wissenschaft (noch) nicht fĂĽllen kann. Auch ich glaube.

Ich glaube, dass wir alle gleichwertig sind

Ich glaube an ein natürliches Gleichgewicht der Kräfte („actio und reactio" -> natürliche Regulation), an Karma beziehungsweise Schicksal und Zufälle, an die Fähigkeit und den Willen der Menschen Gerechtigkeit zu empfinden, ihr (gutes) Gewissen, die Fähigkeit sich in andere Menschen hineinzuversetzen (Der Mensch ist schließlich ein Rudeltier und soziales Wesen) und schließlich an die Fertigkeit Isolation/Separation durch Angst (Angst vor dem Unbekannten/Fremden) zu überwinden und zu mehr vorsichtiger Neugier und durch diesen Austausch letztlich zu mehr Wissen und Erkenntnis zu gelangen.

Ich glaube aber nicht daran, dass wir alle gleich sind, aber daran, dass wir alle gleichwertig sind - mit unterschiedlichen Interessen, Begabungen - die wir leider zu selten bei anderen würdigen und häufig auch bei uns selbst nicht realisieren oder verstehen und aus Angst nicht mehr dazu zu gehören leugnen.

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Aber so, wie in der Natur aus Mutationen (zufälligen Abweichungen von der Norm und dem bisher da gewesenem) Neues, teils höher entwickeltes Leben entsteht, so glaube ich, dass durch zufällige Geistesblitze/Ideen, Entdeckungen bei uns Menschen, sich unser Wissen und unsere Intelligenz immer weiter entwickelt.

Wir SIND alle verschieden. Aber vielleicht bloß deshalb, weil ein einziger Mensch (alleine aufgrund der begrenzten Lebenszeit) nicht in der Lage wäre, die Welt in ihrer ganzen Komplexität zu begreifen.

Nur wenn wir die Welt aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachten und den Mut haben hin und wieder auch mal eine völlig neue Theorie zu verfolgen und Richtung einzuschlagen indem wir unsere Bequemlichkeit des Gewohnten und der Konformität verlassen, können wir uns Schritt für Schritt weiterentwickeln.

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