BLOG

Eine offene Plattform f├╝r kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Daniel Schneevoigt  Headshot

Es lebe der Unterschied!

Ver├Âffentlicht: Aktualisiert:
PEOPLE TALKING
Luis Alvarez via Getty Images
Drucken

Nahezu jede Ansicht oder Meinung ist nur ein kleiner Teil einer gr├Â├čeren, ganzen Wahrheit! Die meisten argumentieren nur aus ihrer eigenen, subjektiven Wahrnehmung, ihrem pers├Ânlichen Umfeld und eigenem Empfinden heraus und halten dies f├╝r die ultimative, allgemeing├╝ltige Wahrheit.

Andere wiederum glauben bereitwillig, v├Âllig unkritisch und unreflektiert, was ihnen ein Meinungsf├╝hrer (Verschw├Ârungstheoretiker oder machthungriger, korrupter Politiker) oder eine gr├Â├čere Institution (zum Beispiel im Mittelalter die Kirchen, heute die Massenmedien, Lobbys oder geltungsbed├╝rftige Promis) eintrichtert.

Und manch einer hat den Mut seinen eigenen Verstand zu nutzen, alle anderen zu hinterfragen ... nur nicht sich selbst. Wir sollten uns nicht in Nazis und Gutmenschen spalten lassen, sondern versuchen die Ängste, Befürchtungen und Ansichten ernst zu nehmen und zu ergründen, wo sie herkommen.

Wenn wir nicht nur ├╝berzeugt sind, sondern WISSEN, dass der Andere im Irrtum ist, bringt es nichts, ihn pers├Ânlich und seine Ansichten anzugreifen und somit das Symptom zu ignorieren oder ins L├Ącherliche zu ziehen, sondern wir m├╝ssen die URSACHE f├╝r diesen Irrtum (zum Beispiel ├╝bertriebener, fast schon utopischer Idealismus beziehungsweise Wunschdenken oder Radikalisierung aus pessimistisch begr├╝ndeten Existenz- oder Verlust├Ąngsten) bek├Ąmpfen.

Religion ist von Menschen erschaffen

Und wenn jemand einem Irrtum erliegt, ganz gleich wer von beiden, sollte man mit sachlichen Argumenten verst├Ąndnisvoll und respektvoll einander aufkl├Ąren. Genauso mit den Religionen. Wir sollten uns nicht scheuen, Religionen daraufhin zu hinterfragen, ob sie moralisch-ethisch fragw├╝rdige Aussagen beinhalten beziehungsweise in Ihrer G├Ąnze ├╝berhaupt noch
zeitgem├Ą├č sind.

Sowohl und vor allen Dingen zuerst die eigene aber auch die anderen. Wir m├╝ssen sie nicht als gottgegeben hinnehmen. Denn Religionen sind meiner Ansicht nach auch nur von MENSCHEN und nicht von einer h├Âheren, intelligenteren und ├╝ber jeden Zweifel erhabenen Macht geschaffen.

Klingt vielleicht sehr provokant, aber wie sind wohl die Religionen entstanden? Hier, nur eine m├Âgliche These: Wenn ich etwas sagen m├Âchte, von dem ich glaube, dass es so etwas wie eine ultimative Wahrheit oder L├Âsung f├╝r alle Probleme ist, wie bringe ich die Leute dazu, mir zu glauben?

Ich bin doch schlie├člich nur einer von 8 Milliarden meiner Spezies (okay, damals waren es weniger, aber immer noch verdammt viele). Warum sollte ich glaubw├╝rdiger sein, als mein Nachbar? Warum sollten die anderen glauben, dass ich ihnen in intellektueller oder moralischer Hinsicht ├╝berlegen bin, wo doch mein Kopf genauso gro├č ist wie ihrer, wo ich doch genau wie sie 2 Arme, 2 Beine, 2 Augen und 2 Ohren habe.

Man braucht nur ein Wunder

Nun, ich muss sie davon ├╝berzeugen, dass die Botschaft nicht von mir, sondern einer h├Âheren Macht oder Gottheit stammt. Wie bringe ich die Leute, dazu an eine h├Âhere Macht (Gottheit) zu glauben?

Indem ich sie (wie ein Zauberk├╝nstler) mit etwas faszinierendem konfrontiere, dass sie weder verstehen noch nachmachen k├Ânnen, weil nur ich dieses Wissen darum besitze und die anderen es (noch) nicht kennen. Ich sorge f├╝r etwas bis dato unerkl├Ąrbares, f├╝r ein "Wunder".

Zum Beispiel das Heilen einer vermeintlich unheilbaren Krankheit, weil die Leute zu diesem Zeitpunkt vielleicht noch nie etwas von Heilpflanzen/-kr├Ąutern geh├Ârt haben.

Versteht mich nicht falsch. Ich finde es gut, wenn Menschen an Dinge glauben. Der Glaube schlie├čt eine L├╝cke, die die Wissenschaft (noch) nicht f├╝llen kann. Auch ich glaube.

Ich glaube, dass wir alle gleichwertig sind

Ich glaube an ein nat├╝rliches Gleichgewicht der Kr├Ąfte (ÔÇ×actio und reactio" -> nat├╝rliche Regulation), an Karma beziehungsweise Schicksal und Zuf├Ąlle, an die F├Ąhigkeit und den Willen der Menschen Gerechtigkeit zu empfinden, ihr (gutes) Gewissen, die F├Ąhigkeit sich in andere Menschen hineinzuversetzen (Der Mensch ist schlie├člich ein Rudeltier und soziales Wesen) und schlie├člich an die Fertigkeit Isolation/Separation durch Angst (Angst vor dem Unbekannten/Fremden) zu ├╝berwinden und zu mehr vorsichtiger Neugier und durch diesen Austausch letztlich zu mehr Wissen und Erkenntnis zu gelangen.

Ich glaube aber nicht daran, dass wir alle gleich sind, aber daran, dass wir alle gleichwertig sind - mit unterschiedlichen Interessen, Begabungen - die wir leider zu selten bei anderen w├╝rdigen und h├Ąufig auch bei uns selbst nicht realisieren oder verstehen und aus Angst nicht mehr dazu zu geh├Âren leugnen.

Pointiert und meinungsstark: Der HuffPost-WhatsApp-Newsletter

2016-07-22-1469180154-5042522-trans.png

Aber so, wie in der Natur aus Mutationen (zuf├Ąlligen Abweichungen von der Norm und dem bisher da gewesenem) Neues, teils h├Âher entwickeltes Leben entsteht, so glaube ich, dass durch zuf├Ąllige Geistesblitze/Ideen, Entdeckungen bei uns Menschen, sich unser Wissen und unsere Intelligenz immer weiter entwickelt.

Wir SIND alle verschieden. Aber vielleicht blo├č deshalb, weil ein einziger Mensch (alleine aufgrund der begrenzten Lebenszeit) nicht in der Lage w├Ąre, die Welt in ihrer ganzen Komplexit├Ąt zu begreifen.

Nur wenn wir die Welt aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachten und den Mut haben hin und wieder auch mal eine v├Âllig neue Theorie zu verfolgen und Richtung einzuschlagen indem wir unsere Bequemlichkeit des Gewohnten und der Konformit├Ąt verlassen, k├Ânnen wir uns Schritt f├╝r Schritt weiterentwickeln.

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2016-07-11-1468249306-1333267-umfrage.jpg

Hier geht es zur Umfrage.

Ihr habt auch ein spannendes Thema?
Die Huffington Post ist eine Debattenplattform f├╝r alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter blog@huffingtonpost.de.

Auch auf HuffPost:

Lesenswert: