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Die Politik hat keinen Plan B für Europa - deswegen müssen wir, die EU-Bürger, Initiative ergreifen

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Ein Europa ohne Großbritannien kann ich mir nicht vorstellen. Doch das ist nun Realität. Genauso wenig habe ich mit dem Sieg Donald Trumps gerechnet. Auch das ist passiert. Das waren beide Male ein großer Schock für mich.

Doch beide Entscheidungen haben mich auch wachgerüttelt. Genau einen Tag nach der Trump-Wahl habe ich deshalb mit meiner Frau eine Initiative für ein starkes demokratisches Europa gegründet: "Pulse of Europe", der Puls Europas. Darin möchten wir alle pro-europäischen Kräfte sammeln.

Den europäischen Pulsschlag spürbar machen

Wir sind eine Bürgerbewegung, die aus einem einzigen Impuls heraus entstanden ist: Wir wollen etwas gegen die europafeindliche Stimmung unternehmen. Wir wollen deutschland- und europaweit auf die Straße gehen, um den europäischen Pulsschlag wieder spürbar zu machen.

Denn in diesem Jahr gibt es mehrere große Schicksalswahlen und damit reale Bedrohungen für Europa. Die Franzosen wählen einen neuen Präsidenten, die Niederländer ein neues Parlament. Und natürlich haben wir auch die Bundestagswahl im Herbst im Blick.

Gewinnt Marine Le Pen in Frankreich, und Geert Wilders Partei in den Niederlanden, treten beide Länder aus dem Euro aus. Dann bricht zuerst die Gemeinschaftswährung und dann die gesamte Europäische Union zusammen.

Mehr zum Thema: Panikmache und Gehirnwäsche: Die kruden Theorien von Europas Rechtspopulisten

pulse of europe

Aus unserer Sicht ist die Wohnzimmeratmosphäre und das Debattieren für die Bevölkerung in Westeuropa vorbei. Wir - die Mehrheit, die so lange geschwiegen hat - müssen für ein vereintes Europa zusammenstehen.

Wut und Angst sollen Solidarität weichen

Seit mehreren Wochen gehen wir nun immer sonntags auf die Straße: Vergangenes Wochenende kamen in Frankfurt am Main 700 Leute zusammen, in Freiburg 350, in Karlsruhe einige Dutzend. Wir werden immer mehr, andere Städte fragen an - auch außerhalb Deutschlands. Am Sonntag werden wir erstmals in Amsterdam und bald auch in Paris demonstrieren.

Denn wenn viele Leute in vielen Orten sich für etwas Positives einsetzen, dann gibt das Energie und Kraft. Wir wollen die Politik wachrütteln.

Wir, Menschen aller Altersklassen, unterschiedlichster Berufe, sozialer, religiöser und politischer Hintergründe, wollen uns sichtbar machen. Wir wollen unser Interesse an einem demokratischen Europa verbreiten.

Wir wollen die Menschen entlasten. Ihre starken Gefühle, wie Wut oder Angst, sollen einem Solidaritätsgefühl weichen. So wollen wir der gefühlten alltäglichen Ohnmacht gemeinsam entfliehen. Unser wichtigstes Zeichen ist deshalb die Menschenkette. Damit soll ein sichtbares Gegengewicht gegen diejenigen gesetzt werden, die Nationalismus frönen und Mauern errichten wollen.

Mehr zum Thema: Es gibt nur eine Antwort auf Trumps Hass: Make Europe Great Again!

pulse of europe

Das Schlimme ist: Die Politik hat keinen Plan B. Deswegen müssen wir EU-Bürger Initiative ergreifen.

Europa muss gerade jetzt weiterentwickelt werden, es muss bei den Bürgern ankommen. Und die Bürger müssen sich bewusst machen, was sie eigentlich an Europa haben: das größte Friedensprojekt aller Zeiten, Reisefreiheit, keine Zölle, freier Warenverkehr und das alles in Vielfalt geeint.

Wir wollen sowohl unsere Mitbürger, als auch die Politiker wachrütteln: "Ihr müsst Europa auf die Agenda ziehen, das müssen alle hören!" Es muss ein Zukunftsplan für Europa ausgearbeitet werden. Denn selbst Martin Schulz, der nun aus der EU-Politik in die Bundespolitik gewechselt ist, zeigt das noch viel zu wenig.

pulse of europe

Vor den Wahlen in den Niederlanden und in Frankreich rufen wir die Menschen dort auf, sich zu versammeln. Hier wie dort sollten sich die Menschen genau überlegen, für was und wen sie stimmen.

"Pulse of Europe" will für ein vereintes, demokratischen Europa werben. Ein Europa, in dem die Achtung der Menschenwürde, die Rechtsstaatlichkeit, freiheitliches Denken und Handeln, Toleranz und Respekt selbstverständliche Grundlage des Gemeinwesens sind.

Dass unser hehres Vorhaben klappt, davon bin ich überzeugt.

Das Gespräch wurde von Marco Fieber protokolliert.

Jedes Kind braucht die Chance auf Bildung

Egal wo auf der Welt: Ohne Bildung haben Kinder aus armen Familien in der Regel keine Chance. Doch die ist mitunter teuer - und so vergrößert sich vielerorts das Ungleichgewicht. Dieses Problem versuchen Organisationen in aller Welt zu lösen. Wie ihr selbst aktiv werden könnt, erfahrt ihr bei unserem Kooperationspartner Betterplace.