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Trump ist das Ergebnis, wenn die Alternative keine Alternative ist

Veröffentlicht: Aktualisiert:
DONALD TRUMP
Mike Segar / Reuters
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Der Rechtspopulist Trump wird also der nächste Präsident der Vereinigten Staaten. Er ist am Ziel seines (un)aufhaltsamen Aufstiegs. Allen Meinungsumfragen zum Trotz, die Clinton bereits als Siegerin sahen.

Zwei Sachen an die ich denken musste, nachdem ich beim Aufstehen las, dass Trump wohl US-Präsident wird:

Hat ein Staat wie die USA einen solchen Mann nicht vielleicht verdient, nach all dem Leid das er über die Welt brachte? Natürlich nicht, schließlich wird die arbeitende Bevölkerung der USA ebenso an den Rand des Existenzminimums gedrängt, wie die eines jeden anderen Staates.

Diese Menschen haben so etwas nicht verdient. Und Trump wird nichts verändern, er ist Teil des Problems, nicht der Lösung. Trump schürt rassistische Stimmung gegen Latinos, Musliminnen und Muslime sowie Schwarze.

Er ist klar gegen die Selbstbestimmung der Frau, nicht zuletzt beim Thema Abtreibung. Er beschuldigte alle Mexikaner Vergewaltiger zu sein, drohte mit Massenabschiebungen, Einreiseverboten für Menschen aus dem Nahen Osten und mehr. Der Traum von Rückwärtsgewandten und Rechten Amerikanern und Amerikanerinnen.

Das zweite an das ich dachte: Trump ist das Ergebnis, wenn die Alternative keine Alternative, und eine linke Systemalternative nicht mehr im Rennen ist.

Mehr als 70 Prozent der Menschen, die Trump wählten, gaben an, dass sie mit ihm einen Wandel verbinden. Weg von der USA der Wall Street, hin zu einer Reindustrialisierung, dem Rückzug der Truppen aus dem Ausland, Infrastrukturprogrammen, Abschaffung der sogenannten „Freihandelsabkommen" und mehr. Logisch, dass eine solche Politik befürwortet wird, wenn man bedenkt, dass heute etliche Amerikanerinnen und Amerikaner einen schlechteren Lebensstandard haben, als vor 40 Jahren.

Clinton dagegen war für die meisten die Kandidatin der Wall Street. Bedenkt man, dass große Sponsoren ihrer Kampagne Katar, die Rüstungsindustrie und Banken waren, ist es relativ logisch diese Verbindung zu ziehen. Sie war für die Menschen der Status Quo, der nicht mehr zu ertragen war und kein Aufbruch in ein solidarisches Morgen.

Eine linke und progressive Alternative gab es, sie hieß Bernie Sanders.

Die Demokraten haben sich selbst um den Sieg gebracht, als sie den Sozialdemokraten aus dem Rennen warfen. Er war, deutlich stärker als Trump, ein Symbol für eine komplett andere Politik, gegen Rassismus, für eine solidarische Gesellschaft und gegen die Wallstreet.

Die US-Wahl war nur eine von vielen Wahlen, die zeigen, dass die Menschen weltweit frustriert und ausgelaugt sind. Der moderne Kapitalismus, der an den frühen Manchesterkapitalismus erinnert, hat Lebensstandards weltweit gesenkt, Arbeitsplätze vernichtet und Menschen in Armut getrieben - der nun ausufernde Rechtspopulismus in Form von Trump, FPÖ, Front National oder AfD ist nur der Wurmfortsatz dieser Politik.

Es gilt, eine linke Antwort auf den Kapitalismus populär zu machen, für einen Sozialismus des 21. Jahrhunderts.

So wie es Bernie Sanders und Jeremy Corbyn getan haben und tun werden, selbst wenn man nicht in allem übereinstimmt.

Für Linke in den USA stellt sich nun die Frage, wie neben den traditionellen zwei Parteien langfristig eine dritte, linke Bewegung oder sogar Partei aufgebaut werden kann, die der zu erwartenden rückschrittlichen Trump-Politik etwas entgegen hält. Der Keim, der mit der „Movement for Bernie" und der „BlackLivesMatters" Bewegung gesetzt wurde, muss nun sprießen.

Um endlich echte Demokratie aufzubauen, Jobs zu schaffen, den Mindestlohn deutlich zu erhöhen, die Infrastruktur auf Vordermann zu bringen, Jobs in Pflege, Schulen und mehr zu schaffen, Reiche zur Kasse zu zerren sowie den Arbeiterinnen und Arbeitern ihre Würde zurück zu geben. Facebookposts und Tweets werden die Welt nicht verändern, deshalb kommt es nun drauf an aktiv zu werden, egal ob in Deutschland, Frankreich, Großbritannien oder den USA.

Der Sozialist Eugene Debs, US-Präsidentschaftskandidat der Socialist Party zu Beginn des 20. Jahrhunderts, schrieb etwas sehr richtiges: „Ich möchte, dass ihr [Arbeiterinnen und Arbeiter] begreift, dass es nichts gibt, das ihr nicht selbst schaffen könnt. Ihr braucht den Kapitalisten nicht. Er würde keine Sekunde existieren ohne euch. Ihr würdet einfach anfangen, ohne ihn zu leben." Und erst recht ohne einen Trump.

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