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Wie man sich in der Cloud „verlaufen" kann

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Alejandro Levacov via Getty Images
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Die Cloud bietet nicht nur Vorteile. Wer nicht aufpasst, läuft Gefahr schwere Fehler zu begehen. Datenschutz und -integrität lassen grüßen.

Gebetsmühlenartig predigen die Analysten und die IT-Industrie die unendlichen Vorteile von Cloud-Lösungen. Doch nun nimmt die Technologie auch de facto Fahrt auf: IT-Abteilungen passen ihre Budgets auch entsprechend an.

Gerade erst hat eine Bitglass-Umfrage von 92 internationalen CIOs und IT-Chefs ergeben, dass 55 Prozent der Befragten eine „Cloud-first"-Strategie auf ihrer Agenda haben. Das cloud-basierte SaaS-Modell hat für viele Unternehmen große Vorteile.

Der schnelle Einsatz von gebrauchsfertigen Systemen ist erschwinglich, lässt sich einfach anpassen und bietet die Möglichkeit, insbesondere neue Ideen im Kontext der digitalen Transformation schnell und unkompliziert umzusetzen. Unternehmen können auf diese Weise viel einfacher neue Anwendungslösungen implementieren.

Aber wie immer im Leben ist nicht alles Gold, was glänzt. Die meisten Cloud-Lösungen sind nicht-firmeneigene, proprietäre Systeme, die von vielen Kunden gemeinsam genutzt werden.

Unternehmen fehlt die Entscheidungsfreiheit, wo ihre Anwendungen und Daten genau angelegt werden. Bleiben die Daten im eigenen Land? Werden sie beim Vertragspartner oder extern gelagert? Gibt es einen Mix aus all diesen Möglichkeiten? Meistens haben Unternehmen jedoch gar keine Wahl, sondern müssen auf das fertige System des entsprechenden Anbieters zurückgreifen - was jedoch nicht für alle Unternehmen funktioniert.

Fallstricke bei Cloud-Lösungen

Bevor sich ein Unternehmen für eine Cloud-Lösung entscheidet, sollten Sicherheitsaspekte, behördliche Vorschriften und die Kompatibilität zu bestehenden Strukturen sorgfältig abgewogen werden. Auch die dem Anbieter eigenen Regeln und Eigenschaften müssen geprüft werden. Je komplexer das Unternehmen und je größer die Datenmengen, desto wichtiger wird das Thema Datensicherheit, insbesondere bei multinationalen Konzernen. Nicht zuletzt aufgrund der Haftungsfragen.

Vor Kurzem hatte ich ein Meeting in einem großen Unternehmen aus dem Finanzsektor, bei dem es um die Installation eines neuen Customer-Relationship-Management-(CRM-)Systems ging. Die Botschaft war von Anfang an klar: „Wir wollen und können die Daten unserer Kunden auf keinen Fall in einer öffentlichen Cloud speichern, wo wir möglicherweise die Kontrolle verlieren."

Rund um den Globus müssen Unternehmen aus stark regulierten Bereichen wie Finanzdienstleistungen, Gesundheitswesen oder aus dem Regierungsumfeld sich nach strengen Gesetzen und Regulierungen richten, um persönliche und sensible Daten zu schützen. Die Bereitstellung der CRM-Lösung in einer öffentlichen Cloud ist hier meist keine Option.

Viele Länder haben strenge Reglen, die das Sammeln und Speichern von Kundendaten steuern. In Deutschland beispielsweise dürfen die Daten nur innerhalb der Landesgrenzen gespeichert werden.

Das hat Folgen, etwa bei den Verhandlungen über das Safe-Harbor-Abkommen zwischen den USA und Europa. Viele Unternehmen werden sich dazu entschließen, ihre Kundendaten zumindest innerhalb der europäischen Grenzen zu speichern, wenn nicht sogar im eigenen Land. Nur so kann die Einhaltung der Bestimmungen gewährleistet werden.

Neben der Regulierung sind es vor allem Sicherheitsaspekte, die den CIOs Sorgen bereiten, wenn es um gemeinsam genutzte, öffentliche Clouds und IT-Infrastrukturen geht. Zum einen fürchten sie, dass sie die Kontrolle über Daten verlieren, die in öffentlichen Clouds gespeichert sind. Die Vorstellung, viel Geld in Sicherheits-Tools und komplexe Autorisierungszertifikate zu investieren, nur um dann den Sicherheitsmechanismen des Cloud-Anbieters zu scheitern, ist für viele absurd.

Denn nicht einmal die IT-Abteilung hat Einblick in die Sicherheitsmechanismen des CRM Cloud-Anbieters. Und wenn diese Mechanismen versagen, können Sie weder etwas reparieren, noch mit Ihren Daten selbstständig zu einem anderen Anbieter wechseln. Diese Aussichten hinterlassen bei vielen CIOs ein ungutes Gefühl.

Gekoppelt mit dem Risiko, dass die Medien Wind von einem Daten-Fail bekommen und das Unternehmen womöglich Gefahr läuft, seinen Ruf zu ruinieren - so vor Kurzem etwa bei Anthem Insurance, AT & T oder Ashley Madison in den USA geschehen. Spätestens seit diesem Zeitpunkt diskutiert jeder über die Gefahren, die extern gespeicherte Daten mit sich bringen.

Vertrauensbrüche dieser Art können nicht nur Geschäftsverluste bedeuten, sondern auch mit Bußgeldern einhergehen.

Unternehmen sollten immer die Freiheit und Flexibilität haben, diejenigen Lösungen und Architekturen implementieren zu können, die exakt ihren Ansprüchen und Anforderungen an Sicherheit, Compliance-Vorgaben und Datenintegration entsprechen. Das kann, muss aber keine öffentliche Cloud-Umgebung sein.

Flexible Lösungen erlauben das Hosting im eigenen Rechenzentrum oder geben die Wahlmöglichkeit einer privaten oder öffentlichen Cloud-Bereitstellung oder auch die einer hybriden Kombination.

Mein Fazit:
Die Cloud ist toll. Doch auf dem Weg zur Cloud sollten Unternehmen sich nicht zu Lösungen drängen lassen, die ein Risiko für die Daten, das Unternehmen oder die eigene unternehmerische Zukunft darstellen. Es gilt also insbesondere alle Risiken abzuwägen, um sich nicht in der Cloud zu verlaufen.

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