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Gleichberechtigung 4.0 - Was kommt nach dem Feminismus?

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Gary Burchell via Getty Images
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Gemessen an den Erfolgen ist die real existierende Frauenförderpolitik in Deutschland gescheitert. Schreitet die bisherige Gleichstellung weiter so „dynamisch" voran, dauert es noch 100 Jahre bis zur Gleichheit von Frau und Mann. Lohnt sich der Kampf überhaupt?

No return on investment?

Wer „Sheconomy" von Christiane Funken liest, möchte die Frage verneinen und das Buch am liebsten bereits nach dem Lesen der ersten beiden Seiten wieder beiseite legen. In Interviews mit Managerinnen im Alter der Generation 50 plus deutscher, Schweizer und österreichischer Unternehmen schlug der Berliner Arbeitssoziologin eine Welle der Ernüchterung entgegen: „No return on investment!" Das enorme berufliche Engagement zahlt sich nicht aus.

Der Zugang zu den Chefetagen bleibt deutschen Frauen verschlossen. Mit diesem empirischen Befund will sich die Autorin aber nicht abfinden und wird appellativ. SchlieĂźlich sind Frauen fĂĽr die neue Arbeitswelt geschaffen. FĂĽr Funken sind sie flexibler, kooperativer und kommunikativer.

Frauen sind die besseren Männer! Kopfschüttelnd kommentiert die Autorin die Ergebnisse einer Befragung, wonach für die Mehrheit der Frauen eine sinnvolle Tätigkeit bei der Berufswahl im Vordergrund steht. Für die Männer ist es das Gehalt. Frauen ändert Euch endlich, greift nach der Macht, werdet wie die Männer! Der ebenso pauschale wie platte Appell wird schnell verhallen.

Was, wenn sich nicht die Frauen, sondern die Männer ändern müssen und mit ihnen unser Verständnis von Arbeit und Wirtschaft?

Die Arbeitswelt der Zukunft wird weder weiblich sein noch männlich bleiben

Die zentrale These von „Sheconomy": „Erstmalig in der Wirtschaftsgeschichte sind Frauen nicht nur darauf angewiesen, dass sich die Einstellung der Männer ändert" ist eine Illusion. Die Arbeitswelt der Zukunft wird weder weiblich sein noch männlich bleiben. Die Debatte ist hierzu in den USA weiter als bei uns.

Ann-Marie Slaughter beobachtet und analysiert pragmatisch und wird am Ende pathetisch und visionär. Die frühere Stabschefin unter US-Außenministerin Hillary Clinton und heutige Präsidentin des Think Tanks „New America" hat 2012 mit ihrem Aufsatz „Why Women still can't have it all" ihre Entscheidung begründet, den Traumjob im Weißen Haus zu verlassen und zu ihrer Familie und ihrer akademischen Karriere zurückzukehren und damit eine breite Debatte losgetreten.

Für die Feministinnen galt sie als Verräterin, für die Konservativen als Bestätigung, dass Frauen nicht beides - Kinder und Karriere - haben können. In ihrem neuen Buch „Was noch zu tun ist" legt Slaughter jetzt nach. Die heutige Frauenförderung müsse sich von einer Reihe von Stereotypen und Annahmen befreien - nicht nur für Frauen, sondern auch für Männer.

Denn: „Die nächste Phase der Frauenbewegung wird eine Männerbewegung sein".

Frauen und Männer können alles haben (nur nicht gleichzeitig)

Slaughter setzt vor allem auf die Alphamänner. Sie haben es in der Hand zu neuen Vorbildern zu werden und die Definition zu ändern, was als Alphamann gilt. Ihre Emanzipation von tradierten Rollenbildern und biologistischen Vorurteilen ist die Voraussetzung einer neuen Gleichberechtigung.

Das Problem: die meisten Frauen trauen ihren Männern im Haushalt und bei der Kindererziehung kaum etwas zu und die Männer wollen, dass es neue Männer gibt, aber sie wollen bloß nicht zu ihnen gehören. Die politische Strategin und Politikwissenschaftlerin setzt auf die Macht der kulturellen Anpassung und Flexibilität. Auch Männer müssen sich in Bewerbungsgesprächen fragen (lassen), wie sie Beruf und Familie verbinden wollen. Ändern muss sich auch unsere Sprache.

Wer zuhause bleibt, um die Kinder zu erziehen, ist ein „Vollzeit-Elternteil". Väter, die arbeiten und Kinder haben, sind „berufstätige Väter". Statt um „Work Life-Balance" geht es um „Work Life-Fitness".

Eigennutz und FĂĽrsorge sind die Motoren des Kreativen Kapitalismus

Ohne einen Wandel der Arbeitswelt und Wirtschaft wird es nicht gehen. „Wie können wir die Wirtschaft ändern, um Platz für Fürsorge zu schaffen?" Indem wir nach sinnvoller Arbeit und nach menschlicher Verbundenheit suchen.

An dieser Stelle wird das Buch zum Ratgeber. Slaughter liefert eine Reihe von Tipps und Checkfragen für den „perfekten Arbeitsplatz" und am Ende eine Vision: eine Politik und Wirtschaft, die in Eigennutz und Fürsorge keinen Widerspruch sieht. Ein „kreativer Kapitalismus", der auf fürsorgliche statt nur besorgte Bürger setzt und dafür eine entsprechende Infrastruktur bereithält.

Wer das in den USA umsetzen soll, verrät Ann-Marie Slaughter ebenfalls. Sie rechnet fest mit Hillary Clinton als nächster US-Präsidentin.

Literatur:
Christiane Funken: Sheconomy. Warum die Zukunft der Arbeitswelt weiblich ist. C. Bertelsmann. 208 Seiten. 17,99 Euro. 2016

Ann-Marie Slaughter: Was noch zu tun ist. Damit Frauen und Männer gleichberechtigt leben, arbeiten und Kinder erziehen können. Kiepenheuer und Witsch, 352 Seiten. 17,99 Euro. 2016.

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