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Aufstieg der Roboter, Abstieg des Menschen?

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ROBOTS HUMANS WORK
Arnd Wiegmann / Reuters
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In wenigen Jahren werden wir nur noch drei Stunden am Tag arbeiten. Die Prognose ist mehr als 100 Jahre alt. Mitten in der schweren Wirtschaftskrise der 1930er Jahre beschrieb der britische Ökonom John Maynard Keynes in dem Aufsatz „Economic Possibilities for our Grandchildren" eine Vision für das Jahr 2030.

Folgt nach der Revolution die Exekution?

Keynes Prognose ist heute aktueller denn je. Das Zeitalter der Roboter bricht an. Die Maschinen werden nicht nur unsere Produktivität steigern, sie werden sich selbst in Arbeiter verwandeln, verkündet Martin Ford in seinem neuen Buch „Aufstieg der Roboter".

Der Kenner des Silicon Valley warnt davor, dass die gegenwärtige technologische Revolution die Beschäftigten nicht nur effizienter machen, sondern sie auch vollständig ersetzen werde. Die These von der Entmenschlichung der Arbeitswelt ist nicht neu.

Mehr zum Thema: Hardware allein macht noch keine digitale Schule aus

Vor mehr als 50 Jahren warnte der SPIEGEL mit dem Titel „Einzug der Roboter" bereits vor der Ära der Automation. Nur wenige Jahre folgte der Titel „Fortschritt macht arbeitslos". Auf dem Bild ist ein Roboter zu sehen, der einen Arbeiter packt und ihn zur Seite räumt. Folgt auf die Revolution in Zukunft die Exekution?

Die künftige Automatisierungswelle betrifft im Unterschied zu früheren nicht nur traditionelle Berufe und Routinetätigkeiten wie Transport und Logistik, Sachbearbeiter, Versicherungsgutachter und Servicekräfte.

Auch andere Berufe können sich in Zukunft nicht mehr sicher sein. Egal ob Ärzte, Anwälte und Aufsichtsräte - keiner kommt davon. Mitarbeiter werden ausschließlich aufgrund ihrer Leistung ausgewählt, befördert oder entlassen. In wenigen Jahren könnten schlaue Maschinen die Arbeit von 140 Millionen Wissensarbeitern leisten, hat das Beratungsunternehmen McKinsey berechnet.

Das Forschungsinstitut der Bundesagentur für Arbeit schätzt, dass 4,5 Millionen Deutsche heute in einem Beruf arbeiten, dessen Tätigkeit zu mindestens 70 Prozent von einem Computer erledigt werden kann. Dafür entstehen aber auch Hunderttausende neue Jobs durch die Digitalisierung. Doch welche, kann niemand voraussagen.

Arbeit wird nicht knapp

Wer den Wandel stoppen und die Menschheit vor den Maschinen schützen will, kämpft einen verlorenen Kampf. Die Gewerkschaften werden Fabrikhallen mit Robotern weder stürmen noch sie bestreiken wie sie es seit dem Beginn der industriellen Revolution immer wieder versuchten.

Die Automatisierung zerstört nicht Jobs, sie definiert sie neu. Sie reduziert Kosten und erhöht die Nachfrage, weil sie schneller und günstiger ist. Länder mit vielen Robotern wie China, Korea und Deutschland haben vergleichsweise wenig Arbeitslose.

Mehr zum Thema: Viele Chefs wünschen sich jetzt Roboter - weil sie ihre Mitarbeiter fürchten

Die Automatisierung wird jene Jobs aufwerten, die Menschen nur von Menschen ausgeübt sehen wollen. Die sogenannten „caring"-Jobs rund um die Bereiche Pflege, Gesundheit und Erziehung verzeichnen weltweit immense Wachstumszahlen.

Ein „bedingungsloses Grundeinkommen" ist keine Antwort auf die digitale Transformation der Arbeit, sondern ein Relikt aus der Ära der Knappheit. Arbeit wird auch in Zukunft nicht knapp sein.

Der Aufstieg des kreativen Menschen

Die Antwort auf den Aufstieg der Roboter ist der Aufstieg des kreativen Menschen. Kreativität, Erfahrung und Intelligenz werden Maschinen in dieser Verbindung nicht abbilden können. Die Grundprinzipien einer digitalen Sozialen Marktwirtschaft sind Vernetzung, Freiheit und Neugierde.

Die digitale Arbeitswelt wird aus vernetzten Teams bestehen. Der Anteil an Freiberuflern wird deutlich steigen. Die Beschäftigten werden schneller neu und umlernen als in früheren Zeiten. Wirtschaft und Politik sind daher gefordert, dass Menschen ständig und schneller lernen und den Job wechseln können.

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Unser Bildungssystem fördert die Spezialisierung. Wenn aber Wissen immer schneller veraltet, wird es wichtiger, das Lernen in Teams zu lernen anstatt, wie man eine Aufgabe im stillen Kämmerlein richtig löst. Auch der Arbeitsmarkt muss flexibler werden und den Jobwechsel eher belohnen als bestrafen. Aus der Arbeitslosen- muss eine Erwerbstätigenversicherung werden.

Generation R

Das 20. Jahrhundert war ein Jahrhundert der technischen Innovationen. Ein Jahrhundert der Maschinen, das den Menschen großen Wohlstand gebracht hat. Das 21. Jahrhundert wird eines der Versöhnung von Mensch und Maschine.

Der digitale Wandel ermöglicht und beschleunigt die Humanisierung der Arbeitswelt, von der frühere Generationen träumten. Unsere Kinder und Enkelkinder werden als „Generation R", als Robotic Natives aufwachsen. Roboter werden für sie alltäglich sein, als selbstfahrende Mobilität, Assistenten im Haushalt oder als Pflegekraft im Heim.

Keynes war ein Zukunftsoptimist. Die Theorie vom Ende der Arbeit lehnte er ab. Das zentrale Problem war für ihn die Geschwindigkeit: Die maschinelle Entdeckung von Mitteln, um Arbeit einzusparen, schreitet schneller voran als die Fähigkeit, die Menschen in neue Arbeit zu bringen.

Für John Maynard Keynes war das eigentliche Thema in seinem Aufsatz an die Enkelkinder nicht das Ende der Arbeit oder die Verdrängung des Menschen durch die Maschine, sondern die Freizeitgestaltung. Was fangen wir mit der neu gewonnenen Zeit in Zukunft an?

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